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Ein Flutlichtabend in der Oberliga E, 4205 Zuschauer auf dem Betzenberg und eine junge Truppe, die Fußball so leicht aussehen ließ, als wäre es ein Pausenspiel auf dem Schulhof: Kaiserslautern besiegte Petersberg mit 3:1 (3:0) und ließ dabei vor allem in der ersten Halbzeit keinen Zweifel daran, wer an diesem 10. Spieltag den Ton angibt. Trainer Kada Schmide hatte ihre Elf offensiv eingestellt - und das merkte man von der ersten Minute an. Schon nach neun Minuten klingelte es erstmals: Der 17-jährige Anselm Pettersson, kaum älter als ein Führerscheinneuling, vollendete nach feiner Vorarbeit von Sergi Beto eiskalt zum 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Pettersson später, "und gehofft, dass der Ball nicht auf dem Parkplatz landet." Tat er nicht - vielmehr zappelte er dort, wo er hingehört. Petersberg taumelte, Kaiserslautern tanzte. Nur sechs Minuten später legte der 19-jährige Ferenc Miriuta nach. Nach einer Ecke von Otto Maurer nahm er Maß und schlenzte den Ball so präzise ins lange Eck, dass Gäste-Keeper Pattrick Frey nur noch mit den Schultern zucken konnte. "Ich hab den gar nicht kommen sehen", murmelte Frey nach dem Spiel, als er seinen Handschuhen die Schuld gab. Spätestens in der 29. Minute wurde aus dem munteren Offensivspiel ein Feuerwerk: Maik Pohl, erst 20, verwertete eine Hereingabe von Benjamin Keane zum 3:0. Schmide klatschte an der Seitenlinie in die Hände, während ihr Gegenüber Chris Pönsgi mit verschränkten Armen und finsterem Blick die Stirn runzelte. "Wir haben uns in der ersten Halbzeit wie Touristen verhalten", knurrte der Petersberger Coach später. Dabei hatten die Gäste eigentlich mehr vom Ball - 55 Prozent Ballbesitz sprechen eine deutliche Sprache. Nur: Wer den Ball hat, gewinnt eben nicht automatisch. Kaiserslautern konterte mit Tempo, Mut und jugendlicher Frechheit. Ganze 20 Torschüsse feuerten die Roten ab, während Petersberg mit neun Versuchen meist an Torhüter Oskar Wenzel scheiterte, der an diesem Abend kaum etwas anbrennen ließ. Nach der Pause versuchte Petersberg, die Schmach zu begrenzen - und siehe da, es gelang ein zarter Hoffnungsschimmer. In der 48. Minute schickte Linus Winter seinen Stürmer Lucas Caviness steil, der den Ball trocken ins rechte Eck jagte. 3:1, und plötzlich war wieder Leben in der Partie. "Da haben wir kurz geglaubt, hier geht noch was", meinte Caviness hinterher, "aber Lautern hat uns dann wieder die Luft abgedreht." Tatsächlich ließen die Gastgeber danach kaum noch etwas zu. Schmide reagierte klug, brachte in der 58. Minute den 18-jährigen Dennis Jones für den ausgepumpten Maik Pohl und später noch Curt Mann für Pettersson. Kaum auf dem Platz, prüfte der junge Mann den Gästetorwart mit einem strammen Schuss - Frey parierte, diesmal tatsächlich stark. Pönsgi versuchte es derweil mit verbaler Motivation: "Lasst euch doch nicht so vernaschen!", schallte es in der 70. Minute über den Platz. Seine Spieler wirkten allerdings eher wie Menschen, die gerade überlegt hatten, ob sie lieber Vanille oder Schoko-Eis nehmen sollen - nicht wie Männer, die ein Fußballspiel drehen wollen. Die Schlussphase gehörte wieder den Pfälzern. Benito, Miriuta und Jones zogen das Spiel clever in die Breite, hielten den Ball und ließen das Publikum mit jeder gelungenen Ballstafette lauter werden. In der 93. Minute hatte Curt Mann noch eine letzte Chance, scheiterte aber knapp - das 4:1 wäre fast zu viel des Guten gewesen. "Ich bin stolz auf die Jungs", sagte Trainerin Schmide nach dem Abpfiff mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Erleichterung und Belustigung lag. "Wir trainieren auf dem Parkplatz, spielen aber wie auf dem Rasen von Wembley." Ihr Kollege Pönsgi hingegen suchte Trost in der Statistik: "55 Prozent Ballbesitz, das ist doch was", meinte er, woraufhin ein Reporter trocken erwiderte: "Ja, aber nur, wenn man auch weiß, was man mit dem Ball anfängt." So feiert Kaiserslautern einen verdienten 3:1-Heimsieg und eine erste Halbzeit, die man in der Oberliga E so schnell nicht vergessen wird. Drei Tore, drei Torschützen unter 21 - jung, wild und unverschämt effektiv. Petersberg dagegen wird eine lange Heimfahrt gehabt haben, mit der Erkenntnis, dass Ballbesitz allein noch keine Punkte bringt. Und irgendwo im Stadion sagte ein älterer Fan beim Verlassen der Tribüne: "Wenn die so weiterspielen, brauchen die bald kein Navi mehr - der Weg nach oben ist klar." (Artikelumfang ca. 610 Wörter) 11.09.643990 02:02 |
Sprücheklopfer
Halten Sie Ihre Klappe und spielen Sie Fußball, Herr Basler!
Otto Rehhagel