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11000 Zuschauer im Reykjavíker Nationalstadion sahen ein Pokalfinale, das in der ersten Halbzeit noch nach Geduldspiel roch - und in der zweiten zu einem Feuerwerk der Gäste aus Vestmannaeyjar wurde. Am Ende stand ein klares 1:4 (0:0) auf der Anzeigetafel, und Fram-Trainer Thomas Zaub blickte so, als hätte ihm jemand den Zauberstab geklaut. Dabei begann alles recht ausgeglichen. Die ersten 45 Minuten waren eine Mischung aus vorsichtigem Abtasten und verpassten Gelegenheiten. Kai Kopp auf Seiten der Gastgeber prüfte IBV-Keeper Vincent Edvaldsson früh (6. Minute), während Joaquin Ferreira auf der Gegenseite bereits in Minute 4 andeutete, dass er heute noch eine Hauptrolle spielen würde. Doch Tore blieben Mangelware - es blieb beim torlosen Remis zur Pause, und selbst der Stadionsprecher klang erleichtert, als er die Halbzeit verkündete. "Wir hatten sie in der ersten Hälfte da, wo wir sie haben wollten - nur leider nicht im Netz", knurrte Zaub später. IBV-Trainer Gunnlaugur Magnússon hingegen grinste: "Ich habe meinen Jungs gesagt, sie sollen ruhig bleiben. Kaffee trinken, Tore sparen für später." Offenbar hat die Mannschaft das wörtlich genommen. Denn nach dem Seitenwechsel ging es Schlag auf Schlag. In der 49. Minute brach Ferreira den Bann. Nach Vorarbeit von Diamantis Dranias zog der rechte Flügelflitzer trocken ab - 0:1. Kaum hatten die Hausherren den Schreck verdaut, zappelte der Ball wieder im Netz: Helgi Henriksson, eigentlich Innenverteidiger, köpfte nach Ecke von Jose Silva zum 0:2 ein (51.). "Ich wollte eigentlich nur den Ball klären", witzelte Fram-Verteidiger Gardar Pederson später, "aber Henriksson war wohl der Meinung, mein Kopf sei nur Deko." Fram schien kurz aufgewacht. In der 70. Minute donnerte Routinier Alf Kristinsson - 35 Jahre jung und offenbar noch immer mit Vulkanpower in den Beinen - aus 20 Metern den Ball zum 1:2 ins Netz. Der Jubel dauerte ganze drei Minuten. Dann kam Kai Townsend, der 21-jährige Wirbelwind von IBV, und stellte mit einem Schlenzer den alten Abstand wieder her (73.). Und weil’s so schön war, legte Townsend gleich noch einen drauf: In der 76. Minute bediente Eduardo Tiago mustergültig - 1:4. "Das war kein Spiel mehr, das war ein Lehrfilm über Effizienz", kommentierte ein Zuschauer kopfschüttelnd. Und tatsächlich: 23 Torschüsse für IBV, nur 6 für Fram. 51 Prozent Ballbesitz für die Gäste, aber gefühlt 90 Prozent Kontrolle. "Wir haben uns in der Kabine gesagt: Es ist nur ein Pokalfinale, keine Operation am offenen Herzen", meinte Ferreira lachend nach Abpfiff. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: IBV gewann mehr Zweikämpfe (56 Prozent Tackling-Quote), war aggressiver und schaltete mit zunehmender Spieldauer auf Vollgas. Die taktischen Daten belegen das - während Fram das ganze Spiel über "balanced" blieb, zog Magnússon in der Schlussphase alle Register: starkes Pressing, lange Bälle, Schusslaune "anytime". Man könnte sagen, IBV verwandelte das Finale in ein Trainingsspiel mit Pokalübergabe. Fram versuchte zwar, mit Gelb für Ivan Beto (78.) wenigstens ein Zeichen zu setzen, aber selbst da blieb es beim Symbolischen. "Wir haben uns heute selbst geschlagen", räumte Zaub ein. Sein Gegenüber Magnússon konterte trocken: "Ich hätte nichts dagegen, wenn wir uns künftig öfter so selbst schlagen." Als der Schlusspfiff ertönte, tanzte Townsend mit der isländischen Fahne, Ferreira nahm sich eine Fahne der Färöer - angeblich "aus Versehen" - und Kapitän Henriksson hob die Trophäe in den Reykjavíker Nachthimmel. Die 11.000 Fans klatschten, einige kopfschüttelnd, andere staunend. Und irgendwo auf der Tribüne soll ein älterer Fram-Anhänger gemurmelt haben: "Früher war mehr Beton." Vielleicht war das das Fazit des Abends. Denn während Fram auf Sicherheit setzte, spielte IBV Vestmannaeyjar einfach Fußball - mutig, schnell, ohne Rückspiegel. Ob man das nun Zaub oder einfach Klasse nennt - der Pokal geht verdient auf die Insel. Und Fram? Die werden wohl noch eine Weile brauchen, um diesen Sturm aus Vestmannaeyjar zu verdauen. 13.04.643990 16:15 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack