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Ein lauwarmer Winterabend in Kansas City, 59.000 Zuschauer, aber auf dem Rasen brannte die Luft: Kansas City FC gewann am 18. Spieltag der 1. Liga USA mit 3:1 gegen Inter Miami - und das nach frühem Rückstand. Das Stadion bebte, als die Hausherren innerhalb einer halben Stunde das Spiel drehten. Trainer Abdi Singer grinste nach Schlusspfiff wie jemand, der gerade ein besonders gutes Pokerblatt ausgespielt hatte: "Wir haben’s ruhig gehalten, dann zugestochen - wie eine Katze, die sich erst streicheln lässt und dann zuschlägt." Dabei sah es zunächst gar nicht danach aus. Inter Miami begann offensiv, fast übermütig. Schon in der 3. Minute donnerte Innenverteidiger Corey O’Leary einen Warnschuss aufs Tor - offenbar hatte er vergessen, dass er eigentlich hinten spielt. Nur 13 Minuten später machte es sein Sturmkollege Julian Gonzalo besser: Nach einer präzisen Flanke von O’Leary (der also überall war) traf Gonzalo zum 0:1. Gästecoach Gavin Knipp riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Meisterschaft gewonnen. "Da war der Plan noch frisch", murmelte er später mit bitterem Lächeln. Doch Kansas City ließ sich nicht beirren. Kapitän Fernando Tiago - der schon vorher auffällig oft Richtung Tor stapfte - traf in der 29. Minute zum Ausgleich. Ein wuchtiger Schuss, nach Vorarbeit von Innenverteidiger Jan Jendrisek, der sich offenbar dachte: Wenn der Gegnerverteidiger schon Tore vorbereitet, kann ich das auch. "Ich hab einfach draufgehalten", lachte Tiago später. "Manchmal muss man nicht schön spielen, nur laut genug treffen." Mit 1:1 ging es in die Pause, doch wer dachte, die zweite Halbzeit würde taktisches Schach bieten, bekam einen Schlagabtausch im Boxstil. Schon 40 Sekunden nach Wiederanpfiff tauchte Louis Caroll frei vor dem Tor auf und versenkte eiskalt - 2:1 für Kansas City. Der Pass kam, wie sollte es anders sein, von Pedro Bermudez, der kurz zuvor noch Gelb gesehen hatte. Eine klassische Fußballer-Logik: Erst ermahnt werden, dann erlöst man die Mannschaft. Coach Singer jubelte, aber rief sofort: "Jetzt bleibt ruhig!" - was seine Spieler großzügig ignorierten. Denn in der 57. Minute schlug Kansas City noch einmal zu. Ari Nyman, der Dauerläufer auf der rechten Seite, verwandelte nach Vorarbeit von - natürlich - Fernando Tiago. 3:1, die Entscheidung. Danach durfte Tiago unter Standing Ovations runter und wurde durch Gabriel Barbulescu ersetzt. "Ich war platt, aber glücklich", grinste Tiago später. "Der Trainer meinte, ich hätte genug Chaos angerichtet." Inter Miami mühte sich weiter. 15 Torschüsse verbuchte das Team insgesamt, mehr als Kansas City (12). Doch Torwart Önder Akin hatte einen dieser Tage, an denen er einfach alles hielt - sogar Blicke. In der 74. Minute wechselte Knipp gleich dreifach: Pascal Jean-Pierre, Miguel Albinana und der junge Filippo Giuliani kamen, um das Spiel noch einmal zu drehen. Doch außer einem spektakulären Fehlschuss von Albinana in der Nachspielzeit blieb wenig hängen. Taktisch blieb Kansas City erstaunlich ruhig. Während Miami durchgehend offensiv spielte, agierten die Gastgeber ausgewogen, griffen aber mit robuster Härte an. Drei Gelbe Karten waren der Preis - Bermudez, Tiago und Marcos de Almeida sahen Gelb, aber ließen sich davon kaum beeindrucken. "Unsere Aggressivität war stark, aber fair", sagte Trainer Singer später und zwinkerte. "Na ja, meistens." Statistisch war’s fast ausgeglichen - 51 Prozent Ballbesitz für Kansas City, 49 für Miami. Aber die Effizienz entschied: Drei Tore aus zwölf Schüssen sind eine Quote, von der Marketingabteilungen träumen. Und während Miamis Offensivmühle unermüdlich mahlte, fehlte der feine Staub - sprich: die Präzision. Gästecoach Knipp fasste es trocken zusammen: "Wir haben viel gearbeitet, aber Kansas City hat die Tore gemacht. Das ist im Fußball dummerweise entscheidend." Am Ende sangen die Fans in Kansas City, als wäre schon Meisterfeier. Der Platz war nass, die Spieler müde, der Trainer glücklich. Und irgendwo in der Mixed Zone hörte man Tiago rufen: "Heute war’s kein schönes Spiel - aber ein schönes Ergebnis." Schlusswort? Vielleicht dieses: Fußball ist manchmal gerecht. Und manchmal trägt Gerechtigkeit das Trikot von Kansas City FC. 15.08.643987 15:02 |
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