// Startseite
| Außenseiter |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
An einem kühlen Freitagabend im Februar, Flutlicht an, Oberliga E, 20. Spieltag: 3.980 Zuschauer auf dem Betzenberg sahen ein Spiel, das zwar nur ein Tor bot, dafür aber jede Menge Drama, jugendliche Unbekümmertheit und einen Trainer, der nach Abpfiff erst mal tief durchatmete. Kaiserslautern schlug Reinickendorf mit 1:0 - ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber hart erarbeitet war. Von Beginn an war klar, wer hier das Heft in die Hand nehmen wollte. Die jungen Lautrer - Durchschnittsalter: kaum volljährig - spielten, als hätten sie vergessen, dass man im Fußball auch verlieren kann. Schon nach sieben Minuten prüfte Nael Ze Castro den Reinickendorfer Keeper Yannik Siebert mit einem strammen Schuss, zwei Minuten später folgte Curt Mann mit der nächsten Gelegenheit. Der 17-Jährige, der an diesem Abend zum Matchwinner werden sollte, war vom ersten Pfiff an überall. "Der Junge hat Feuer", grinste Trainer Kada Schmide später, "manchmal zu viel, aber das nehme ich gern in Kauf." Reinickendorf dagegen wirkte, als hätte man den Bus direkt in die Defensive geparkt. Einzig Andreas Beer sorgte in der 13. Minute für einen Hauch von Gefahr - sein Schuss war jedoch mehr ein höflicher Gruß an Lauterns Torhüter Oskar Wenzel. Danach rollte Angriff um Angriff auf das Tor der Gäste. Kaiserslautern hatte nicht nur 18 Torschüsse (Reinickendorf ganze zwei), sondern auch knapp 51 Prozent Ballbesitz - eine Statistik, die sich wie Dominanz liest, aber in Wahrheit ein Geduldsspiel beschrieb. In der 30. Minute fiel dann das Tor des Abends - und was für eins. Nach einer klugen Hereingabe von Dennis Jones stand Curt Mann goldrichtig, nahm den Ball direkt und jagte ihn aus halbrechter Position ins Netz. 1:0, Stadion bebt, Trommeln, Fackeln, Jugend jubelt. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Mann später mit einem breiten Grinsen. "Dennis meinte noch vorher, ich soll den Ball nicht verstolpern. Zum Glück hat er das nicht laut gesagt." Danach entwickelte sich das Spiel zu einem Musterbeispiel für das Wort "knapp". Kaiserslautern drückte weiter, Reinickendorf verteidigte mit allem, was nicht niet- und nagelfest war. Der erfahrene Hans Körner, 34, sah in der Nachspielzeit noch Gelb - wohl auch, weil seine Nerven genauso müde waren wie seine Beine. Neben ihm stand Niko Büttner, der sich schon in der 5. Minute eine Verwarnung abgeholt hatte. "Wir wollten eigentlich ruhig bleiben", murmelte Reinickendorfs Trainer nach dem Spiel, "aber gegen diese Teenager rennt man halt ständig hinterher." In der zweiten Halbzeit zeigte sich Kaiserslautern weiter offensiv, ohne den Sack zuzumachen. Schüsse von Ze Castro (50.) und Beto (54., 57.) rauschten knapp vorbei, Benjamin Keane prüfte Siebert aus der Distanz (65., 70.). Nach 67 Minuten wechselte Schmide durch: Callum McLeod kam für Beto, Ferenc Miriuta ersetzte Jones - und kurz darauf sogar ein Torwartwechsel: Knud Ackermann für Oskar Wenzel. Ein seltener Anblick, der bei den Fans für amüsierte Blicke sorgte. "Oskar wollte den Kollegen auch mal ranlassen", witzelte Schmide später. "Teamgeist, wissen Sie?" Reinickendorf versuchte in der Schlussphase noch, etwas nach vorn zu bewegen. Ein Schuss von Yannick Brand in der 59. Minute war immerhin ein Lebenszeichen, doch mehr als ein laues Lüftchen wurde es nicht. Kaiserslautern blieb taktisch stabil, spielte weiter offensiv, aber mit kontrollierter Energie - ganz nach Schmidens Credo: "Lieber den Ball behalten, als den Gegner wieder aufwecken." Als der Schlusspfiff ertönte, fiel von den Lautrern eine spürbare Last ab. Ein 1:0 mag auf dem Papier knapp erscheinen, doch das Spiel war eine Demonstration jugendlicher Reife. 18:2 Torschüsse, fast 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 90 Minuten Druck - das liest sich wie ein souveräner Sieg, fühlte sich aber an wie ein Marathon. "Wir hätten höher gewinnen können", meinte Torschütze Mann, "aber vielleicht ist so ein knapper Sieg genau das, was uns wachsen lässt." Trainer Schmide nickte dazu nur und schob hinterher: "Wenn die Jungs so weitermachen, muss ich bald Eintritt zahlen, um sie spielen zu sehen." Reinickendorf hingegen reiste mit hängenden Köpfen ab. "Wir haben uns nicht versteckt", sagte Kapitän Körner, "aber manchmal reicht das einfach nicht." So blieb es bei einem 1:0, das mehr war als nur ein Ergebnis. Es war ein Versprechen: Kaiserslautern hat eine Generation auf dem Platz, die laufen, kämpfen - und treffen kann. Und für die Zuschauer war klar: Wenn man schon friert, dann bitte mit Stil. Ein Sieg mit jugendlichem Überschwang, einem Schuss Ironie und einem Curt Mann, der an diesem Abend nicht nur den Ball, sondern auch die Herzen der Fans traf. 26.01.643991 13:09 |
Sprücheklopfer
Man wusste bei mir immer, wo ich dran war.
Günter Netzer über seine rhetorischen Fähigkeiten