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Wenn man am Freitagabend in Jöllenbeck das Flutlicht sah, konnte man ahnen: Hier bahnte sich etwas an. 1.752 Zuschauer strömten bei knackiger Januarkälte ins Stadion und sahen ein TuS-Team, das TuRa Meldorf mit 3:0 aus dem eigenen Wohnzimmer fegte - und das, obwohl die Gäste den Ball länger am Fuß hatten. Aber was nützt Prozente, wenn der Gegner Tore schießt? Trainer Peer Chamier hatte seine Elf offensiv eingestellt - und das merkte man vom Anpfiff an. Schon in der 9. Minute zwang Sturmtalent Damian Vasco Meldorfs Keeper Heinze zu einer ersten Glanzparade. Vasco, gerade mal 19, spielte, als wolle er beweisen, dass jugendlicher Übermut manchmal die beste Taktik ist. In der 26. Minute belohnte er sich: Nach einem präzisen Zuspiel von Marc Haag nahm Vasco Maß, ließ noch einen Abwehrmann ins Leere grätschen und schob cool ein. 1:0 - und das Stadion bebte. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn man so jung ist, denkt man nicht viel nach", grinste Vasco später - und sein Trainer nickte trocken: "Zum Glück!" Chamier, der sich sonst selten zu Gefühlsausbrüchen hinreißen lässt, wirkte an diesem Abend fast sentimental: "Das sind die Momente, für die man Trainer bleibt - auch bei minus zwei Grad." Meldorf, eigentlich als leicht favorisierte Mannschaft angereist, fand kaum ein Mittel gegen das aggressive, aber faire Pressing der Gastgeber. Obwohl der Ballbesitz (50,5 Prozent) leicht für die Gäste sprach, schossen sie in 90 Minuten gerade zweimal aufs Tor. "Wir hatten wohl Angst, dass der Ball platzt", murmelte Meldorfs Kapitän Benyamin Rupp nach dem Spiel sarkastisch, bevor er sich für seine Gelbe Karte in der 89. Minute entschuldigte: "Frust, ganz klar." Nach der Pause blieb Jöllenbeck am Drücker. Die jungen Wilden - Gome (17), Rau (18), Haag (20) - spielten, als hätten sie das Durchschnittsalter der Liga senken wollen. Haag war es auch, der in der 77. Minute den nächsten Treffer vorbereitete: Ein kluger Pass auf den pfeilschnellen Iban Gome, der den Ball humorlos in die Maschen drosch. 2:0. "Ich hab nur gedacht: nicht drüber, nicht drüber!", kicherte Gome später, während er sich von den Fans feiern ließ. Meldorf wirkte zu diesem Zeitpunkt längst wie ein Boxer, der schon dreimal angezählt wurde, aber weiter boxt, weil der Gong noch nicht kam. Die Nordlichter verteidigten tapfer, aber planlos. Ihr Trainer - der Name blieb auf der Meldorfer Bank an diesem Abend ungenannt, vielleicht auch aus Selbstschutz - brüllte noch Anweisungen, die aber irgendwo zwischen Pech und Resignation verhallten. Die letzten zehn Minuten gehörten wieder Vasco. Der 19-Jährige roch Blut. Erst verpasste er knapp, dann war er in der 88. Minute wieder da - diesmal nach Vorarbeit des eingewechselten Ilias Wasilewski. Kurzer Doppelpass, ein Haken, Schuss - 3:0. Die Fans tobten, und Vasco rannte jubelnd zur Eckfahne, wo er später lachend erzählte: "Ich wollte eigentlich gar nicht dahin, aber meine Beine hatten andere Pläne." Dass Jöllenbeck dabei gerade einmal 49,5 Prozent Ballbesitz hatte, wird in der Statistikabteilung niemanden stören. 22 Torschüsse sprechen eine deutlichere Sprache. Das Team von Chamier spielte, als hätte es sich vorgenommen, jedes Prozent Ballbesitz sofort in Gefahr für den Gegner umzuwandeln. Selbst die Gelben Karten - drei an der Zahl - wirkten fast wie Stilmittel: ein bisschen Härte, aber nie unfair. Nach dem Spiel herrschte beste Laune in der Kabine. Ein anonymer Spieler, vermutlich einer der jungen Wilden, rief noch: "Trainer, nächste Woche wieder offensiv, oder?" Chamier grinste: "Wenn ihr weiter so trefft, spiele ich auch offensiv Schach." Für TuRa Meldorf dagegen war es ein Abend zum Vergessen. Zwei harmlose Schüsse in 90 Minuten, kaum Durchschlagskraft und eine Defensive, die mehr Löcher hatte als ein alter Trainingsball. Dennoch blieb Raphael Rodriguez, der in der 71. Minute Gelb sah, gelassen: "Wir haben wenigstens nicht 0:4 verloren." So bleibt als Fazit: TuS Jöllenbeck hat am 28. Spieltag der Landesliga 5 einen klaren, aber verdienten Sieg gefeiert - mit jugendlichem Elan, taktischer Disziplin und einer Portion Leichtigkeit, die im Winter selten zu sehen ist. Und wer Peer Chamier kennt, weiß: Der wird am Montag beim Training trotzdem wieder sagen: "Jungs, das war nur ein Spiel. Jetzt fangen wir von vorn an." Aber diesmal dürfen sie ruhig ein bisschen länger grinsen. 09.12.643987 07:26 |
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