Elfmeter
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Jöllenbeck siegt spät - Germania Egestorf verzweifelt am eigenen Ballbesitz

Es war einer dieser Abende, an denen der Fußballgott offenbar ein Herz für die Gäste hatte - und ein verschlossenes Tor für die Heimmannschaft. Germania Egestorf dominierte am 12. Spieltag der Verbandsliga C zwar den Ball, doch am Ende jubelte nur TuS Jöllenbeck über ein 1:0, das eher nach Fleißarbeit als nach Fußballpoesie roch.

2316 Zuschauer hatten an diesem kühlen Februarabend den Weg ins Stadion gefunden, um zu sehen, wie die heimische Germania das Spiel mit 52,8 Prozent Ballbesitz kontrollierte - und trotzdem kaum wusste, was sie mit dem Ball anfangen sollte. Drei Torschüsse in 90 Minuten sind für eine Mannschaft mit Ambitionen schlicht zu wenig. "Wir wollten geduldig bleiben", erklärte ein sichtlich genervter Germania-Kapitän Raphael Kluge nach dem Abpfiff, "aber irgendwann hatten wir so viel Geduld, dass uns fast der Schlaf übermannt hätte."

TuS Jöllenbeck hingegen spielte das, was man im modernen Fußball wohl eine "mutige Offensivstrategie" nennt - übersetzt: Sie schossen einfach sehr oft aufs Tor. Ganze 18 Mal versuchten die Gäste ihr Glück, meist über den agilen Callum Ashton, der bereits in der sechsten Minute zum ersten Mal die Handschuhe von Germanias jungem Keeper Wolfgang Bader testete. Der 17-Jährige bestand seine Feuertaufe mit Bravour, während seine Vorderleute im Aufbau den Ball wie eine heiße Kartoffel behandelten.

In der 65. Minute fiel dann, was sich lange angedeutet hatte: Wilhelm Hildebrandt, Jöllenbecks flinker Rechtsaußen mit der Frisur eines Rockstars und der Coolness eines Eiskunstläufers, traf nach feinem Zuspiel des jungen Jean Demers aus kurzer Distanz - 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Hildebrandt später und fügte augenzwinkernd hinzu: "Ich glaube, der Ball wollte einfach rein, ganz ohne mich." Trainer Peer Chamier, sonst eher der stoische Typ, reckte die Faust gen Himmel und brüllte: "Endlich belohnen wir uns mal!"

Egestorfs Antwort blieb aus. Zwar schickte Lasse Berg in der 92. Minute noch einen Distanzschuss Richtung Tor, und Jörg Klaus prüfte Keeper Oleg Sytschow kurz darauf mit einem beherzten Versuch - aber Sytschow blieb Herr der Lage. Der junge Schlussmann hielt alles, was kam, und ließ sich auch durch die hektischen letzten Minuten nicht aus der Ruhe bringen. "Oleg ist ein Fels", lobte Chamier. "Wenn er so weitermacht, brauchen wir bald eine eigene Hymne für ihn - oder wenigstens ein Kuchenbuffet."

Germania-Trainer - der Name bleibt in den Annalen des Abends unausgesprochen, aber seine Körpersprache sprach Bände - stand derweil an der Seitenlinie, die Hände tief in den Manteltaschen, und schien sich zu fragen, ob Ballbesitz wirklich ein Wert an sich ist. "Wir haben das Spiel kontrolliert", sagte er nachher mit einem bitteren Lächeln, "nur leider nicht den Gegner."

Das Spiel hätte leicht deutlicher ausgehen können, wenn Jöllenbeck seine Chancen konsequenter genutzt hätte. Ashton scheiterte mehrfach, Bykow hatte Pech im Abschluss, und sogar Innenverteidiger Samuel Hannigan tauchte plötzlich als Torschütze auf - allerdings nur in der Statistik der vergebenen Möglichkeiten. In Minute 77 sah Linksverteidiger Pekcan Catkic Gelb, nachdem er Klaus an der Außenlinie unsanft stoppte. "War Ball gespielt", rief er lachend Richtung Schiedsrichter - der grinste kurz, blieb aber bei seiner Entscheidung.

Kurz darauf wechselte Chamier frischen Wind ein: Morgan Hannigan kam für Markus Abelson, Linus Wojcicki ersetzte Hildebrandt, und Detlev Keller übernahm für den erschöpften Demers. "Wir wollten das 1:0 über die Zeit bringen", erklärte Chamier später. "Und ehrlich gesagt - schöner Fußball war da nicht mehr das Ziel."

So endete ein Spiel, das in Erinnerung bleibt: nicht wegen seiner Brillanz, sondern weil es zeigte, dass 18 Schüsse manchmal mehr wert sind als 53 Prozent Ballbesitz. Germania Egestorf blieb ratlos zurück, Jöllenbeck jubelte, und die Zuschauer gingen mit dem Gefühl nach Hause, Zeugen eines Arbeitssieges gewesen zu sein.

"Wenn du 18 Mal schießt, muss irgendwann was reingehen", kommentierte Hildebrandt mit einem Schulterzucken. Und Callum Ashton ergänzte trocken: "Wir hätten auch 28 Mal schießen können - Hauptsache, einer zählt."

Vielleicht sollte Germania beim nächsten Mal weniger zählen und mehr treffen.

Schlusswort? Nun ja: Fußball ist manchmal wie Mathematik - Ballbesitz plus Torschüsse ergibt selten Gerechtigkeit. Aber immerhin Geschichten. Und davon lieferte dieser Abend reichlich.

04.10.643990 08:10
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Wenn ich den Martin Schneider weiter aufstelle, glauben die Leute am Ende wirklich noch, ich sei schwul.
Friedel Rausch
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