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Es war ein frostiger Montagabend in Jarocin, doch auf dem Rasen brannte es lichterloh. 25.894 Zuschauer im Stadion schrien sich die Kälte aus den Knochen, als Jarota Jarocin beim 3:0 über BKS Gdansk eine Lehrstunde in Ballkontrolle, Spielfreude und - ja, auch ein wenig Schadenfreude - gab. Trainer Henryk Kasperczak grinste nach Abpfiff wie jemand, der gerade die Lottozahlen richtig getippt hat: "Wir haben heute einfach Fußball gespielt - und sie haben zugeschaut." Von Beginn an war klar, wer Herr im Haus war. Jarocin, in defensiver Grundordnung, aber mit einem fast schon übermütigen Selbstverständnis, kontrollierte 59 Prozent des Balles, was in Wahrheit nach deutlich mehr aussah. Schon in der sechsten Minute prüfte Marcio Aldecoa, der rechte Wirbelwind, Gdansks Torhüter Janek Frankowski mit einem satten Schuss. Zwei Minuten später war es Rechtsverteidiger Michael Henderson, der wie ein Stürmer auftrat - und wie ein Verteidiger abschloss. "Ich wollte zeigen, dass ich auch kann", lachte er später, "aber der Ball hatte anscheinend andere Pläne." Das Tor, das längst in der Luft lag, fiel in der 24. Minute. Georgi Jelzin, der zentrale Mittelfeldregisseur mit der Körpersprache eines Schachgroßmeisters, traf nach Vorarbeit von - natürlich - Aldecoa. Ein trockener Schuss aus 18 Metern, unhaltbar. "Ich hatte Zeit, nachzudenken", erklärte Jelzin später mit einem Schulterzucken. "Also dachte ich: Warum nicht ins Eck?" Warum nicht, in der Tat. BKS Gdansk, von Trainer Mike Matt offensiv eingestellt, schien überrascht, dass Offensive auch Verteidigung erfordert. Ihr einziger nennenswerter Torschuss in Halbzeit eins kam von Jacek Majewski in der 17. Minute - eher ein höflicher Gruß an Pol Viana, den Jarocin-Keeper, der sich mit einem Sprung ins Leere warmhielt. Kurz vor der Pause leistete sich Jarotas Abwehrchef Louis Crichton eine Gelbe Karte nach übermotiviertem Einsatz. Kasperczak reagierte prompt: Crichton blieb in der Kabine, Adam Millington kam. "Ich wollte Louis vor sich selbst schützen", kommentierte der Trainer trocken. In der zweiten Hälfte drehte Jarocin weiter auf. Die Gäste, angeblich mit "offensiver Ausrichtung", wirkten, als hätten sie das Memo verloren. In der 62. Minute setzte Linksverteidiger Luis Meireles ein Ausrufezeichen, das noch immer über Jarocin hallt: ein wuchtiger Fernschuss, wieder vorbereitet von Aldecoa, der an diesem Abend drei Assists sammelte. Meireles sprintete danach Richtung Eckfahne, rutschte aus, grinste und wurde trotzdem von seinen Kollegen unter einer Jubeltraube begraben. "Ich wollte eigentlich cool bleiben", keuchte er nach dem Spiel, "aber dann war der Rasen schneller als ich." BKS Gdansk versuchte, das Spiel noch einmal zu öffnen, doch es blieb beim Versuch. Ein Schuss von Sebastian Mencel (68.) zischte in Richtung Parkplatz. Trainer Matt schüttelte nur den Kopf: "Wenn man das Tor nicht trifft, hilft keine Taktik der Welt." Seine Mannschaft sammelte immerhin drei Gelbe Karten - Klose (31.), Akin (81.) und Wichniarek (86.) zeigten wenigstens Kampfgeist, wenn auch in der falschen Disziplin. Das finale Kapitel schrieb der frisch eingewechselte Cameron Lester in der 84. Minute. Wieder Aldecoa als Vorlagengeber, diesmal ein butterweicher Pass in die Tiefe. Lester nahm den Ball, schaute kurz hoch und schob ihn mit der Lässigkeit eines Sonntagskickers ins Netz. 3:0. "Ich wollte eigentlich querlegen, aber dann war das Tor im Weg", witzelte Lester später. Die Statistik sprach Bände: 23:3 Torschüsse, fast 60 Prozent Ballbesitz, Zweikampfquote knapp 59 Prozent - Jarota dominierte in allen Belangen. Selbst die Trainer an der Seitenlinie hätten unterschiedlicher kaum sein können: Kasperczak, ruhig und beobachtend, während Mike Matt wild gestikulierend versuchte, seine Mannschaft zu wecken. "Ich glaube, sie haben mich gehört", murmelte Matt nach dem Spiel, "aber nicht verstanden." Am Ende blieb Gdansk nur höflicher Applaus für den Gegner und die Erkenntnis, dass man auch mit offensiver Taktik defensiv verlieren kann. Jarota Jarocin dagegen verabschiedete sich unter stehenden Ovationen. "Das war ein Statement", sagte Aldecoa, noch mit Grasflecken auf dem Trikot und einem Grinsen, das fast so breit war wie seine Flanken. Ein Statement, das die Liga gehört hat - und das BKS Gdansk wohl noch eine Weile in den Ohren klingeln wird. Fazit? Jarota Jarocin spielt Fußball, BKS Gdansk spielt mit - aber eher die Statistenrolle. Und wenn Aldecoa weiter so zaubert, wird man in Jarocin bald sagen: Der rechte Flügel hat Flügel. 27.08.643987 01:12 |
Sprücheklopfer
Ganz gut. Ich habe mich die ganze Nacht um seine Frau gekümmert!
Mario Basler auf die Frage, wie es Dietmar Hamann nach seinem Schlaganfall geht