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Inter Miami schießt sich mit frühem Feuerwerk zum 4:2-Sieg über San Jose

Es gibt Fußballabende, an denen man sich fragt, ob die einen das Drehbuch gelesen und die anderen es verloren haben. Der 21. Spieltag der "1. Liga USA" zwischen Inter Miami und den San Jose Blues war genau so einer: 43.500 Zuschauer im pinken Stadion, ein lauer Januarabend - und ein Heimteam, das in der ersten halben Stunde spielte, als gäbe es kein Morgen. Am Ende stand ein 4:2 (3:0), das deutlicher klingt, als es phasenweise war, aber genau die Geschichte eines Spiels erzählt, das schon nach 23 Minuten entschieden schien.

Die Blues kamen mit offenem Visier, offensiv eingestellt, aggressiv bis an die Grenze des guten Geschmacks - was Trainer Daniel Schneider später als "mutig" bezeichnete. Doch Mut allein war an diesem Abend kein Konzept. Schon in der 9. Minute klingelte es im Kasten von Noah Bruce: Reece Pelletier, Miamis bulliger Mittelstürmer mit dem Charme eines Presslufthammers, setzte sich im Strafraum durch und drosch den Ball unter die Latte. "Ich hab einfach draufgehalten - und gehofft, dass keiner im Weg steht", grinste Pelletier später.

San Jose taumelte, Miami roch Blut. In der 17. Minute legte Karel Wyman nach - nach schöner Vorarbeit von Julian Gonzalo, der auf der linken Seite an diesem Abend so unermüdlich wirbelte, dass selbst die Stadionkatze irgendwann aufgab, ihm mit den Augen zu folgen. Wyman schob trocken ein, 2:0. Gavin Knipp, der Coach der Hausherren, klatschte an der Seitenlinie mit der Gelassenheit eines Mannes, der wusste, dass sein Plan gerade aufging.

Und es kam noch besser: Nur sechs Minuten später, 23. Minute, war Gonzalo selbst zur Stelle. Nüzhet Arat, der zentrale Taktgeber Miamis, spielte einen Pass mit chirurgischer Präzision in die Gasse, Gonzalo blieb cool - 3:0. Der Jubel schwappte durch das Stadion wie eine rosa Welle.

"Wir haben in der ersten Halbzeit alles falsch gemacht, was man falsch machen kann", seufzte Blues-Trainer Schneider später. Dass seine Mannschaft mit 56 Prozent Ballbesitz und neun Abschlüssen keineswegs ideenlos war, ist der ironische Fußnotenwitz dieses Spiels. Mehr Ball, weniger Tore - Fußball kann grausam ehrlich sein.

Nach der Pause versuchte San Jose, das Debakel zu reparieren. Die Blues hielten an ihrer offensiven Marschrichtung fest, kämpften, schossen, fluchten - und wurden endlich belohnt. In der 67. Minute traf ausgerechnet Linksverteidiger Logan Baskin nach Vorlage von Callum Marshal. "Ich wusste gar nicht, dass er da vorne war", staunte sogar Teamkollege Wyler. Zwei Minuten später (69.) legte Ivan Jablonsky nach - nach schöner Kombination über Esteban Melendez. Plötzlich roch es nach einer Sensation.

Doch wer glaubte, Miami würde die Nerven verlieren, kennt Gavin Knipp nicht. Der Trainer stellte um, brüllte "Pressing jetzt!", und seine Mannschaft gehorchte. Drei Minuten später, in der 72. Minute, machte Andre Arnold nach Vorlage des omnipräsenten Arat den Deckel drauf. 4:2 - und diesmal endgültig.

Danach wurde’s hitzig. San Joses Innenverteidiger Christiano Postiga sah in der 84. Minute Gelb, nachdem er Arat - inzwischen schon ausgewechselt - beim Abgang noch ein paar "freundliche Worte" mitgab. Drei Wechsel auf Seiten Miamis sorgten für Applaus, Standing Ovations für Wyman, der mit einem breiten Grinsen vom Feld ging.

Statistisch gesehen war es ein seltsames Spiel: Miami mit 44 Prozent Ballbesitz, aber 18 Torschüssen; San Jose mit mehr Kontrolle, aber weniger Ziel. Der Unterschied lag in der Effizienz - und vielleicht auch in der Stimmung. "Wenn 40.000 Leute deinen Namen schreien, schießt du halt besser", meinte Gonzalo augenzwinkernd.

Im Presseraum nach dem Spiel versuchte Blues-Coach Schneider das Positive zu sehen: "Wir haben Moral gezeigt. Und immerhin die zweite Halbzeit gewonnen." Sein Gegenüber Knipp konterte süffisant: "Stimmt. Aber Fußball dauert halt zwei."

So endete ein Abend, der wieder einmal zeigte, dass Statistiken zwar nicht lügen, aber manchmal höflich schweigen. Inter Miami bleibt mit diesem Sieg oben dran, San Jose dagegen muss sich fragen, ob offensives Dauerfeuer ohne Zielwasser wirklich der richtige Weg ist.

Vielleicht hat es ein älterer Fan auf der Tribüne am besten zusammengefasst, als er beim Abpfiff murmelte: "Schön, wenn Fußball so einfach aussieht - und man weiß, dass es das nie ist."

Und ja, so war’s in Miami: einfach schön - und nie einfach.

10.10.643987 20:12
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Ich bin davon überzeugt, dass wir die, die nicht davon überzeugt sind, davon überzeugen werden.
Christian Ziege zur Skepsis vieler deutscher Fußballfans und -experten hinsichtlich des Abschneidens der DFB-Auswahl bei der WM 2002
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