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Es war einer dieser frostklaren Winterabende, an denen man sich fragt, ob Fußball eigentlich eine Hallensportart sein sollte. Doch die 31.284 Zuschauer in Jarocin trotzten Wind und Kälte - und wurden für ihre Standhaftigkeit belohnt. Jarota Jarocin siegte am 24. Spieltag der 1. Liga Polen mit 2:0 (2:0) gegen Wista Plock. Zwei Tore in der ersten Halbzeit reichten, um die Gäste aus Plock in die Knie zu zwingen - und Trainer Bryan Adams (nein, nicht der Sänger, auch wenn die Optik täuschen könnte) zum Grübeln zu bringen. Von Anfang an war klar: Jarocin würde nicht auf Spektakel setzen. Trainer Henryk Kasperczak hatte sein Team defensiv eingestellt, aber mit gefährlich schnellen Übergängen nach vorn. In der 18. Minute klappte das perfekt: Der wendige Antonio Vaz tankte sich über links durch, legte quer, und Ernö Soos, der zentrale Mittelfeldmotor, drosch den Ball mit einer Entschlossenheit unter die Latte, als wollte er den Winter vertreiben. "Ich hab einfach draufgehalten. Der Ball war warm, und das zählt im Januar doppelt", grinste Soos nach dem Spiel. Wista Plock wirkte kurz geschockt, fing sich aber rasch. Gabor Obitz hatte in der 26. Minute die große Chance zum Ausgleich, doch Torwart Pol Viana machte sich so breit, dass Obitz ihn vermutlich noch im Schlaf sehen wird. "Ich dachte, das Tor sei groß genug", murmelte Obitz später, "aber der Typ stand einfach überall." Dann kam Minute 36, und mit ihr der Moment, der das Spiel entschied. Der junge Slawa Budjanski, 22 und mit der Unbekümmertheit eines Spielplatzkickers, zog rechts an seinem Gegenspieler vorbei und flankte scharf in den Strafraum. Rechtsverteidiger Joel Hayman rauschte heran - ja, der Rechtsverteidiger! - und drückte den Ball zum 2:0 über die Linie. "Eigentlich sollte ich hinten bleiben", lachte Hayman später, "aber Slawa hat so schön gewunken. Da konnte ich nicht anders." Wista Plock, das ohnehin mit einer offensiven Ausrichtung gestartet war, rannte nun an - und rannte sich fest. 47 Prozent Ballbesitz, sieben Torschüsse, aber kein Treffer. Die Jarociner verteidigten mit Leidenschaft, manchmal auch mit einer Spur Übermut. In der 59. Minute sah Innenverteidiger Louis Crichton Gelb, nachdem er etwas zu deutlich klargemacht hatte, dass er nicht an Fairplay-Wettbewerben teilnehmen möchte. "Ich hab den Ball getroffen", verteidigte er sich, "irgendwo zwischen den Schuhen des Gegners." Nach der Pause flachte das Spiel etwas ab. Jarocin verwaltete, Plock versuchte - vergeblich. Trainer Bryan Adams stand an der Seitenlinie, die Hände tief in der Manteltasche vergraben, und rief mehr englische Kommandos als ein Flughafenlotse. "Wir hatten genug Chancen", sagte er später, "aber wir haben sie behandelt, als wären sie Souvenirs - bloß nicht anfassen." Kasperczak dagegen war sichtlich zufrieden, wenn auch in seiner stoisch-polnischen Art. "Wir wollten kompakt bleiben und eiskalt zuschlagen", erklärte er nach dem Abpfiff. "Das hat funktioniert. Und ehrlich gesagt: Joel trainiert Flanken normalerweise nur, wenn es regnet." Die Zahlen bestätigten den Eindruck: 12 Torschüsse für Jarocin, 7 für Plock, dazu ein leichtes Ballbesitzplus (52 Prozent) für die Gastgeber. Mehr musste gar nicht sein. Das Publikum feierte jeden gewonnenen Zweikampf, als ginge es um die Meisterschaft - und als der Schlusspfiff ertönte, schien Jarocin kurzzeitig das Zentrum des polnischen Fußballuniversums. Ein kleines Kuriosum am Rande: Der Stadionsprecher verhaspelte sich bei der Verkündung des zweiten Torschützen und gratulierte zunächst Slawa Budjanski. Der junge Flankengeber grinste breit und sagte später augenzwinkernd: "Ich hab’s kurz geglaubt. Aber Joel hat mich schnell daran erinnert, dass er den Ball tatsächlich getroffen hat." So blieb es beim 2:0 - ein Ergebnis, das Jarota Jarocin weiter träumen lässt und Wista Plock mit leerem Blick in die kalte Nacht entließ. Schlusswort? Vielleicht dieses: Wenn ein Rechtsverteidiger trifft und ein Mittelfeldmann das Spiel eröffnet, dann hat ein Trainer alles richtig gemacht. Oder, um es in den Worten von Henryk Kasperczak zu sagen: "Manchmal gewinnt nicht der, der schöner spielt - sondern der, der wärmere Socken trägt." 24.10.643987 04:03 |
Sprücheklopfer
Gegen uns hätten wir auch gewonnen.
Klaus Allofs