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Ein lauer Frühlingsabend, 36.000 Zuschauer, viel Staub und noch mehr Emotionen - das war der 22. Spieltag der 1. Liga Israel in Kafr Kanna. Und wer gekommen war, bekam ein Spiel serviert, das irgendwo zwischen taktischer Disziplin und wilder Jahrmarktsbude pendelte. Am Ende jubelten die Kafr Kanna Greens über ein 2:1 gegen die Ramat Gan Reds - ein Sieg, der sich nach Arbeit, Schweiß und ein bisschen Glück anfühlte. Schon nach einer Viertelstunde war klar, dass Paul Krause einen guten Tag erwischt hatte. Der rechte Flügelstürmer der Greens, sonst eher für solide Laufarbeit bekannt, traf in der 13. Minute nach einem feinen Pass von Joseph Eliot zum 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du zu viel nachdenkst, landet der Ball auf dem Parkplatz", grinste Krause nach der Partie, während er sich ein Stück Rasen als Souvenir in die Socke steckte. Die Reds wirkten überrascht, fast beleidigt. Trainer John Porno - ja, der Name sorgt in jedem Stadion für ein Raunen - fuchtelte wild an der Seitenlinie, als wolle er mit Gesten allein den Ausgleich erzwingen. Doch stattdessen kam die nächste kalte Dusche: In der 24. Minute war es wieder Krause, wieder nach Vorarbeit von Eliot, der den Ball unhaltbar unter die Latte nagelte. 2:0 - und man konnte beinahe hören, wie im Gästeblock die Plastikbecher synchron zu Boden gingen. "Wir haben in der ersten Halbzeit zu brav gespielt", knurrte Ramat Gans Mittelfeldmotor Cesar Varela später. "Kafr Kanna war einfach galliger. Und sie hatten diesen Krause, der heute aussah wie Messi mit deutschem Pass." Zur Pause schien alles entschieden. 52 Prozent Ballbesitz für die Greens, 8:10 Torschüsse insgesamt - die Zahlen erzählten von einem offenen, aber kontrollierten Spiel. Doch die zweite Halbzeit sollte zeigen, dass Statistik und Realität selten Freunde sind. Denn kaum war der Tee in der Kabine verdampft, meldeten sich die Reds zurück. In der 49. Minute stieg der junge Stephane Lankford - mit 17 Jahren und der Coolness eines abgebrühten Profis - nach einer Ecke am höchsten und köpfte zum 1:2 ein. Vorlagengeber Jason Probst grinste später: "Ich hab’s ihm auf den Kopf serviert. Wenn er das nicht reinköpft, muss er mir eine Woche lang die Schuhe putzen." Das Tor brachte Leben ins Spiel - und ein bisschen Wahnsinn. Gelbe Karten flogen wie Konfetti: erst Gal Aloni (70.), dann Jigael Colautti (74.) und Patrick Bouchard (81.). Colautti schaffte es sogar, binnen vier Minuten vom Gelbsünder zum Platzverweis-Helden zu werden: in der 78. Minute Rot. "Er hat sich einfach zu sehr gefreut, dass er wieder aufstehen konnte", kommentierte Greens-Trainer Lars Müller trocken. Doch die Reds wussten das Geschenk nicht zu nutzen. Aloni, schon verwarnt, sah in der 83. Minute Gelb-Rot - Gleichstand auf dem Platz, Chaos im Protokoll. Zwischenzeitlich musste Ramat Gans Awigdor Ariav verletzt raus, Fernando Sainz kam - und ging bald selbst wieder angeschlagen vom Feld. Trainer Porno stand mit verschränkten Armen da und murmelte etwas von "verfluchtem Kunstrasen". Die letzten Minuten gehörten dann wieder den Greens. Trotz Unterzahl verteidigten sie mit allem, was Beine hatte - und manchmal auch mit dem Rücken. Keeper Morgan Lewis parierte in der 85. Minute einen strammen Schuss von Tim Kolb und brüllte danach in Richtung Tribüne: "Nicht mit mir, Jungs!" Als der Schlusspfiff ertönte, fiel Krause seinem Trainer um den Hals. "Ich hab ihm vor dem Spiel gesagt: Heute bist du mein Glücksbringer", erzählte Müller später mit einem Grinsen. "Jetzt muss ich wohl jede Woche denselben Pullover tragen." Die Reds hingegen schlichen vom Platz, zwischen Frust und Fassungslosigkeit. "Wir hatten mehr Schüsse, mehr Laufarbeit, mehr Pech", fasste John Porno zusammen. "Nur Tore hatten wir weniger - aber das ist ja bekanntlich das Wichtigste." So bleibt Kafr Kanna dank des Doppelpacks von Krause und einer Portion jugendlicher Unbekümmertheit (drei 17-Jährige in der Startelf!) auf der Sonnenseite der Tabelle. Ramat Gan dagegen muss sich fragen, wie man mit zehn Torschüssen und einer offensiven Ausrichtung am Ende doch leer ausgeht. Oder, wie es ein Fan auf der Tribüne formulierte: "Die Reds schießen aufs Tor - die Greens treffen es." Ein Fazit, das man sich für den Rest der Saison merken darf. 21.05.643993 23:55 |
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Da wir nicht voll auf Niederlage spielen, spielen wir voll auf Sieg.
Berti Vogts