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Wenn 22.374 Menschen an einem Dienstagabend in Hull den Atem anhalten, dann weiß man: Hier passiert etwas Besonderes. Und tatsächlich - die Hull Tigers haben mit einem furiosen 3:1-Sieg im Halbfinal-Rückspiel des Liga-Pokals gegen Midlands Villa das Ticket fürs Finale gelöst. Das Stadion bebte, die Fans sangen (nicht immer im Takt), und Trainer Mathias Oergel grinste hinterher wie ein Mann, der einen sehr guten Plan hatte - oder einfach den besseren Sturm. Dabei begann der Abend aus Sicht der Gastgeber mit einem kollektiven "Oh nein!". Schon in der 4. Minute traf Nick Born für Midlands Villa - eiskalt, nach feinem Zuspiel von Alexander Hennessy. "Wir waren noch nicht wach, wahrscheinlich dachten die Jungs, das Flutlicht ist nur Deko", sagte Oergel später mit einem schiefen Lächeln. Der frühe Rückstand war wie ein Weckruf - und Hull reagierte so, wie man es von einem Team mit offensiver Ausrichtung erwartet: mit Wut im Bauch und Pressing bis zur Hüfte. Es dauerte keine 15 Minuten, bis Marvin Eder in der 19. Minute nach mehreren verpassten Chancen endlich traf. Eine scharfe Hereingabe von links, ein kurzer Antritt - und der Ball zappelte im Netz. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du zu viel nachdenkst, geht das Ding sowieso in die Parkreihe", erklärte Eder, der an diesem Abend überall zu finden war, wo es nach Gefahr roch. Die Tigers rochen nun Blut - und Jürgen Petersen, der 21-jährige Wirbelwind auf der rechten Seite, verwandelte in der 28. Minute zum 2:1. Antonio Hernando hatte den Ball clever durch die Schnittstelle gespielt, Petersen nahm Maß und traf präzise. Jubel, Bierduschen, Bengalos - und ein Midlands-Trainer Ron Li, der sich zum ersten Mal ratlos am Kinn kratzte. "Wir wollten eigentlich kompakt stehen. Stattdessen standen wir oft nur rum", knurrte Li später in die Mikrofone. Bis zur Pause entwickelte sich ein munteres Hin und Her. Hull hatte die besseren Chancen - 17 Schüsse aufs Tor im ganzen Spiel sprechen eine deutliche Sprache - aber Midlands Villa blieb mit schnellen Kontern gefährlich. Besonders Nick Born versuchte, die Defensive um Isaac Lankford und später Tyler Edwards (nach dessen Einwechslung in der 63. Minute) zu beschäftigen, doch Keeper Joel Eliot war in blendender Form. Nach dem Seitenwechsel flachte die Partie kurz ab, bis Minute 62: Xabi Manu schickte Luca Engelhardt steil - und der traf mit einem satten Schuss zum 3:1. "Ich hab Xabi nur kurz zugerufen: ’Spiel mich, ich bin frei!’ - und plötzlich war ich’s wirklich", lachte Engelhardt nach dem Abpfiff. Es war der Treffer, der das Stadion endgültig in Ekstase versetzte. Midlands Villa versuchte noch einmal, das Ruder herumzureißen - lange Bälle, viel Körper, wenig Präzision. Xavi Vasquez holte sich in der 66. Minute eine Gelbe Karte ab, sinnbildlich für den Frust des Abends. "Wir haben alles versucht, aber Hull war heute einfach giftiger", gab Kapitän Hennessy ehrlich zu. Oergel reagierte clever: Er brachte frische Kräfte, ließ seine Mannschaft etwas tiefer stehen, und das reichte. Bei Midlands halfen auch die späten Wechsel nichts - der eingewechselte Youngster Lucas Nicksay konnte keine neuen Impulse setzen. Die Tigers kontrollierten Ball und Gegner, 52 Prozent Ballbesitz und eine präzise Passquote sprachen für das reifere Spiel. Als Schiedsrichter McLellan nach 93 Minuten abpfiff, war die Freude grenzenlos. Hull steht im Finale - und das völlig verdient. "Ich bin stolz auf die Jungs. Wir haben gezeigt, dass wir nicht nur kämpfen, sondern auch Fußball spielen können", meinte Oergel. Und dann, mit einem Augenzwinkern: "Jetzt will ich nur noch, dass keiner nächste Woche seine Schuhe verliert." Ron Li hingegen verschwand wortlos im Kabinentrakt, vermutlich auf der Suche nach Antworten und einer Tafel Schokolade. Midlands Villa hatte nicht schlecht gespielt, aber Hull Tigers waren schlicht die bissigere Mannschaft - und das ist im Fußball manchmal alles, was zählt. Zum Schluss blieb das Flutlicht noch eine Weile an, als wollte es den Moment festhalten. Die Fans sangen weiter, die Spieler winkten, und irgendwo auf der Tribüne rief ein kleiner Junge: "Papa, wir fahren nach Wembley!" - und genau so fühlte es sich an. Ein Abend, an dem die Tigers nicht nur brüllten, sondern auch bissen. Und das Finale? Es darf kommen. 02.09.643993 23:57 |
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Die Frauen haben sich entwickelt in den letzten Jahren. Sie stehen nicht mehr zufrieden am Herd, waschen Wäsche und passen aufs Kind auf. Männer müssen das akzeptieren.
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