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Es war ein kalter Januarabend in Zielona Gora, aber was die 22.691 Zuschauer im Stadion zu sehen bekamen, war alles andere als frostig. Zumindest aus der Perspektive der Gäste aus Jarocin. Jarota Jarocin gewann am 18. Spieltag der 1. Liga Polen mit 3:1 gegen ein bemühtes, aber defensiv anfälliges Zielona Gora. Und man muss sagen: selten wirkte eine "offensive Ausrichtung" so naiv wie an diesem Abend. Schon in den ersten Minuten war klar, dass Jarocin nicht zum Sightseeing angereist war. Marco Bosingwa prüfte Torwart Maximilian Kraus bereits in der 10. Minute, und die Jarota-Offensive roch förmlich Blut. "Wir wollten gleich zeigen, wer hier das Kommando hat", sagte später Jarocin-Coach Henryk Kasperczak mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Zufriedenheit und altersweiser Milde lag. In der 26. Minute setzte es dann den ersten Treffer: Ernö Soos, der Mittelfeldstratege mit ungarischer Präzision, traf nach feiner Vorarbeit von Jermolai Budjanski aus 18 Metern flach ins rechte Eck. Drei Minuten später legte Cameron Lester nach - diesmal nach einem Pass von Georgi Jelzin, der offenbar beschlossen hatte, dass Politik und Fußball gar nicht so verschieden sind: man muss nur geschickt die Fäden ziehen. 0:2 nach nicht einmal einer halben Stunde - und die Fans von Zielona Gora rieben sich die Augen. Heimtrainer Mac Manager (ja, der Mann heißt wirklich so) gestikulierte wild an der Seitenlinie, rief seinen Verteidigern zu, "enger zu stehen", und trat schließlich in den Rasen, als wolle er das Spielgerät eigenhändig wiedererobern. "Wir hatten eigentlich auf Konterräume gehofft", erklärte er später, "aber wenn man nie in Ballbesitz kommt, ist das schwierig." Zur Pause war der Drops fast gelutscht, obwohl Zielona Gora mit 48 Prozent Ballbesitz immerhin optisch mithielt. Doch die Gäste hatten doppelt so viele Torschüsse (20:8) - und wirkten bei jedem Angriff gefährlicher. Nach der Pause kam etwas Leben in das Spiel der Hausherren. Ellis Lujan, der flinke Rechtsaußen, hatte sich offenbar vorgenommen, das Ding wenigstens noch spannend zu machen. In der 68. Minute belohnte er sich selbst: nach feinem Zuspiel von Bernard Monroe schlenzte er den Ball ins lange Eck - 1:2, und plötzlich war wieder Stimmung im Stadion. "Da dachte ich kurz: jetzt geht’s los", sagte Lujan später mit einem Lächeln, "aber dann kam Marco." Marco Bosingwa, der bullige Mittelstürmer Jarocins, hatte nämlich keine Lust auf Nervenkitzel. In der 76. Minute machte er den Deckel drauf, als er nach einem Steilpass von Soos eiskalt abschloss. 1:3 - die Entscheidung. Danach verlor Zielona Gora nicht nur das Spiel, sondern auch die Fassung. Innenverteidiger Jack Longfellow, schon in der 54. Minute verwarnt, sah in der 86. Minute glatt Rot nach einem rustikalen Einsteigen, das selbst auf einem Rugbyfeld auffällig gewesen wäre. "Ich wollte nur den Ball treffen", murmelte er hinterher, während sein Trainer ihn mit einem Blick bedachte, der Bände sprach. Jarocin spielte das Ergebnis anschließend routiniert herunter. Selbst die Verletzung von Andrzej Fojut (72.) und mehrere Wechsel brachten keinen Bruch ins Spiel. "Wir haben diesmal einfach erwachsener gespielt", lobte Kapitän Soos seine Mannschaft, "keine verrückten Aktionen, keine Panik - nur gutes, solides Pressing." Die Fans von Zielona Gora applaudierten trotz allem, als der Schlusspfiff ertönte. Vielleicht aus Höflichkeit, vielleicht aus Erleichterung. Denn der Abend hatte gezeigt, dass Fußball manchmal einfach gerecht ist: das Team mit der klareren Linie, der besseren Zweikampfquote (55 zu 45 Prozent) und der kühleren Nerven gewinnt. Coach Kasperczak fasste es trocken zusammen: "Wir haben nicht viel geredet, wir haben einfach gespielt." Und dann fügte er hinzu, halb im Scherz, halb im Triumph: "Vielleicht sollten wir das jetzt öfter so machen." Zielona Gora dagegen wird sich fragen, wie man mit offensivem Anspruch und 22.000 Zuschauern im Rücken so harmlos bleiben kann. Aber immerhin, ein Tor ist ein Anfang. "Wir haben noch 16 Spiele", erinnerte Mac Manager seine Spieler in der Kabine, "und wenn wir alle gewinnen, redet keiner mehr über diesen Abend." Na dann - viel Glück dabei. 15.08.643987 11:08 |
Sprücheklopfer
Ganz gut. Ich habe mich die ganze Nacht um seine Frau gekümmert!
Mario Basler auf die Frage, wie es Dietmar Hamann nach seinem Schlaganfall geht