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Ein Heimspiel, wie es die Fans der Hull Tigers lieben: 27.396 Zuschauer im Stadion, Flutlicht, ein Gegner, der nach wenigen Minuten aussieht, als wolle er lieber wieder in den Bus steigen. Am 9. Spieltag der 2. Liga England feierten die Tigers einen 5:0-Kantersieg gegen Vauxhall Motors - und ein 19-jähriger Stürmer namens Ewan Caviness spielte sich dabei in die Herzen (und Notizblöcke) der Reporter. Schon nach 60 Sekunden war der Abend entschieden. Marvin Eder, sonst eher der Typ Pressing-Arbeiter als Torjäger, nutzte die erste Gelegenheit, um den Ball nach Vorlage von Jürgen Petersen humorlos ins Netz zu jagen. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Petersen später, "aber Marvin hat das Ding einfach weggesnackt." Trainer Mathias Oergel klatschte an der Seitenlinie, als hätte er gerade den Aufstieg klar gemacht. Doch es kam noch besser - oder schlimmer, je nachdem, für wen man war. Nur drei Minuten später schlug der 19-jährige Ewan Caviness zu. Nach einem langen Ball von Innenverteidiger Christopher Lujan nahm Caviness den Ball volley, als hätte er nie etwas anderes getan. 2:0 nach vier Minuten, und die Gäste von Vauxhall Motors wirkten, als suchten sie verzweifelt nach der Pausenglocke. "Wir wollten eigentlich kompakt stehen", erklärte Gästecoach Ronald Gebhardt mit einem müden Lächeln. "Aber Hull war heute einfach kompakter in allem - in den Pässen, im Laufen, im Jubeln." Seine Mannschaft hatte über das ganze Spiel hinweg nur drei Torschüsse, was in etwa so viel Offensivkraft ist wie ein lauwarmer Tee. Hull hingegen spielte sich in einen Rausch. 28 Schüsse aufs Tor, 52 Prozent Ballbesitz - und dabei sah es phasenweise so aus, als wäre die Kugel magnetisch auf Caviness programmiert. Der Teenager netzte in der 49. Minute erneut, diesmal nach Vorarbeit des umtriebigen Billy Chamberlain. "Billy hat mir gesagt: Lauf einfach!", erzählte Caviness nach dem Spiel. "Ich bin gelaufen. Und dann war der Ball da." Einfacher kann Fußball manchmal sein. Als Alexander Bancroft in der 73. Minute nach einer weiteren Vorlage von Chamberlain zum 4:0 traf, verwandelte sich das Stadion endgültig in eine Partyzone. "Die Fans waren großartig", sagte Bancroft. "Ich hab sie gar nicht mehr gehört, so laut waren sie." Dann grinste er und fügte hinzu: "Vielleicht war’s auch einfach der Schock, dass ich mal wieder getroffen habe." Den Schlusspunkt setzte - natürlich - Caviness. In der 81. Minute drückte er einen flachen Querpass von Rechtsverteidiger Leo Warriner über die Linie. Dreierpack. Standing Ovations. Und ein Trainer, der stolz wie ein Pfau über den Platz marschierte. "Ewan ist 19, aber er spielt mit der Ruhe eines 30-Jährigen - und dem Hunger eines 9-Jährigen auf Eiscreme", sagte Oergel nach dem Abpfiff. "So einen Jungen trainierst du nicht, den lässt du einfach machen." Vauxhall Motors, das sei nicht verschwiegen, versuchte zumindest, Haltung zu bewahren. Kai Leech und Carlos Pinto prüften den Hull-Keeper Joel Eliot jeweils einmal, aber mehr als ein höfliches Aufwärmen war das nicht. Ab der 70. Minute wirkte der Gast wie ein Boxer in der zwölften Runde - aufrecht, aber geistig längst in der Kabine. Immerhin: Ganz kampflos wollte man sich nicht ergeben. Josef Wagner sah in der 76. Minute Gelb, Johann Schöne in der Nachspielzeit ebenfalls - zwei kleine Farbtupfer in einem sonst farblosen Abend. Während die Tigers-Fans noch "We are top of the league!" grölen (vielleicht etwas verfrüht, aber wer will’s ihnen verdenken?), stapfte Gästecoach Gebhardt in die Pressekonferenz und murmelte: "Manchmal ist Fußball einfach brutal ehrlich." Hull dagegen darf träumen. Mit dieser Mischung aus jugendlicher Unbekümmertheit und gnadenloser Effektivität haben sie gezeigt, dass sie mehr wollen als nur den Klassenerhalt. Und wenn Caviness weiter so trifft, wird man bald nicht mehr nur in Hull über ihn sprechen. Oder, wie Oergel zum Abschluss sagte, bevor er lachend in den Mannschaftsbus stieg: "Wenn wir jeden Spieltag so anfangen, können wir die Halbzeitpause eigentlich abschaffen." Ein Satz, der sinnbildlich für diesen Abend steht - voller Energie, Spielfreude und einer gehörigen Portion Unverschämtheit. Hull Tigers sind angekommen. Und Vauxhall Motors? Die werden hoffen, dass sie so schnell nicht wieder auf diesen Sturm namens Caviness treffen. 30.08.643990 13:48 |
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