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Ein kühler Januarabend in Sevilla, Flutlicht, 21.420 Zuschauer - und ein Spiel, das so heiß begann, wie es zäh endete. Bites Sevilla empfing am 22. Spieltag der 2. spanischen Liga die Gäste von UD Elche. Am Ende stand ein schmales, aber verdientes 0:1 aus Sicht der Andalusier. Verdient, weil Elche das Spiel fast nach Belieben diktierte, und schmales, weil die Gäste trotz 19 Torschüssen nur einmal trafen: in der 58. Minute durch den 19-jährigen Jorge Veloso. "Ein Dosenöffner war das nicht, eher ein Dietrich", grinste Elches Trainer Mike Johnson nach der Partie. "Wir haben so oft angeklopft, dass irgendwann einer nachgeben musste." Der Dietrich hieß Emilio Molina, gerade mal 20 Jahre alt, der nach einem beherzten Sprint über rechts den Ball präzise in den Rückraum legte. Dort wartete Veloso, nahm Maß und schob den Ball mit der Ruhe eines Veteranen ins linke Eck. Torwart Felipe Borreguero streckte sich vergeblich - und schimpfte danach lautstark auf seine Innenverteidiger. Bis dahin hatte Elche das Spiel längst unter Kontrolle. 56,7 Prozent Ballbesitz, Pressingphasen wie aus dem Lehrbuch, und ein jugendlicher Elan, der die erfahrenen Sevillaner alt aussehen ließ. Besonders auffällig war der 17-jährige Jack Grealish (nein, nicht der englische Namensvetter), der gleich viermal in der ersten halben Stunde aufs Tor zog und dabei mehr Gefahr ausstrahlte als die gesamte Offensivabteilung der Gastgeber. Trainerin Svenja Brandt von Bites Sevilla stand derweil mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und wirkte zunehmend fassungslos. "Wir hatten uns vorgenommen, ruhig zu bleiben", erklärte sie später. "Das hat zumindest in der ersten Halbzeit ganz gut geklappt - vielleicht ein bisschen zu gut." Ihr Team wirkte tatsächlich entspannt, fast schläfrig. Vier Torschüsse in 90 Minuten, das sagt alles. Ein kleiner Hoffnungsschimmer blitzte auf, als Francisco Gurendez in der 48. Minute aus 25 Metern abzog - allerdings landete der Ball so weit über dem Tor, dass ein Zuschauer in der vierten Reihe reflexartig den Kopf einzog. "Wenn der Ball wenigstens warm gewesen wäre", witzelte Gurendez hinterher. Dann kam die 58. Minute, Veloso traf, und Sevilla schien zu erstarren. Statt einer Reaktion gab es Gelbe Karten: Gijs Breed sah Gelb (49.), Luis Zaera ebenfalls (73.) - und derselbe Zaera holte sich in der 81. Minute die Ampelkarte ab, als er Elches flinken Raul Yanez mit einem rustikalen Tritt stoppte. "Ich wollte nur den Ball treffen", beteuerte Zaera nach dem Spiel, "aber der Ball war halt schneller." Elche nutzte die Überzahl zum kontrollierten Zeitspiel. Der eingewechselte Daniel Bernard hatte schon früh Gelb gesehen (11.), aber das hinderte ihn nicht daran, in den Schlussminuten kompromisslos aufzuräumen. Trainer Johnson brachte noch den 17-jährigen Jordi Izquierdo für einige Minuten, der allerdings prompt verletzt vom Platz musste - das Debüt eines Teenagers, das wohl keiner so geplant hatte. Trotz allem blieb Elche gefährlich. Raul Yanez scheiterte gleich dreimal in der Schlussphase, einmal an Borreguero, einmal am Pfosten, einmal an der eigenen Nervosität. "Ich wollte zu schön treffen", gab der 17-Jährige zu. "Der Trainer sagt immer: weniger denken, mehr schießen. Heute hab ich beides gleichzeitig gemacht." Bites Sevilla hingegen verlor mit der Gelb-Roten Karte auch noch den letzten Rest Ordnung. "Wir waren bemüht", sagte Coach Brandt trocken. "Aber Bemühung allein gibt keine Punkte." Das Publikum quittierte die Vorstellung mit höflichem Applaus - vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Freude, dass es endlich vorbei war. Statistisch war die Sache klar: 19:4 Torschüsse, 56 Prozent Ballbesitz, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Elche hatte in allen Belangen die Nase vorn. Nur auf der Anzeigetafel blieb es enger, als es der Spielverlauf vermuten ließ. Und so endete ein Spiel, das in Erinnerung bleiben wird - nicht wegen seiner Dramatik, sondern wegen seiner jugendlichen Frische. UD Elche schickt eine Teenie-Truppe in die 2. Liga, die offenbar keine Angst vor großen Namen hat. "Wir wissen, dass wir Fehler machen werden", sagte Johnson beim Abgang, "aber wenigstens machen wir sie schnell." Sevilla dagegen steckt fest zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Vielleicht sollte man dort weniger auf Erfahrung setzen und mehr auf Mut. Oder, wie Trainerin Brandt es formulierte: "Vielleicht brauchen wir einfach mal einen 19-Jährigen, der keine Ahnung hat, dass er verlieren kann." Ein sarkastisches Fazit zum Schluss: Bites Sevilla hat das Spiel knapp verloren - und trotzdem Glück gehabt. Denn schlimmer als ein 0:1 vor heimischem Publikum wäre nur noch gewesen, wenn Elche tatsächlich getroffen hätte, so oft sie geschossen haben. 30.09.643987 21:25 |
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Ob rechts oder links, wo ich auftauchte, war ich schlecht.
Mario Basler