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35128 Zuschauer im Midlands-Stadion erlebten einen jener Abende, an denen man früh ahnt, wie das Ganze ausgehen wird - und trotzdem hofft, man irre sich. Diese Hoffnung starb nach knapp vier Minuten, als Luca Engelhardt, der flinke Linksaußen der Hull Tigers, zum ersten Mal zuschlug. Nach einem sehenswerten Doppelpass über Agemar Conceicao donnerte er den Ball humorlos unter die Latte - 0:1, und das Stadion verstummte wie nach einem Stromausfall. "Wir wollten eigentlich kompakt stehen", erklärte Midlands-Trainer Ron Li später mit einem Gesichtsausdruck, der irgendwo zwischen Galgenhumor und Resignation pendelte. "Aber dann kam dieser frühe Treffer - und mit ihm irgendwie auch die Panik." Was folgte, war ein ungleicher Kampf: Hull mit 24 Torschüssen, Villa mit einem. Ja, einem. Der Torversuch von Günther Kaiser in der 44. Minute war so etwas wie ein Schrei nach Aufmerksamkeit: halb Volley, halb Verzweiflung, direkt in die Arme von Hull-Keeper Joel Eliot. "Ich dachte kurz, der Ball sei drin", scherzte Kaiser später, "aber dann fiel mir ein, dass ich ja gar nicht in einem Märchen spiele." Hull hingegen kombinierte, als wären sie die brasilianische Nationalelf der zweiten englischen Liga. Die Passquote war kurz, präzise, geduldig. Trainer Mathias Oergel hatte seine Mannschaft perfekt eingestellt: kein überhitztes Pressing, dafür ruhige Ballzirkulation über die Flügel. Die rechte Seite mit Gerd Laursen und Billy Chamberlain arbeitete wie ein Uhrwerk, links sorgte Engelhardt für Dauergefahr. In der zweiten Halbzeit wurde es dann endgültig einseitig. Midlands Villa versuchte, mit langen Bällen und Kontern zu agieren - so wie es ihre taktische Marschroute vorgab. Doch was nützen lange Bälle, wenn sie niemand festmachen kann? Der 17-jährige Harvey Longfellow mühte sich redlich, aber gegen die robuste Innenverteidigung der Tigers sah er aus, als hätte man ihn direkt aus dem Schulbus aufs Feld gestellt. "Er hat sich reingehauen", lobte Kapitän Markus Seidel, "aber irgendwann spielst du einfach nur noch gegen den Wind." In der 71. Minute fiel dann die Vorentscheidung: Lewis Payne, eben erst eingewechselt, zog aus 18 Metern ab - der Ball senkte sich wie ferngesteuert hinter Torwart Salvador Berjon ins Netz. Vorlagegeber war, natürlich, Gerd Laursen, der kurz darauf Gelb sah, vermutlich aus purer Langeweile. "Ich wollte einfach mal meinen Namen auf der Anzeigetafel sehen", grinste Laursen. Drei Minuten später machte Connor Wiltshire den Deckel drauf. Nach einem Sprint über rechts schloss er selbstbewusst ins kurze Eck ab - 0:3. Billy Chamberlain hatte den Pass in den Lauf gespielt, der Rest war reine Formsache. "Ich hatte einfach Lust, auch mal zu treffen", sagte Wiltshire nach dem Spiel, "nach so vielen Chancen wollte ich den Ball endlich drin sehen." Midlands Villa, mittlerweile in Auflösungserscheinungen, kassierte noch eine Gelbe Karte für Nahum Begin - sinnbildlich für einen Abend zwischen Frust und Fassungslosigkeit. Die Tigers spielten das Ergebnis ohne Hast herunter, kontrollierten Ball und Gegner, während auf den Rängen schon die ersten Fans Richtung Ausgang schlichen. Als Schiedsrichter Graham Worthington abpfiff, stand es 0:3 - ein Resultat, das fast gnädig wirkte angesichts der Chancenflut. Hull hatte 52 Prozent Ballbesitz, aber gefühlt 90 Prozent der Spielkontrolle. Midlands Villa blieb nur der Trost, dass es keine zweistellige Niederlage wurde. "Wir haben Lehrgeld bezahlt", resümierte Trainer Li. "Aber wenigstens war das Publikum fair - die haben uns sogar noch applaudiert, als wir den Ball mal über drei Stationen gehalten haben." In der Mixed Zone grinste Hull-Coach Oergel zufrieden: "Ich kann meinen Jungs heute nichts vorwerfen - außer vielleicht, dass sie mich um mein Feierabendbier gebracht haben. Ich stehe immer noch unter Adrenalin." So ging ein Abend zu Ende, der den Hull Tigers Auftrieb und Midlands Villa Kopfschmerzen beschert. 24:1 Torschüsse, drei Tore, null Zweifel: Das war Klassenunterschied mit Ansage. Und irgendwo im Tunnel des Stadions murmelte ein erschöpfter Villa-Spieler leise: "Immerhin haben wir den Ball fast zur Hälfte der Zeit gehabt." - Man muss die kleinen Siege feiern, wenn die großen ausbleiben. 12.10.643987 07:59 |
Sprücheklopfer
Schiri, pfeif ab. I mog nimmer.
Paul Breitner nach 30 Minuten in einem Europacupspiel beim Stand von 3:0 gegen die Bayern: