// Startseite
| Football Today |
| +++ Sportzeitung für England +++ |
|
|
|
Das KCOM Stadium bebte am Donnerstagabend: 32.260 Zuschauer sahen, wie die Hull Tigers Stoke City in der 2. Liga England regelrecht zerlegten - 6:0 hieß es am Ende, und das war noch schmeichelhaft für die Gäste. "Wir wollten ein Statement setzen", grinste Hull-Trainer Mathias Oergel nach dem Schlusspfiff, "aber dass es gleich ein Roman wird, hätte ich auch nicht gedacht." Schon nach wenigen Minuten war klar, dass Hull an diesem 13. Spieltag nichts anbrennen lassen würde. Zwar begann Stoke mutig, ja beinahe waghalsig - Rechtsverteidiger Pedro Ruy prüfte in der ersten Minute Hull-Keeper Joel Eliot mit einem satten Schuss. Doch das war’s dann auch schon an Offensivglanz der "Potters". Danach übernahmen die Tigers das Kommando - und Marvin Eder schritt zur Tat. In der 17. Minute verwertete der bullige Mittelstürmer eine präzise Flanke von Billy Chamberlain zum 1:0. "Ich hab gesehen, dass Billy anläuft, und dachte mir: ’Wenn ich das Ding jetzt nicht reinmache, darf ich den Bus putzen’", erzählte Eder lachend. Zwei Minuten später verpasste Connor Wiltshire nur knapp das 2:0, ehe Alexander Bancroft in der 40. Minute nach Vorarbeit von Luca Engelhardt eiskalt nachlegte. Ein Schlenzer ins lange Eck - so elegant, dass selbst die Stoke-Fans kurz klatschten. Halbzeitstand: 2:0. Die Statistik zur Pause zeigte eigentlich ein ausgeglichenes Spiel - Stoke hatte mit 51 Prozent sogar leicht mehr Ballbesitz. Nur: Was nützt das, wenn man den Ball nur in der eigenen Hälfte zirkulieren lässt? Die Tigers dagegen spielten zielstrebig, 17 Schüsse aufs Tor insgesamt, während Stoke ganze drei zustande brachte. Die zweite Hälfte begann, wie die erste aufgehört hatte - nur lauter. Antonio Hernando traf in der 48. Minute nach feinem Zuspiel von Linksverteidiger Juan Goncalves. Stoke reagierte mit einem Doppelwechsel, brachte unter anderem den 27-jährigen Torhüter Simcha Amir, der den 18-jährigen Adam Perlman ersetzen sollte. "Ich wollte Stabilität", erklärte Gästecoach Horst Fiedler trocken. Stabilität? Nun, das Ergebnis sprach anders. Denn Marvin Eder hatte Blut geleckt. In der 68. Minute wuchtete er eine Ecke von Innenverteidiger Isaac Lankford per Kopf unter die Latte. Vier Minuten später dasselbe Schauspiel - diesmal flankte Bancroft, Eder nickte zum 5:0 ein. Das Publikum tobte, Eder streckte die Arme aus, als wolle er die gesamte Stadt umarmen. "Ich wollte einfach Spaß haben", sagte er später. "Und wenn Spaß so aussieht, nehme ich das jeden Tag." Den Schlusspunkt setzte wieder Bancroft, der in der 78. Minute einen Pass von Wiltshire aufnahm und seelenruhig einschob - 6:0. Trainer Oergel klatschte verlegen, als wüsste er gar nicht, wohin mit der eigenen Euphorie. "Ich sag’s mal so", meinte er später, "unsere Offensive war heute hungriger als mein Hund nach dem Training." Bei Stoke City dagegen hingen die Köpfe tief. Fiedler stand nach Spielende minutenlang mit verschränkten Armen an der Seitenlinie. "Das war nicht nur schlecht, das war... lehrreich", murmelte er, während hinter ihm ein Fan rief: "Dann hoffen wir, dass ihr was lernt!" Der Coach nickte resigniert. Interessanterweise blieb Hull trotz des Torfestivals taktisch diszipliniert. Die Mannschaft blieb durchgehend in einer offensiven, aber balancierten Ausrichtung, verzichtete auf übertriebenes Pressing und vertraute auf geduldigen Spielaufbau. Stoke dagegen wechselte in der zweiten Halbzeit zu aggressiverem Pressing - was Hull allerdings mehr Räume öffnete, als den Gästen lieb war. Am Ende hatte Hull 17 Torschüsse, sechs davon im Netz. Stoke: drei Schüsse, kein Tor, kein Trost. "Wir haben uns heute selbst geschlagen", sagte Mittelfeldmann Jaroslav Fort zerknirscht. "Immerhin wissen wir jetzt, wie sich ein Verkehrsunfall in Zeitlupe anfühlt." Für die Tigers war es ein Abend, an dem alles passte: Spielfreude, Effizienz, Humor. Für Stoke City hingegen ein Abend, an dem man sich wohl fragte, ob man versehentlich auf einem falschen Platz gelandet war. Und während die Fans auf den Rängen noch sangen, grinste Marvin Eder in die Kameras und sagte: "Sechs Tore sind schön - aber hätten wir noch fünf Minuten gehabt, wer weiß?" Ein Satz, der die Stimmung perfekt einfängt. Hull Tigerte, Stoke taumelte. Und irgendwo in der Ferne klang es, als hätte jemand leise gemurmelt: "Willkommen in der zweiten Liga, Freunde." 15.10.643990 21:09 |
Sprücheklopfer
Ob rechts oder links, wo ich auftauchte, war ich schlecht.
Mario Basler