Außenseiter
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Jungstar Tscherepanow schießt Bruchsal zum Auswärtssieg in Bückeburg

Es war ein kühler Februarabend in Bückeburg, aber auf dem Rasen der Oberliga C ging es heiß her. 3345 Zuschauer sahen ein 1:3, das deutlicher wirkte, als es die Statistik glauben machen will. Der FC Bruchsal entführte drei Punkte vom 15. Spieltag, während die Gastgeber vom VfL Bückeburg nach einer verschlafenen ersten Halbzeit nur noch Schadensbegrenzung betreiben konnten.

Von Beginn an war zu spüren, dass Bruchsal etwas vorhatte. Offensiv ausgerichtet, auf schnelle Konter lauernd, setzten sie den VfL früh unter Druck. Schon in der 16. Minute zappelte der Ball das erste Mal im Netz - Erik Klug, der Name war Programm, vollendete einen feinen Pass von Noe Deco. "So einfach kann Fußball sein", grinste Klug später, "Deco legt ab, ich hau drauf - und plötzlich sieht alles ganz leicht aus."

Bückeburg, das laut Statistik mit 53 Prozent Ballbesitz eigentlich das Spiel kontrollierte, wirkte in dieser Phase eher wie der Gast im eigenen Stadion. Die Pässe kamen, aber nicht dahin, wo sie sollten. Und wenn sie ankamen, warteten dort schon Bruchsals schnelle Spitzen. Besonders auffällig: der 17-jährige Agafon Tscherepanow, der sich offenbar vorgenommen hatte, die VfL-Abwehr in seine persönliche Trainingsgruppe zu verwandeln.

In der 25. Minute erhöhte eben jener Tscherepanow nach Vorlage von Javier Garcia auf 0:2. Und weil’s so schön war, legte er kurz vor der Pause (45.) noch einen drauf - diesmal per Zuspiel von Yannick Brückner. 0:3 zur Halbzeit und ein Raunen ging durchs Stadion. Ein älterer Herr auf der Haupttribüne fasste es treffend zusammen: "Früher hätten wir für so was Eintritt gezahlt - ach Moment, das haben wir ja."

VfL-Coach - dessen Name man an diesem Abend lieber verschweigt - ließ seine Mannschaft nach dem Seitenwechsel unverändert, wohl in der Hoffnung auf eine Trotzreaktion. Und tatsächlich: Bückeburg kam besser ins Spiel, griff entschlossener an und hatte in Thomas Mann einen Stürmer, der wenigstens so tat, als könne er das Ruder herumreißen. In der 60. Minute traf er nach Vorlage von Liam Probst zum 1:3 - der Ehrentreffer, aber immerhin ein Lebenszeichen. "Ich dachte, wir drehen das Ding noch", sagte Mann später mit einem schiefen Lächeln. "Dann hab ich auf die Uhr geschaut und gemerkt: Wir sind nicht im Märchen."

Bruchsal blieb souverän, ließ Ball und Gegner laufen, ohne übermäßig zu riskieren. 16 Torschüsse und eine Zweikampfquote von über 52 Prozent sprechen für ein Team, das seine Chancen nutzt und den Gegner im Griff hat. Bückeburg kam zwar noch zu neun Abschlüssen, doch die meisten davon waren eher höfliche Anfragen an den Bruchsaler Keeper Arne Gabriel, der einen erstaunlich ruhigen Abend verbrachte.

Die letzte nennenswerte Szene gehörte dann wieder den Gastgebern - allerdings in anderer Hinsicht. In der 89. Minute sah Karsten Baum Gelb, weil er nach einem verlorenen Zweikampf den Ball genervt auf die Tribüne drosch. "Ich wollte nur Zeit schinden", erklärte er danach - was bei einem Zwei-Tore-Rückstand eine interessante taktische Idee ist.

Bruchsals Trainer Manfred Wieland zeigte sich nach dem Abpfiff zufrieden, aber nicht euphorisch: "Wir haben das in der ersten Halbzeit entschieden, danach war’s Verwaltung. Und der Junge Tscherepanow - na, der hat heute wohl sein eigenes Bewerbungsschreiben abgegeben." Der 17-Jährige selbst wirkte fast schüchtern, als er mit zwei Treffern und einem breiten Grinsen in die Kameras blickte: "Ich hab einfach geschossen. Und dann war der Ball halt drin."

Das Publikum verabschiedete beide Teams mit ehrlichem Applaus - vielleicht, weil man in Bückeburg weiß, dass Fußball manchmal einfach so läuft. Man hat mehr Ballbesitz, spielt gefällig, aber die Tore schießen die anderen.

Am Ende bleibt ein verdienter 3:1-Auswärtssieg für Bruchsal, ein Hoffnungsschimmer für Bückeburgs Moral und die Erkenntnis, dass Ballbesitz zwar hübsch aussieht, Tore aber das Spiel entscheiden. Oder, wie ein Fan am Bierstand sagte: "Schön spielen können sie ja - aber das hier ist kein Tanzkurs."

Und irgendwo, tief in der Umkleide, murmelte ein Bückeburger Spieler leise: "Nächstes Mal schießen wir zuerst." Ein guter Vorsatz - denn der Februarabend von Bückeburg hat gezeigt: Wer zu spät aufwacht, hat schon verloren.

19.11.643990 02:55
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