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Es war ein Abend, der in Hull als Beweis dafür eingehen dürfte, dass Fußball keine Mathematik ist. 13.975 Zuschauer im ehrwürdigen Tigers-Stadion sahen eine Partie, die zunächst nach einem jener grauen Pokalabende aussah, bei denen man sich wünscht, man wäre doch beim Pub-Quiz geblieben. Am Ende jedoch feierten die Hull Tigers ein 3:1 gegen die Nottingham Foresters - und zwar mit einer zweiten Halbzeit, die Trainer Mathias Oergel später nur mit einem breiten Grinsen kommentierte: "Ich habe den Jungs in der Pause gesagt, sie sollen endlich so spielen, wie sie aussehen: gefährlich." Doch der Reihe nach. Die Gäste aus Nottingham begannen frech, beinahe übermütig. Während die Tigers sich noch sortierten, schob sich in der 28. Minute Liam Primes nach einem Pass des routinierten Verteidigers Juan Herrera durch die Abwehr wie ein heißes Messer durch Butter - und vollendete trocken zum 0:1. "Ich wusste gar nicht, dass Herrera so präzise flanken kann", witzelte Primes später, "vielleicht sollte er öfter vorne stehen." Die Foresters führten, und das nicht unverdient: Hull hatte zwar Ballbesitz (am Ende satte 54,7 Prozent), aber wenig Zielwasser. Die Statistik der ersten Halbzeit sprach trotzdem eine deutliche Sprache: Sieben Torschüsse der Tigers - kein Treffer. Nottingham dagegen mit drei Versuchen und einem Tor - Effektivität in Reinform. Trainer Leon Löwe, stets ein Mann der klaren Worte, sagte zur Pause: "Wir hatten die Kontrolle. Zumindest bis die Tigers beschlossen, dass sie auch mitspielen dürfen." Was auch immer Oergel in der Kabine servierte - es muss stark gewesen sein. Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, verwandelte sich Hull in einen Wirbelsturm. In der 60. Minute war es Günther Götz, der nach feinem Zuspiel von Antonio Hernando aus halblinker Position abzog - 1:1. Der Jubel war laut, aber noch nicht erschöpfend. Nur vier Minuten später schlug Hernando selbst zu, diesmal ohne Hilfe. Ein strammer Schuss aus 20 Metern, Torwart Riley Adams streckte sich vergeblich. Und als ob das nicht genug gewesen wäre, ließ Hernando in Minute 65 gleich noch einen drauf. Diesmal hatte Billy Chamberlain die Vorarbeit geleistet, Hernando bedankte sich mit einem platzierten Flachschuss ins rechte Eck. 3:1 - in fünf Minuten hatten die Tigers das Spiel komplett gedreht. Die Foresters wirkten geschockt, fast gelähmt. "Wir wussten nicht mehr, wo oben und unten ist", gab Keeper Adams ehrlich zu. "Man hatte das Gefühl, sie waren plötzlich doppelt so viele." Tatsächlich rollte Angriff um Angriff auf sein Tor: 18 Torschüsse der Gastgeber standen am Ende nur drei der Gäste gegenüber. Die Schlussphase war dann mehr Kampf als Kunst. Hulls Verteidiger Christopher Hoskins, offenbar inspiriert von einem Wrestling-Abendprogramm, holte sich in der 63. Minute Gelb ab. Nur drei Minuten später folgte Innenverteidiger Isaac Lankford mit der nächsten Verwarnung, und als dann auch noch der eingewechselte Juan Goncalves in Minute 67 in die Schiedsrichter-Notizen wanderte, fragte man sich, ob Oergel ein Sammelkartenalbum für Gelbe Karten führen lässt. Der Coach wiegelte später ab: "Ein bisschen Feuer gehört dazu. Sonst ist es ja kein Pokalspiel." Die Gäste versuchten es noch einmal, aber ohne Fortune. Ersatzstürmer Paulo Rielo, für den verletzten Lucas Bloomfield gekommen, rannte sich an der robusten Hull-Abwehr fest. In der 82. Minute prüfte Agemar Conceicao noch einmal Adams - doch das 4:1 blieb aus. Als der Schlusspfiff ertönte, feierten die Tigers, als hätten sie gerade Wembley gewonnen. Götz wurde von den Fans gefeiert, Hernando umarmte halb die Ersatzbank, halb das Maskottchen. Auf der Pressekonferenz hatte Oergel dann sichtlich Spaß: "Ich weiß gar nicht, was aufregender war - die drei Tore oder die Gesichtsausdrücke meiner Assistenten dabei." Leon Löwe dagegen wirkte nachdenklich: "Wir waren 45 Minuten das bessere Team, dann 20 Minuten nur Zuschauer. Das reicht im Pokal eben nicht." Unterm Strich war es ein verdienter Sieg. Mehr Ballbesitz, mehr Schüsse, mehr Mut - und ein Mittelfeldmotor namens Hernando, der das Spiel an sich riss. Die Tigers haben sich damit eine glänzende Ausgangsposition fürs Rückspiel geschaffen. Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Erst haben sie uns zum Fluchen gebracht, dann zum Tanzen. Typisch Hull." Man darf gespannt sein, ob die Foresters im Rückspiel eine Antwort finden - oder ob die Tigers schon wieder brüllen, bevor der Anpfiff ertönt. 27.08.643987 05:00 |
Sprücheklopfer
Jeder, der mich kennt und der mich reden gehört hat, weiß genau, dass ich bald englisch in sechs oder auch schon in vier Wochen so gut spreche und Interviews geben kann, die jeder Deutsche versteht.
Lothar Matthäus