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Ein Valentinstags-Abendspiel in der Oberliga E, Flutlicht, 3.710 Zuschauer - und ein Kaiserslautern, das sich in Torlaune zeigte. Mit einem souveränen 2:0 (2:0) schickten die Pfälzer den BSC Brunsbüttel nach Hause, der sich zwar bemühte, aber in den entscheidenden Momenten so harmlos blieb wie ein Sonntagsschuss auf den Parkplatz hinterm Stadion. Trainer Kada Schmide hatte sein Team offensiv eingestellt, und das merkte man vom Anpfiff weg. Schon nach wenigen Minuten sah Uwe Beyer Gelb - ein Zeichen, dass die Lauterer mit Engagement zur Sache gingen. "Ich wollte einfach zeigen, dass wir da sind", grinste der 18-Jährige nach dem Spiel. "Der Schiedsrichter hat das wohl etwas anders gesehen." In der 15. Minute folgte dann der erste Höhepunkt: Benjamin Browning, der quirligte Linksaußen, zog nach einem herrlichen Pass von Stephane Chamberlain von der linken Seite nach innen und schlenzte den Ball ins lange Eck - 1:0. Die Zuschauer sprangen auf, der Stadionsprecher überschlug sich fast, und Browning riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. Nach dem Spiel sagte er trocken: "Na ja, man muss ja mal anfangen. Vielleicht war’s ja der erste von vielen." Brunsbüttel wirkte davon sichtlich beeindruckt. Zwar versuchten Daniel Klug (27.) und Robin Schuster (28.) mit zwei Schüssen aufs Tor, etwas Gefahr zu erzeugen, doch Lauterns Keeper Knud Ackermann blieb weitgehend beschäftigungslos. "Ich hab mir in der ersten Halbzeit mehr Sorgen um meine Finger gemacht, die kalt wurden, als um die Brunsbütteler Stürmer", witzelte der Torhüter später. Kurz vor der Pause dann das 2:0 - und was für eins. Alessandro Musso, gerade 19, bekam rechts den Ball, zog entschlossen in den Strafraum und vollendete eiskalt. "Ich hab einfach abgezogen", erklärte er nachher, "und gehofft, dass keiner merkt, dass mein linker Fuß eigentlich nur zum Stehen da ist." Niemand merkte es - außer vielleicht Brunsbüttels Torwart Liam Wegener, der sich vergeblich streckte. Zur Halbzeit war die Partie im Prinzip entschieden. Schmide nutzte die Pause, um zu wechseln: Musso ging, Jorge Varela kam. "Wir wollten frische Beine bringen und das Tempo hochhalten", erklärte der Coach. Tatsächlich blieben die Gastgeber drückend überlegen: 13 Schüsse aufs Tor gegenüber nur 4 der Gäste, 53 Prozent Ballbesitz, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe - das sind Zahlen, die eine klare Sprache sprechen. Nach der Pause verflachte das Spiel etwas. Brunsbüttel blieb brav offensiv ausgerichtet, aber ohne echte Durchschlagskraft. Der 18-jährige Lasse Korn holte sich in der 72. Minute noch Gelb ab - "weil ich wenigstens mal was tun wollte", meinte er hinterher mit Galgenhumor. Kaiserslautern dagegen spielte die Partie routiniert herunter. Anselm Pettersson, erst 17, hätte in der 71. und 82. Minute beinahe noch das dritte Tor erzielt, scheiterte aber jeweils knapp. In der 56. Minute musste Sergi Beto nach einer Verletzung vom Platz. "Nur eine Prellung", gab Trainer Schmide später Entwarnung. "Aber wir wollten kein Risiko eingehen. Schließlich ist der Junge noch im Wachstum." Für ihn kam Ferenc Miriuta, der sich sofort ins Mittelfeldgeschehen einfügte, als wäre er schon ewig dabei. Brunsbüttel mühte sich, kam durch Jason Heine (84.) und Nils Scharf (89.) immerhin noch zu zwei späten Torschüssen, aber mehr als ein freundliches Winken in Richtung Ackermann war das auch nicht. "Wir haben gut angefangen, aber dann das Fußballspielen eingestellt", resümierte Brunsbüttel-Coach (der lieber anonym bleiben wollte) mit verkniffenem Lächeln. "Vielleicht sollten wir künftig das Aufwärmen verlängern - dann haben wir wenigstens 20 gute Minuten." Kada Schmide hingegen zeigte sich zufrieden, aber nicht euphorisch: "Die Jungs haben das ordentlich gemacht. Zwei Tore, kein Gegentor - da kann man als Trainer ruhig mal schlafen." Dann fügte er augenzwinkernd hinzu: "Aber wenn wir in der zweiten Hälfte noch das dritte machen, darf ich vielleicht auch mal lachen." Ein souveräner Sieg also für Kaiserslautern, der in seiner Gesamtheit so unspektakulär wie effektiv war. Zwei Tore in der ersten Halbzeit, danach gepflegtes Verwalten - eine Mischung, die selbst dem nüchternsten Analysten ein anerkennendes Nicken entlockt. Und Brunsbüttel? Die Nordlichter werden sich trösten müssen: Immerhin war das Flutlicht schön, und der Busfahrer hatte nach dem Spiel keine Verspätung. Vielleicht die beste Nachricht des Abends. 18.08.643990 22:27 |
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Halten Sie Ihre Klappe und spielen Sie Fußball, Herr Basler!
Otto Rehhagel