// Startseite
| Marca |
| +++ Sportzeitung für Spanien +++ |
|
|
|
Wenn man auf Ibiza Urlaub macht, erwartet man Sonne, Strand und Lebensfreude - aber sicher keinen Sturm aus Elche. Am 33. Spieltag der 2. Liga Spanien machte die junge Truppe von Coach Mike Johnson kurzen Prozess mit Ibiza Eivissa und fegte die Gastgeber mit 4:1 (1:1) vom Platz. Die 22.578 Zuschauer im Estadi Can Misses sahen ein Spiel, das sich anfühlte wie ein Besuch im Vergnügungspark - allerdings nur für die Gäste. Dabei fing alles so verheißungsvoll für die Hausherren an. Schon in der 9. Minute donnerte Jens Frissyn, der bullige Mittelstürmer der Ibizenser, den Ball nach Pass von Innenverteidiger Javi Manu kompromisslos ins Netz. "Da dachte ich: Heute wird’s ein schöner Abend", sagte Trainer Dario Koller später mit einem gequälten Lächeln. Es sollte sein letzter schöner Gedanke an diesem Abend bleiben. Denn danach rollte der grün-weiße Express aus Elche unaufhaltsam an. Bereits in der 26. Minute glich der 18-jährige Jamie Wyler nach Vorarbeit von der quirlig-flinken Dalia Levinger aus - ein Treffer, so elegant, dass selbst die Heimfans kurz klatschten. "Ich hab einfach reingehalten", grinste Wyler nach dem Spiel. "Wenn’s läuft, dann läuft’s." Und wie es lief: Elche hatte 55 Prozent Ballbesitz, 17 Torschüsse und die Spielkontrolle fest in Händen. Ibiza dagegen wirkte nach dem frühen Jubel zunehmend ratlos. Die Offensive blieb zwar nominell "offensiv" eingestellt, wie auch die Taktikdaten verrieten, doch das Pressing blieb so harmlos wie ein laues Mittelmeer-Lüftchen. Die Gastgeber kamen insgesamt nur auf sieben Schüsse aufs Tor - und drei davon aus der Distanz, die eher an verzweifelte Befreiungsschläge erinnerten. Nach der Pause erhöhte Elche das Tempo. Trainer Johnson hatte offenbar die richtigen Worte gefunden. "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen Ibiza das Licht ausknipsen - aber freundlich", lachte er später. Und seine Teenie-Truppe setzte das um. In der 75. Minute war es Dalia Levinger selbst, die nach einem feinen Zuspiel von Innenverteidiger Albin Karlsson zur 2:1-Führung traf. Eine Szene, die zeigte, wie viel Selbstvertrauen diese Mannschaft hat: rechts angetäuscht, links abgeschlossen, Tor. Von Ibiza kam daraufhin vor allem eins - Frust. Rechtsverteidiger Gyula Baratky sah in der 44. Minute Gelb, später folgte ein völlig übermotivierter Distanzschuss von Domingo Agirre in der 76. Minute, der mehr Balljunge als Torhüter gefährdete. "Wir wollten kämpfen, aber irgendwann war der Stecker raus", gab Kapitän Kevin Van Geem zu. Die Schlussphase wurde dann zum Schaulaufen für Elches Nachwuchsstar Jack Grealish (nicht verwandt, aber mindestens genauso auffällig). Der 17-Jährige traf in der 87. und 89. Minute gleich doppelt - erst nach Vorlage von Wyler, dann nach feinem Pass des Routinier-Mittelfeldmannes Daniel Bernard. "Ich hab einfach Spaß am Spiel", meinte Grealish, der nach seinen Toren ausgelassen tanzte. "Vielleicht ein bisschen zu viel Spaß", murmelte Ibiza-Coach Koller am Spielfeldrand, während hinter ihm die ersten Fans Richtung Strand verschwanden. Das 1:4 war am Ende so deutlich, wie es klingt. UD Elche zeigte reife Kombinationen, schnörkelloses Passspiel (meist kurz und präzise) und eine bemerkenswerte Kaltschnäuzigkeit. Ibiza hingegen kämpfte, rannte - und verlor. Auch statistisch war das Bild eindeutig: 55 Prozent Ballbesitz, bessere Zweikampfquote (55 Prozent) und mehr als doppelt so viele Abschlüsse sprechen eine klare Sprache. "Wir haben das Spiel unter Kontrolle gebracht, ohne hektisch zu werden", bilanzierte Johnson. "Unsere Jungs sind jung, aber sie spielen, als hätten sie schon 100 Spiele auf dem Buckel." Dario Koller dagegen suchte nach Worten: "Vielleicht hätten wir nach dem 1:0 einfach den Bus vor dem Tor parken sollen. Leider hatten wir keinen Führerschein." So bleibt Ibiza Eivissa nach dieser Lehrstunde weiter im unteren Tabellenmittelfeld stecken, während Elche mit diesem Sieg kräftig Selbstvertrauen für den Saisonendspurt tankt. Und wer weiß - vielleicht war es für die Ibizenser einfach ein bisschen zu viel Party am falschen Ort. Der Ball rollte, die Sonne brannte, und am Ende badeten nur die Gäste in Glück. Wie es ein frustrierter Fan beim Verlassen des Stadions auf den Punkt brachte: "Schöner Abend, falsches Ergebnis." 13.04.643990 16:40 |
Sprücheklopfer
Aus der Ferne betrachtet ist es alles nur eine Frage der Distanz.
Klaus Toppmöller