Football Today
+++ Sportzeitung für England +++

Hucknall Town zerlegt Wimbledon FC - 8:0!

Ein Abend zwischen Genie, Wahnsinn und Mitleid

Es gibt Spiele, bei denen man sich fragt, ob man Zeuge eines Fußballspiels oder einer Kunstinstallation geworden ist. Das 8:0 von Hucknall Town gegen Wimbledon FC am 23. Spieltag der 2. Liga England gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Vor 25.395 staunenden Zuschauern verwandelte sich das kleine Stadion an der Watnall Road in ein Tollhaus - und Wimbledon in einen Haufen verzweifelter Statisten.

"Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen", grinste Hucknall-Coach Maddes Kaiser nach Abpfiff, "aber meine Jungs offenbar nicht." Man kann ihm kaum widersprechen: Seine Mannschaft legte los wie entfesselt und ließ den Gästen keine Sekunde Luft zum Atmen. Bereits in der 6. Minute eröffnete Robert Washington das Schützenfest - nach einem wuchtigen Vorstoß von Innenverteidiger Gabriel Carter, der sich offenbar dachte: Warum hinten stehen, wenn man vorne Geschichte schreiben kann?

Nur acht Minuten später erhöhte Filipe Alves auf 2:0, und Wimbledons Torwart John Willoughby begann wohl innerlich, nach einem Vorwand für eine Verletzungspause zu suchen. "Ich hab den Ball gesehen", murmelte er später, "aber er mich leider auch." Zur Halbzeit stand es "nur" 2:0 - was rückblickend eher wie eine höfliche Einladung zum Untergang wirkte.

Denn nach dem Seitenwechsel brach über Wimbledon ein Sturm herein, der jeden Meteorologen ins Grübeln gebracht hätte. Hucknall kam mit 27 Schüssen aufs Tor daher - gegen magere drei der Gäste. Die Ballbesitzstatistik (54 zu 46 Prozent) liest sich fast gnädig, doch sie täuscht: Wenn Hucknall den Ball hatte, wurde es brandgefährlich. Wenn Wimbledon ihn hatte, dauerte es meist keine zehn Sekunden, bis sie ihn wieder los waren.

In der 58. Minute startete Owen Nolan auf links, flankte butterweich auf Alves - 3:0. Und während die Fans noch jubelten, bereitete sich bereits das nächste Drama vor. In der 64. Minute durfte sich der 35-jährige Routinier Gabriel Carter selbst in die Torschützenliste eintragen. "Ich wollte den Jungen zeigen, dass Verteidiger auch Tore schießen können", zwinkerte Carter nach dem Spiel. Sein Trainer konterte trocken: "Ja, aber bitte nicht alle gleichzeitig."

Danach wurde es grotesk: Zwischen der 71. und 82. Minute fielen vier weitere Tore - Alves (71.), Couto (72.), Alves (78.) und, fast schon logisch, wieder Alves (82.) machten das 8:0 perfekt. Der Portugiese war in dieser Partie kaum zu stoppen - fünf Treffer, zwei Vorlagen, ein Abend für die Vereinschronik. "Ich wollte einfach Spaß haben", sagte er mit einem Lächeln, "und Wimbledon hat’s mir erlaubt."

Die Gäste aus Wimbledon wirkten ratlos, ihr Coach - der nach dem Spiel wortlos in der Kabine verschwand - dürfte wohl lange über die Begrifflichkeit "defensiv ausgewogen" nachdenken. Denn während Hucknall offensiv, zielstrebig und taktisch variabel agierte, blieb Wimbledon in seiner "balancierten" Ausrichtung gefangen, als spiele man ein Trainingsspiel gegen imaginäre Gegner.

Ein besonders bitteres Detail: Selbst Hucknalls Innenverteidiger Carter durfte sich noch eine Gelbe Karte abholen - offenbar aus Langeweile. "Ich wollte auch mal in der Statistik auftauchen", scherzte er.

In den letzten Minuten riefen Zuschauer von der Tribüne: "Lasst sie leben!", doch Hucknall hatte anderes im Sinn. Trainer Kaiser stand an der Seitenlinie, grinste in Richtung seiner Ersatzbank und rief: "Jungs, wir üben heute Torabschluss!" - und das war keine Metapher.

Statistisch gesehen war es eine Machtdemonstration: 27 Torschüsse, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe, acht verschiedene Vorlagengeber - und ein Gegner, der nach 90 Minuten wohl froh war, dass im Fußball keine Gnade vergeben wird.

Für Hucknall Town war es ein Statement-Sieg, ein lautes "Wir sind da!" an die Konkurrenz. Für Wimbledon hingegen ein Weckruf, der noch lange in den Ohren klingeln dürfte. "Manchmal hilft nur Humor", seufzte Mittelfeldmann Tyler Callahan beim Verlassen des Platzes. "Wir haben heute Geschichte geschrieben - leider auf der falschen Seite."

Und so endete ein Abend, der in Hucknall noch lange Gesprächsthema bleiben wird. Ein Abend, an dem alles gelang - außer vielleicht, das Zählen rechtzeitig einzustellen.

Oder wie Trainer Kaiser es formulierte: "Wenn du acht Tore machst und trotzdem noch Chancen liegen lässt, dann hast du entweder ein Problem - oder eine sehr gute Mannschaft."

Ein Satz, der in Hucknall wohl bald auf T-Shirts gedruckt wird.

12.10.643987 13:55
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In diesem Scheißverein kann man nicht mal richtig feiern.
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