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**Junge Teufel zähmen die Ostsee - Kaiserslautern siegt 2:0 in Stralsund**

Ein Freitagabend an der Ostseeküste, 4.477 Zuschauer im kleinen Stadion am Sund - und eine Horde Teenager aus Kaiserslautern, die Pommern Stralsund das Fußball-ABC lehrten. Am 9. Spieltag der Regionalliga C siegten die Pfälzer verdient mit 2:0 (0:0) und wirkten dabei so abgeklärt, dass man sich fragte, ob da wirklich lauter 17-Jährige auf dem Platz standen oder heimlich ein paar gealterte Champions-League-Veteranen mit falschen Pässen.

Dabei fing alles harmlos an. Stralsund hielt in der ersten Hälfte tapfer dagegen. Trainer Dennis Koch hatte seine Mannschaft kompakt eingestellt, im typischen 4-4-2 alter Schule, bei dem die Außen eher das Spielfeld markierten als es beackerten. "Wir wollten erstmal sicher stehen", erklärte Koch später. "Hat ja auch 45 Minuten funktioniert." Tatsächlich: Halbzeit 0:0, Pommern kämpfte, Kaiserslautern kombinierte, aber ohne Zielwasser. Ganze 19 Torschüsse feuerten die Gäste ab, doch Stralsunds junger Keeper Finlay Hunt parierte, als wolle er sich für ein Torwartposter bewerben.

Die ersten Minuten gehörten dem quirligen Ezequiel Espriu. Der 17-jährige Linksaußen hatte in Minute 5, 9 und 10 gleich drei Abschlüsse - allerdings alle so harmlos, dass sich selbst die Möwen über dem Stadion gähnend abwandten. Vielleicht lag es an seiner frühen Gelben Karte (16.), die ihn etwas bremste. "Ich hab nur laut gesagt, dass der Ball rund ist", grinste Espriu später verschmitzt.

Kurz nach der Pause dann der Moment, in dem Kaiserslauterns Spielfreude sich endlich in Zählbares verwandelte. In der 63. Minute spielte Innenverteidiger Schaul Katzaw einen butterweichen Pass auf Konstantin Bodunow - ebenfalls 17, aber schon mit der Selbstsicherheit eines alten Hasen. Bodunow fackelte nicht lange, traf trocken ins rechte Eck. 1:0. "Ich hab nur gedacht: Wenn ich jetzt schieße, ist der Ball vielleicht endlich still", lachte der Youngster nach dem Spiel.

Pommern Stralsund versuchte zu reagieren, brachte den Ball aber kaum über die Mittellinie. Die Statistik spricht Bände: 50 Prozent Ballbesitz zwar, aber nur vier Schüsse aufs gegnerische Tor. Der Rest war viel guter Wille und noch mehr Rasenpflege. Besonders bitter: In Minute 49 holte sich Innenverteidiger Hans Sauer Gelb ab, als er Bodunow umsäbelte - wohl mehr aus Versehen als aus Überzeugung.

Kaiserslautern-Coach Laura Hellström, die mit stoischer Ruhe an der Seitenlinie stand, wirkte nach dem Spiel fast schon unterkühlt zufrieden. "Wir haben junges Blut, aber alte Nerven", sagte sie. "Die Jungs hören zu, sie laufen, und sie wissen, wann sie nicht laufen müssen." Eine treffende Analyse der taktischen Balance ihres Teams: offensiv, aber nie hektisch.

In der Schlussphase machten die Gäste dann endgültig alles klar. Wieder war Bodunow beteiligt, diesmal als Vorbereiter - der 17-Jährige flankte in der 88. Minute auf Rechtsverteidiger Ben Sauer, der sich gedacht haben muss: Wenn’s vorne keiner macht, mach ich’s eben selbst. Sein Schuss zischte unhaltbar ins Netz. 2:0. Stralsunds Keeper Hunt streckte sich vergeblich, während Sauer jubelnd in Richtung Ersatzbank sprintete. "Ich bin Verteidiger, aber heute war mein Tag", rief er in Richtung der mitgereisten Fans, die tatsächlich lauter jubelten als das Meer rauschte.

Stralsund versuchte es noch einmal mit einem Fernschuss von Alexander Patton (58.), der allerdings eher den Parkplatz als das Tor traf. Trainer Koch nahm es mit Galgenhumor: "Wenn wir wenigstens das Auto des Schiedsrichters getroffen hätten, hätte es sich gelohnt."

Am Ende blieb der Eindruck einer Partie, in der Erfahrung auf jugendliche Frische traf - und letztere klar gewann. Kaiserslautern war in fast allen Belangen überlegen: 19:4 Torschüsse, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe, spielerisch reifer und taktisch disziplinierter. Nur die Möwen über dem Stadion dürften enttäuscht gewesen sein, dass sie keine Bälle zu klauen bekamen.

Zum Schluss sagte Stralsunds Altmeister Jari Pasanen (39) mit einem Grinsen: "Die Jungs von Kaiserslautern könnten meine Enkel sein - und sie haben uns heute gezeigt, wie man Fußball spielt." Ein ehrliches Fazit nach einem Spiel, das vor allem eines bewies: Talent kennt kein Alter, und die Jugend von Kaiserslautern ist bereit, Regionalliga-Geschichte zu schreiben.

Oder, wie es ein alter Fan auf der Tribüne formulierte: "Die Stralsunder standen wie der Deich - bis die Flut kam."

01.05.643987 21:45
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Wenn mein Vater da gewesen wäre, hätte sich mein Leben vollkommen anders entwickelt. Viel zielgerichteter. Dann wäre meine Mutter zu Hause gewesen. Ich hätte vernünftig für die Schule gearbeitet, einen normalen Beruf erlernt und wäre nicht in den Fußball abgedriftet.
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