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Ein kalter Märzabend, Flutlicht über dem KCOM Stadium und 17.685 Zuschauer, die sich mit Tee, Schals und einer guten Portion Schadenfreude bewaffnet hatten. Sie bekamen alles, was das Herz eines Tigers-Fans begehrt: ein 3:0, das so klar war, dass selbst der Stadionsprecher kurz stutzte, bevor er das Endergebnis verkündete. Hull Tigers gegen Stoke City, Viertelfinale-Rückspiel im Liga-Pokal der englischen zweiten Liga - und während Stoke City offenbar noch in der Kabine über die passende Taktik nachdachte ("Defensiv, aber bitte ohne Ballverlust!"), hatten die Tigers längst die Krallen ausgefahren. Von Beginn an war klar, wer hier das Kommando führte. Trainer Mathias Oergel hatte seine Elf offensiv eingestellt - Pressing, Laufbereitschaft, keine Spur von falscher Zurückhaltung. "Wir wollten zeigen, dass wir keine Angst vor der eigenen Courage haben", grinste Oergel nach dem Spiel. Und das taten sie. Bereits in der 9. Minute prüfte Jürgen Petersen den gegnerischen Keeper, und es sollte nicht das letzte Mal sein, dass Stoke-Torwart Simcha Amir sich strecken musste. Marvin Eder, der bullige Mittelstürmer der Tigers, feuerte in der 16. und 25. Minute aus allen Lagen. "Ich dachte, der Ball muss einfach irgendwann reingehen - Statistiklüge nennt man das wohl", witzelte Eder später. Das erste Tor fiel dann in der 33. Minute - und wie! Billy Chamberlain, der rechte Mittelfeldspieler, zog nach Pass von Günther Götz von außen nach innen und nagelte den Ball trocken ins lange Eck. Ein Treffer, der den Tigers-Flügeln Flügel verlieh. Die Fans tobten, Stoke wirkte konsterniert. Zehn Minuten später kam es noch dicker: Rechtsverteidiger Christopher Hoskins schaltete sich überraschend in den Angriff ein, erhielt den Ball von Antonio Hernando und jagte ihn aus 20 Metern ins Netz. 2:0 - und Stoke Citys Trainer Horst Fiedler stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, als wolle er die Defensive hypnotisieren. "Wir waren zu passiv, zu brav, vielleicht auch zu höflich", sagte er später mit einem gequälten Lächeln. Nach der Pause brachte Fiedler gleich drei frische Spieler - alle Anfang 20, alle mit großen Augen. Doch auch das half wenig. Hull blieb offensiv, drückte weiter, hatte 17 Torschüsse insgesamt (Stoke kam auf magere sechs) und knapp 53 Prozent Ballbesitz. In der 58. Minute dann die endgültige Entscheidung: Marvin Eder behauptete sich im Strafraum, legte quer auf Jürgen Petersen - und der 21-Jährige schob eiskalt ein. 3:0. Das Stadion vibrierte. Petersen rannte jubelnd zur Bank, wo Trainer Oergel ihm lachend zurief: "Endlich triffst du mal, wenn’s zählt!" Petersen grinste: "Ich hab’s ihm versprochen - und ich halte meine Versprechen meistens." Stoke City mühte sich, aber die Defensive der Tigers stand. Keeper Joel Eliot musste nur selten eingreifen, und wenn, dann tat er es mit der Lässigkeit eines Mannes, der noch Zeit hatte, dem Publikum zuzuwinken. Einziger Wermutstropfen für Hull: Innenverteidiger Isaac Lankford musste in der 22. Minute verletzt raus. "Nichts Schlimmes, hoffe ich", sagte Oergel, "aber Tyler Edwards hat das souverän aufgefangen." In der Schlussphase wurde es noch kurz hitzig: Alexander Bancroft sah in der 73. Minute Gelb, nachdem er einem Stoke-Spieler deutlich machte, dass im Mittelfeld kein Platz für Zärtlichkeiten ist. Danach aber verwalteten die Tigers den Vorsprung clever - und Stoke ergab sich still in sein Schicksal. "So ein Spiel macht Spaß - wenn man auf der richtigen Seite steht", lachte Oergel beim Abpfiff. Horst Fiedler hingegen stapfte mit steinernem Gesicht in die Kabine. "Wir müssen lernen, dass man Spiele nicht im Anzug gewinnt", brummte er. Die Fans feierten noch Minuten nach dem Schlusspfiff, während auf der Tribüne jemand rief: "Lasst sie gar nicht mehr raus aus dem Stadion - so gut spielen sie nie wieder!" Vielleicht ein wenig übertrieben, doch wer wollte es ihm verdenken? Am Ende bleiben drei Tore, ein überzeugender Sieg und ein Gefühl von Aufbruchsstimmung in Hull. Die Tigers sind im Halbfinale - und wer sie so spielen sah, der weiß: Diese Mannschaft hat Lust auf mehr. Oder wie Torheld Petersen es mit einem Augenzwinkern zusammenfasste: "Wenn wir weiter so beißen, müssen die anderen bald mit Maulkörben spielen." Und genau so klang dieser Abend - bissig, laut, und für Stoke City einfach unerträglich. 02.06.643993 09:37 |
Sprücheklopfer
In der Nacht von Samstag auf Montag.
Rudi Assauer auf die Frage, wann die Entscheidung zur Entlassung von Frank Neubarth gefallen sei