Haaretz Sports
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Jerusalem Yellows verspielen Führung - Tirat Carmel FC siegt spät mit 3:1

Es war einer dieser Abende in Jerusalem, an denen man sich fragt, ob Fußballgötter Humor haben. 38.868 Zuschauer im Teddy-Stadion sahen die Jerusalem Yellows gegen Tirat Carmel FC - und sie sahen alles: Hoffnung, Verzweiflung, Gelbe Karten und drei eiskalte Vollstrecker in Blau. Am Ende stand ein 1:3 auf der Anzeigetafel, das wohl noch lange in den Köpfen der Heimfans nachhallen wird.

Dabei fing alles so sonnig an für die Yellows. Trainer Stefan Förster hatte seine Elf auf "ausgewogen" eingestellt - kein Pressing, kein Hauruck, lieber gepflegter Ballbesitz (51,6 Prozent, um genau zu sein). Und in der 38. Minute wurde die Geduld belohnt: Der flinke Ernö Berkessy dribbelte sich links durch, legte quer, und Gabriel Florit drückte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie. 1:0! Jerusalem tobte, Förster ballte die Faust - und die Welt war kurzzeitig in Ordnung.

"Wir haben das Spiel kontrolliert", erklärte Förster später mit diesem leicht gequälten Lächeln, das nur Trainer nach einer Niederlage hinbekommen. "Bis zur Pause war alles gut. Dann kam die zweite Halbzeit."

Tatsächlich kam Tirat Carmel aus der Kabine, als hätte Trainerin Babsi Klemm in der Halbzeit nicht Tee, sondern Nitro verteilt. Die Gäste, ohnehin mit einer offensiven Ausrichtung gestartet, warfen nun alles über die Flügel nach vorn. Rechts Sigurd Carlsen, links Rahim Erkin - ein Dauersturm wie ein Sandsturm in der Negev.

In der 64. Minute fiel, was sich längst angedeutet hatte: Joel Miller schickte Carlsen in die Tiefe, der Norweger blieb eiskalt und jagte das Leder ins rechte Eck. 1:1. "Ich hab nur gesehen, dass der Torwart zuckt - da wusste ich, er hat verloren", grinste Carlsen später.

Während die Yellows noch sortierten, legte Tirat Carmel nach. Der auffällige Espen Brinkerhoff, der zuvor schon zwei Flanken auf den Parkplatz gesetzt hatte, traf in der 72. Minute nach Vorarbeit von Ivica Jovanovic aus der zweiten Reihe - und plötzlich führte das Team von der Küste. Ein Schuss, so präzise, dass einige Fans schworen, man habe das Netz noch zehn Minuten später vibrieren sehen.

Die Yellows versuchten es, aber ihre Angriffe wirkten nun wie höfliche Anfragen an die gegnerische Abwehr: "Dürfen wir vielleicht rein?" Florit rackerte, Velazquez schoss, Hannigan fluchte - aber Tirat Caramels Keeper Edward Whitman hielt, was zu halten war.

Als Jerusalem in der Nachspielzeit alles nach vorn warf, konterten die Gäste ein letztes Mal. Brinkerhoff legte quer, Erkin vollendete in der 90. Minute zum 1:3. "Ich hab kurz überlegt, ob ich noch in die Ecke dribble", lachte Erkin, "aber dann dachte ich: Ach komm, machen wir’s kurz."

Die Statistik zeigt ein Spiel auf Augenhöhe: 8:10 Torschüsse, Ballbesitz fast pari, Zweikampfquote 49 zu 51 Prozent. Nur die Effizienz machte den Unterschied - und vielleicht die kleine Gelbe Karte in der 59. Minute gegen Rechtsverteidiger Ricardo Gutierrez, die das Spiel paradoxerweise belebte: "Ich musste danach vorsichtiger sein", sagte er, "also habe ich einfach nur noch Flanken geschlagen." Eine davon leitete den Ausgleich ein.

Babsi Klemm, die erste Frau auf Tirat Carmels Trainerbank, strahlte nach dem Abpfiff: "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn ihr schon in Jerusalem spielt, dann bitte mit Wunder." Und tatsächlich - in der zweiten Halbzeit war es eine kleine Fußball-Offenbarung.

Förster dagegen sprach von "einem klassischen Fall von Selbstzufriedenheit". Seine Spieler nickten betreten. Nur Torwart Eyal Bischara murmelte: "Wenn die da vorne den Ball halten würden, müsste ich hinten nicht fliegen wie Superman."

Und so blieb am Ende nur der bittere Trost, dass man gegen eine entfesselte Mannschaft verloren hat - und gegen eine Trainerin, die offenbar weiß, wie man Flügelspieler zu Raketen macht.

Vielleicht, so meinte ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions, habe Jerusalem einfach vergessen, dass ein Fußballspiel zwei Halbzeiten hat. Ein Satz, den Förster wohl nicht in den Spielbericht aufnehmen wird.

Aber eines ist sicher: Wenn Tirat Carmel weiter so spielt, wird man in der 1. Liga Israel noch öfter von ihnen hören - und in Jerusalem dürften die nächsten Trainingseinheiten etwas lauter ausfallen.

10.10.643987 18:05
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Klaus Allofs
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