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Es war ein kalter Februarabend in Hafnarfjörður, doch 12.078 Zuschauer wärmten das kleine Stadion mit ihrer Leidenschaft. Leider nicht mit Torjubel für KS Haukar - denn die Gäste von IBV Vestmannaeyjar nahmen die Punkte mit nach Hause. 0:2 hieß es am Ende, und die nüchternen Zahlen erzählen eine Geschichte, die so alt ist wie der Fußball selbst: Viel Ballbesitz, wenig Ertrag. Haukar hatte mit 53 Prozent den Ball häufiger am Fuß, aber was nützt das, wenn man daraus nur einen einzigen Torschuss zustande bringt? Genau - gar nichts. IBV dagegen schoss 21 Mal aufs Tor. Zwei davon saßen, und das auch noch früh genug, um alle Hoffnung auf eine späte Wende schon in der ersten Halbzeit zu ersticken. Bereits in der 5. Minute ging es los. Cesc Calderon, der 21-jährige Wirbelwind auf der rechten Seite, bekam nach feiner Vorarbeit von Joaquin Ferreira den Ball und jagte ihn kompromisslos ins Netz. "Ich wollte einfach mal draufhalten", grinste Calderon nach dem Spiel. "Manchmal muss man nicht nachdenken - das hilft mir sowieso selten." Haukar wirkte geschockt, und dieser Schockzustand hielt erstaunlich lange an. Während Trainer Gunnlaugur Magnússon an der Seitenlinie seiner IBV-Jungs nur ab und zu ein "Ruhig bleiben!" zurief, rannte auf der anderen Seite der Heimcoach - dessen Name wie ein Geheimnis des Abends blieb - unermüdlich an der Linie entlang, gestikulierend, brüllend, verzweifelt. In der 23. Minute fiel dann das 0:2 - ein Treffer, der so elegant war, dass selbst die Haukar-Fans kurz klatschten, bevor sie merkten, was sie da taten. Der 19-jährige Jose Silva, mit jugendlicher Unbekümmertheit und der Präzision eines Uhrwerks, zog von links nach innen und schlenzte den Ball in den Winkel. "Ich hab einfach gemacht, was ich immer mache - schießen und hoffen", sagte Silva später lachend. "Heute hat’s halt funktioniert." Ab da war das Spiel eigentlich entschieden. Haukar versuchte es mit kontrolliertem Aufbau, kurzen Pässen, viel Geduld - aber fast keiner der Spielzüge führte weiter als bis zur Mittellinie, wo Vestmannaeyjar die Bälle abfing, als stünden sie dort im Training. Ein einziger Schuss aufs Tor - das war die magere Bilanz der Gastgeber. Dieser kam in der 28. Minute von Harald Hreidarsson, doch IBV-Keeper Marco Ibano fischte den Ball seelenruhig aus der Luft. Danach war das Spiel so einseitig, dass man das Gefühl hatte, Haukar spiele lieber "Ballhalten" als "Fußball". Zur Pause stand es also 0:2, und auch wenn Haukar mehr Ballbesitz hatte, wirkte IBV in jedem Zweikampf entschlossener. Die Tackling-Quote sprach Bände: 59 Prozent gewonnene Duelle für die Gäste. "Wir waren einfach galliger", meinte Trainer Magnússon trocken. "Vielleicht auch, weil wir wussten, dass uns ein Sieg noch im Rennen hält. Und weil mein Team Kaffee bekommt, wenn’s zu null spielt." In der zweiten Halbzeit tat sich dann nicht mehr viel. IBV schaltete einen Gang zurück, Haukar suchte nach Ideen - fand aber nur Frust. Die Wechsel bei IBV (unter anderem kam der erfahrene Carlos Martins für Hermann Dahlstrom) brachten frische Beine, aber keine weiteren Tore. Das war auch nicht nötig. Ein paar Fans versuchten, mit lautstarken Gesängen ("Wir wollen ein Tor!") ihre Mannschaft wachzurütteln, doch die blieb schläfrig. Als der Schlusspfiff ertönte, jubelten nur die rund 200 mitgereisten IBV-Fans. Für Haukar bleibt die Erkenntnis: Wer keine Tore schießt, kann auch keine Punkte holen - selbst wenn man den Ball liebt wie ein Familienmitglied. "Wir hatten Kontrolle, aber keine Durchschlagskraft", murmelte Kapitän Halvard Gudjohnsen nachdenklich. "Vielleicht sollten wir nächste Woche einfach mal auf das Tor schießen. Nur so, zur Abwechslung." Ein bitterer, aber ehrlicher Abend für KS Haukar. IBV Vestmannaeyjar dagegen zeigte, dass Effizienz manchmal schöner ist als Ballbesitz - zumindest, wenn man am Ende mit drei Punkten vom Platz geht. Und während sich die Spieler von Haukar in der Kabine über verpasste Chancen den Kopf zerbrachen, soll ein kleiner Junge auf der Tribüne gesagt haben: "Papa, warum passen die immer zurück?" Sein Vater seufzte nur: "Weil sie Angst haben, ein Tor zu schießen, mein Sohn." Ein Satz, der den Abend wohl besser zusammenfasst als jede Statistik. 12.04.643990 18:00 |
Sprücheklopfer
Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
Berti Vogts