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Hull Tigers zähmen die Drachen - spätes Glück im Pokalfight

Ein nasskalter Februarabend, 13.883 Zuschauer und zwei Mannschaften, die offenbar beschlossen hatten, dass "offensiv" nicht nur ein Wort auf dem Taktikzettel ist - das war die Szenerie im Liga-Pokal-Duell zwischen den Hull Tigers und den Wrexham Dragons. Am Ende jubelten die Gastgeber über ein 2:1 (1:0), das härter erkämpft war, als es die Statistik vermuten lässt.

Die Tigers legten los, als wollten sie das Spiel in den ersten zehn Minuten erledigen. Bereits in der 5. Minute prüfte Lewis Payne den Torwart der Dragons mit einem satten Distanzschuss. "Ich wollte einfach mal sehen, ob der Keeper wach ist", grinste Payne später. Der war wach - und das blieb er auch, denn Hull schoss in der Folge im Minutentakt. Jürgen Petersen (6., 9.) und der junge Duarte Chalana (8., 11.) scheiterten nacheinander, ehe sich die Überlegenheit endlich auszahlte.

In der 20. Minute kombinierte sich Hull über Payne durchs Mittelfeld, der dann den einrückenden Linksverteidiger Noe Agirre bediente. Agirre, sonst nicht gerade für Torrausch bekannt, zog trocken ab - 1:0! "Ich dachte, er flankt", rief Chalana lachend, "aber dann hat er einfach draufgehalten. Vielleicht sollte er öfter vergessen, dass er Verteidiger ist." Trainer Mathias Oergel nickte später anerkennend: "Das war kein Zufall. Noe trainiert seine Abschlüsse seit Wochen. Heute hat er sich belohnt."

Danach hätte Hull das Spiel schon entscheiden können - 21 Torschüsse insgesamt, das sagt alles. Doch sie ließen Chancen liegen, dass man als Reporter nur noch den Kopf schütteln konnte. Chalana, 18 Jahre jung und mit der Selbstsicherheit eines Straßenkickers, scheiterte gleich viermal aus aussichtsreicher Position. "Ich hab halt immer die Latte getroffen", murmelte er nach dem Spiel mit einem Grinsen, das verriet: Er wusste genau, dass das nicht stimmt.

Wrexham dagegen brauchte 39 Minuten, um erstmals gefährlich zu werden. Javi Ramallo zwang Hull-Keeper Joel Eliot zu einer Parade, die das Publikum tatsächlich aufrüttelte. Danach gab’s noch eine Gelbe für Aitor Henrico, der offenbar kurzzeitig vergessen hatte, dass Grätschen kein Kampfsport ist.

Nach der Pause sah das Spiel kurzzeitig wie ein anderes aus. Wrexham wurde mutiger, Hull etwas nachlässig. Ramallo und dann Bradley Wiltshire prüften Eliot, der jetzt richtig was zu tun bekam. In der 73. Minute war’s dann soweit: Salvador Mendilibar zog aus knapp 20 Metern ab - und drin war das Ding. 1:1! "Ich hatte einfach Lust, mal nicht querzulegen", sagte Mendilibar später. Sein Trainer Viktor Kazyrow, sonst ein Mann kontrollierter Worte, lobte: "Endlich mal jemand, der den Mut hat, es zu versuchen."

Doch wer dachte, die Tigers würden sich geschockt zurückziehen, wurde eines Besseren belehrt. Oergel reagierte, brachte Günther Götz für Bancroft und Connor Wiltshire für den müde gelaufenen Petersen. Ein Glücksgriff. Denn kaum war Wiltshire auf dem Platz, machte er in der 85. Minute das 2:1. Götz setzte sich auf links durch, flankte halbhoch in den Strafraum - und Wiltshire drückte den Ball mit mehr Wille als Technik über die Linie. Die Tribüne tobte.

Kurz darauf verlor Wrexham endgültig die Nerven: Henrico sah Gelb-Rot nach einem taktischen Foul, das eher einem verzweifelten Umklammern glich. "Ich wollte ihn nur kurz festhalten", rechtfertigte er sich, während sein Trainer Kazyrow nur die Augen verdrehte.

Die letzten Minuten gehörten wieder Hull, das den Ball nun sicher laufen ließ. Der Schlusspfiff brachte kollektives Aufatmen - und Oergel, der sonst stoisch an der Seitenlinie steht, riss tatsächlich beide Arme in die Höhe. "Das war ein verdienter Sieg, aber wir hätten’s uns früher einfacher machen können", sagte er trocken.

Die Statistik erzählt eine klare Geschichte: 21:4 Torschüsse, 51 Prozent Ballbesitz, mehr Zweikämpfe gewonnen - Hull war die bessere Mannschaft. Aber die Dragons hielten tapfer dagegen, bis ihnen am Ende die Luft und ein Verteidiger ausging.

Vielleicht war es nicht das schönste Spiel des Abends, aber sicher eines mit Charakter. Oder, wie der Stadionsprecher beim Abgang brüllte: "Hull Tigers - manchmal wild, aber immer herzlich!"

Ein bisschen Pathos darf man an so einem Abend ruhig gelten lassen. Schließlich hatten die Tigers ihre Drachen gezähmt - und das mit einem Lächeln, das man bis zur Humber Bridge sehen konnte.

30.11.643990 22:18
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Es gibt jetzt gerade überall auf anderen Pressekonferenzen Trainer, die denselben Käse erzählen wie ich.
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