Anpfiff
+++ Sportzeitung für Deutschland +++

Jungspunde jubeln: TeBe Berlin ringt Pommern Stralsund 1:0 nieder

Es war ein kalter Januarabend im Mommsenstadion, an dem 4700 Zuschauer ihre Thermoskannen fest umklammerten und sich fragten, ob die Jugend von TeBe Berlin tatsächlich bereit ist, Männerfußball zu spielen. Nach 90 Minuten war klar: Ja, sie ist es - zumindest für 1:0-Siege mit Herz, Schweiß und jugendlichem Übermut.

Der 13. Spieltag der Regionalliga C brachte ein Duell der Extreme: Auf der einen Seite eine Berliner Mannschaft, deren Durchschnittsalter eher an eine U19 erinnert, auf der anderen die erfahrenen Nordlichter von Pommern Stralsund, deren Kader mit mehreren Spielern jenseits der 35 fast schon nach Traditionself klang. Erfahrung gegen Energie - und diesmal gewann die Energie.

Von Beginn an zeigte TeBe-Coach Axel Herr, dass er keine Angst vor Offensivfußball hat. Seine Elf stürmte los, als ginge es um Eintrittskarten für ein Gratis-Konzert. Schon in der 5. Minute prüfte Frank Braun, 17 Jahre jung und frech wie ein Berliner Spätkauf, den Stralsunder Keeper Finlay Hunt. Der parierte noch, aber das sollte nicht so bleiben.

Pommern Stralsund, unter der Leitung von Dennis Koch, versuchte, Ruhe ins Spiel zu bringen. Ballbesitz? Knapp 47 Prozent - also genug, um mitzuspielen, aber zu wenig, um dominieren zu können. Ihr Angriffsspiel über den rechten Flügel mit Linus Heuer brachte zwar ein paar ordentliche Schüsse (gleich vier Torschüsse allein von ihm!), doch wirklich gefährlich wurde es selten. "Wir wollten geduldig bleiben", erklärte Koch nach dem Spiel. "Leider blieb der Ball auch geduldig - meistens im Mittelfeld."

TeBe dagegen hatte Lust auf Spektakel. 19 Torschüsse am Ende, und wenn man bedenkt, dass davon zehn von Spielern unter 18 kamen, sieht man: Mut kann man trainieren. Vor allem Patrik Esser, der 18-jährige Linksaußen, war kaum zu bremsen. Schon in der ersten Halbzeit prüfte er die Nerven der Stralsunder Abwehr mehrfach. Noch fehlte die Präzision, vielleicht auch ein bisschen Glück.

Das Spiel war intensiv, aber fair - zumindest meistens. Der älteste Spieler auf dem Platz, Michiel Hoenaert (39, Pommern), holte sich in der 36. Minute gelb ab, nachdem er Berlins Pfeilschnellen Joel Barth an der Seitenlinie "aus Versehen" zu Fall gebracht hatte. "Ich bin einfach nicht mehr so schnell im Kopf wie früher", grinste Hoenaert später. "Und in den Beinen schon gar nicht."

Nach der Pause blieb TeBe am Drücker. Frank Braun, wieder er, zog in der 49. Minute ab, Stralsunds Keeper hielt spektakulär. Der junge Polikarp Schirkow, 17, holte sich kurz darauf Gelb - jugendlicher Übereifer, wie Coach Herr später schmunzelnd anmerkte: "Er wollte halt zeigen, dass er auch grätschen kann."

Dann die 74. Minute - der Moment, in dem die Kälte plötzlich keine Rolle mehr spielte. Frank Braun behauptete im Strafraum den Ball, drehte sich einmal um die eigene Achse und legte quer auf Patrik Esser. Der fackelte nicht lange, zog ab, und das Leder zischte unhaltbar ins rechte Eck. 1:0! Die Tribüne bebte, und Esser ließ sich feiern, als hätte er gerade das Champions-League-Finale entschieden. "Frank hat mir den Ball perfekt hingelegt", sagte er später bescheiden. "Ich musste nur noch die Augen zu machen - und hoffen."

Pommern versuchte danach, das Steuer herumzureißen, doch die Berliner Abwehr hielt stand. Allen voran der 21-jährige Innenverteidiger Stanko Jovanovic, der in der 63. Minute selbst mal sein Glück vorne suchte, aber am Tor vorbeizielte. Der Rest war Abwehrarbeit mit jugendlicher Begeisterung.

In den Schlussminuten flogen noch ein paar Bälle in Richtung des Berliner Tores, doch Keeper Olav Gärtner (18) blieb konzentriert. Als der Schlusspfiff ertönte, war die Erleichterung groß - und die Freude ebenso. Trainer Axel Herr umarmte seine Spieler, als wären sie gerade Abiturienten, die alle bestanden haben. "Ich bin stolz auf die Jungs. Sie haben gespielt wie Männer - und gefeiert wie Jungs", sagte er grinsend.

Stralsunds Trainer Koch nahm es sportlich: "Wenn man gegen 17-Jährige verliert, dann wenigstens gegen so gute."

Mit dem 1:0 schiebt sich TeBe Berlin weiter ins obere Mittelfeld der Tabelle, während Pommern Stralsund mit leeren Händen, aber immerhin ohne Frostbeulen die Heimreise antrat.

Und irgendwo auf der Tribüne murmelte ein alter Fan beim Hinausgehen: "Früher haben wir auch so angefangen - nur dass wir’s nicht so gut gemacht haben."

Manchmal schreibt der Fußball eben seine schönsten Geschichten nicht in den großen Arenen, sondern an einem kalten Berliner Abend, wenn ein paar Teenager beschließen, erwachsen zu spielen.

07.06.643987 04:23
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Wenn du liegenbleibst, dann muss schon das Bein gebrochen sein.
Christian Ziege über den Umgang mit Härte im englischen Fußball
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager