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Kaiserslautern zerlegt Brunsbüttel: Ein 7:0, das weh tat

Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob man das Flutlicht wirklich einschalten musste - oder ob es nicht gereicht hätte, das Spiel in der Dunkelheit verschwinden zu lassen. Vor 1.727 tapferen Zuschauern im kleinen Stadion von Brunsbüttel fegte der 1. FC Kaiserslautern im Liga-Pokal der Oberliga E über den BSC hinweg wie ein Nordseesturm über eine Sandburg. 0:7 hieß es am Ende, und das Ergebnis war fast noch schmeichelhaft.

Schon nach 60 Sekunden war klar, wohin die Reise geht. Der 17-jährige Nael Ze Castro, ein schmächtiger Linksaußen mit dem Selbstbewusstsein eines gestandenen Profis, schob den Ball nach Vorarbeit von Walther Pfeifer seelenruhig ins Netz. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Ze Castro später - keiner glaubte ihm. Brunsbüttel wirkte da schon wie paralysiert, und das sollte sich nicht mehr ändern.

In der 18. Minute schlug der nächste Jungspund zu: Curt Mann, ebenfalls 17, vollendete nach einem feinen Pass von Ferenc Miriuta zum 0:2. Auf der Trainerbank raufte sich Brunsbüttels Coach - dessen Name im offiziellen Spielbericht kurioserweise fehlt - die Haare. "Wir wollten mutig spielen", murmelte er später in die Reporter-Mikros, "aber offenbar war das Missverständnis kollektiv."

Kaiserslautern kombinierte, als hätten sie das Spielfeld auf Zeit gepachtet. In der 28. Minute traf wieder Ze Castro, diesmal nach Vorlage von Mann, und als Oscar Benito in der 34. Minute aus 20 Metern trocken zum 0:4 abschloss, applaudierte selbst der Heimblock - leise, aber ehrlich. Die Gäste ließen die Kugel laufen, Brunsbüttel hinterher. Kurz vor der Pause durfte sich auch noch Innenverteidiger Dylan Donahue in die Torschützenliste eintragen. Nach einer Ecke drückte er den Ball über die Linie - 0:5 zur Halbzeit.

In der Pause fragte ein älterer Zuschauer mit Schal und belegter Stimme den Ordner neben ihm: "Sagen Sie mal, läuft das hier eigentlich auf Zeit?" Der Ordner nickte nur.

Nach dem Seitenwechsel schalteten die Gäste kurz ab - um dann gleich wieder anzuschalten. In der 53. Minute schnürte Ze Castro seinen Dreierpack, mustergültig bedient von Maik Pohl. Der junge Portugiese - oder war es Spanier? Die Vereinsunterlagen wissen es selbst nicht so genau - strahlte über beide Ohren: "Drei Tore? Ich wollte eigentlich vier", sagte er, als wäre das nichts weiter als ein verpasster Bus.

Das 0:7 fiel in der 68. Minute, erneut durch Curt Mann, der nach feiner Flanke des eingewechselten Diego Zabaleta den Ball in den Winkel drosch. Danach durfte Brunsbüttel wenigstens wieder mitspielen - vermutlich, weil Kaiserslautern beschlossen hatte, dass sieben Tore als Gastgeschenk reichen.

Die Statistik unterstreicht das einseitige Bild: 27 Torschüsse für Kaiserslautern, ganze fünf für Brunsbüttel. Der Ballbesitz lag mit 53 zu 47 Prozent fast ausgeglichen, doch man ahnte: Die Hausherren hatten ihn nur, wenn Kaiserslautern kurz Luft holte.

Gelbe Karten gab’s auch: Otto Maurer (41.) und Markus Johansson (64.) kassierten Verwarnungen, vermutlich aus purer Langeweile. "Ein bisschen Farbe im Spiel", witzelte Gästetrainer Kada Schmide nachher. Überhaupt war Schmide bester Laune: "Wir haben heute gesehen, was passiert, wenn junge Spieler Spaß haben. Und wenn der Gegner uns gewähren lässt."

Auf der anderen Seite versuchte Brunsbüttels Torwart Liam Wegener tapfer, das Unvermeidliche hinauszuzögern. "Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen", sagte er nach dem Spiel, "da stand’s, glaube ich, 0:5." Seine Vorderleute wirkten oft überfordert, kämpften aber bis zum Schluss - was man ihnen zugutehalten muss.

Ein kleiner Trost: Trotz der sieben Gegentore blieb das Publikum fair. Nach Schlusspfiff gab es sogar zaghaften Applaus. Vielleicht war es Dankbarkeit, dass Kaiserslautern den achten Treffer höflich ausließ.

Am Ende stand ein Ergebnis, das man in Brunsbüttel wohl noch lange nicht vergessen wird. Und während die jungen Lautrer ausgelassen tanzten, schleppte sich der BSC mit hängenden Köpfen vom Feld.

"Wir müssen das sportlich nehmen", sagte der Heimtrainer. "Und beim nächsten Mal vielleicht erst nach fünf Minuten das erste Gegentor kassieren."

Ein bisschen Galgenhumor hat man eben auch in Brunsbüttel.

27.10.643990 06:15
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Marcio Amoroso ist der Prototyp des Spielers, der nach einem 1:10 höchst zufrieden nach Hause geht, weil er das einzige Tor geschossen hat.
Paul Breitner
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