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Ein kalter Winterabend in Hallein, Flutlicht über dem Kunstrasen, 5502 Zuschauer mit heißem Punsch in der Hand - und ein FC Hallein, der den Ball so spielen ließ, als hätte er eine Heizung eingebaut. Am Ende hieß es 4:0 (1:0) gegen Saalfelden. Ein Ergebnis, das noch schmeichelhaft war für die Gäste, die zwar rund 50 Prozent Ballbesitz hatten, aber offensichtlich nicht wussten, was man damit anfangen sollte. Trainer Herbert Krunkel grinste nach dem Abpfiff in die Kameras. "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn ihr euch schon die Finger abfriert, dann wenigstens fürs Toreschießen." Seine Mannschaft nahm das wörtlich - und wie. Die Anfangsphase gehörte ganz klar den Hausherren. Schon nach drei Minuten prüfte Jose Rocha den Gästetorwart Sven Probst mit einem Distanzhammer. Nur eine Minute später folgte Sven Lorenz mit der nächsten Gelegenheit. Saalfelden wirkte überrascht, als wäre das Konzept "Offensivfußball" in Hallein gerade erst erfunden worden. Nach einer halben Stunde bat Krunkel seine Außen zum "mutigeren Spiel über die Flügel". Das Resultat ließ nicht lange auf sich warten: In der 38. Minute fasste sich der 18-jährige Jefrem Chmyljow ein Herz, zog von rechts in die Mitte und jagte den Ball unhaltbar unter die Latte. "Ich hab gar nicht gezielt, ehrlich", lachte Chmyljow später, "aber vielleicht sollte ich das öfter so machen." Mit dem 1:0 zur Pause war Saalfelden noch glimpflich davongekommen. Die Gäste hatten zwar mehr Ballbesitz, aber ungefähr so viele Ideen wie ein Kühlschrank beim Poetry Slam. Hallein dagegen erspielte sich Chance um Chance - 24 Torschüsse standen am Ende zu Buche. Nach dem Seitenwechsel kam der nächste Generationenstreich: Der erst 17-jährige Olgun Balkan wurde in der 60. Minute eingewechselt - und machte sich sofort unsterblich. Kaum auf dem Platz, vollendete er in der 61. Minute nach Vorlage von Chmyljow zum 2:0. Ein Tor so jugendlich frech, dass selbst der erfahrene Saalfeldener Abwehrchef Detlev Jansen kurz applaudierte - innerlich, versteht sich. Die Saalfeldener versuchten es mit Routine, allerdings ohne Wirkung. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte Trainer Assistent nach dem Spiel etwas ratlos. "Aber die waren einfach schneller - im Kopf und in den Beinen." Dann kam die 84. Minute. Wieder Balkan, wieder eiskalt. Diesmal schob er nach Vorarbeit des 17-jährigen Klaus Bode zum 3:0 ein. Und als die Zuschauer gerade noch über die Zukunft des österreichischen Fußballs diskutierten, setzte derselbe Balkan nur vier Minuten später den Schlusspunkt: 88. Minute, Pass von Jose Rocha, Schuss, Tor, 4:0 - das Stadion tobte. "Ich wollte einfach Spaß haben", sagte Balkan mit einem schelmischen Grinsen. "Und der Ball wollte offensichtlich auch rein." Trainer Krunkel legte ihm danach väterlich den Arm um die Schulter und meinte trocken: "Wenn er so weitermacht, darf er nächste Woche auch den Bus fahren." Saalfelden hingegen wirkte beim Abpfiff müde und leer. Kein Pressing, kein Aufbäumen - die Statistiken bestätigten das Bild: 5 Torschüsse, 44 Prozent gewonnene Zweikämpfe, ein gelbe Karte für Jakob Schmitt (81.) und ansonsten viel Stückwerk. Hallein dagegen spielte mit jugendlicher Unbekümmertheit, als wäre das Wort "Druck" aus dem Vereinslexikon gestrichen worden. Besonders auffällig: die Balance zwischen aggressivem Offensivspiel und kontrolliertem Passspiel. 49,5 Prozent Ballbesitz reichten, um eine Demonstration abzuliefern. Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierten die Fans minutenlang. Ein älterer Zuschauer auf der Tribüne sagte zu seinem Sitznachbarn: "Wenn die so weitermachen, muss man bald Eintritt zahlen wie in der Bundesliga." Der andere nickte und fügte hinzu: "Oder wenigstens einen Schal kaufen, um sie zu erkennen - die wachsen ja alle noch." Das Spiel war mehr als nur ein 4:0. Es war eine kleine Ankündigung: Hallein ist jung, hungrig und offenbar nicht gewillt, im Mittelmaß zu versauern. "Wir sind keine Stars", sagte Kapitän Rocha zum Abschluss, "aber wir haben Spaß am Spiel. Und manchmal reicht das, um vier Tore zu schießen." Einmal mehr bewies der Abend, dass Talent keine Altersfrage ist - und dass man im Winter auch mit Herzblut heizen kann. Schlusswort? Vielleicht dieses: Wenn Hallein so weiterspielt, brauchen sie bald keinen Stadionnamen mehr. Dann heißt das Ganze einfach: Jugend forscht - und trifft. 19.03.643990 21:52 |
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Gegen uns hätten wir auch gewonnen.
Klaus Allofs