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Ein 3:4, das man sich einrahmen möchte - zumindest, wenn man kein Herz für Abwehrarbeit hat. 27.000 Zuschauer im Hucknall Stadium sahen am Mittwochabend einen wahren Fußballsturm: sieben Tore, ein zerknirschter Heimtrainer, ein grinsender Gästecoach und genug Drama für eine ganze Netflix-Miniserie. Die Manchester Devils, bekannt für ihr diabolisches Offensivspiel, begannen mit der Energie eines Espresso-Doppels. Schon in der 23. Minute klingelte es: Asen Christow, der rechte Wirbelwind, drosch den Ball nach feinem Zuspiel von John Devaney unhaltbar ins Eck. Hucknall-Keeper Jose Enrique Alves schaute dem Leder lediglich melancholisch hinterher - vielleicht dachte er kurz an seine Handschuhwahl. Doch Hucknall Town antwortete prompt. Sechs Minuten später tanzte Karel Scranton nach einem Pass von Thierry Bergeron durch die Devils-Abwehr wie ein Straßenkünstler auf dem Marktplatz und vollendete zum 1:1. Das Stadion bebte, Bierbecher flogen, und Trainer Maddes Kaiser brüllte von der Seitenlinie: "So will ich euch sehen - wenigstens ab und zu!" Leider dauerte die Freude kürzer als ein britischer Sommer. Nur zwei Minuten nach dem Ausgleich stellte Alfie Perlman für die Gäste auf 1:2. Sein Schuss aus 18 Metern war so präzise, dass man fast applaudieren wollte - wenn man nicht gerade Hucknall-Fan war. "Wir haben die Ordnung verloren, als wäre sie ein verschwundener Autoschlüssel", knurrte Kaiser später. Die zweite Halbzeit begann mit frischem Mut bei den Gastgebern, die laut Statistik sogar 53 Prozent Ballbesitz verbuchen konnten. Und siehe da: In der 65. Minute war es Daniel Winfield, der nach Vorarbeit von Ricardo Bosingwa den Ausgleich erzielte. Das Stadion tobte. Zwei Minuten später drehte Filipe Alves das Spiel komplett - 3:2 für Hucknall, diesmal nach Pass von Marc Baer. Der Portugiese breitete die Arme aus, als wolle er das ganze Stadion umarmen. "Wir waren da am Drücker, das Publikum hat uns getragen", sagte Alves nach dem Spiel, während er sich Schweiß und Konfetti aus den Haaren wischte. "Dummerweise hat uns dann der Teufel persönlich einen Streich gespielt." Gemeint war natürlich Asen Christow, der in der 73. Minute mit seinem zweiten Treffer den Ausgleich schaffte. Jean-Pierre Bettencourt hatte ihn glänzend bedient, und Christow schob souverän ein. "Wenn du Asen den Ball in den Lauf gibst, kannst du gleich zum Jubeln ansetzen", kommentierte Devils-Trainer Ronnie Ekström mit einem breiten Grinsen. Hucknall taumelte, Manchester roch Blut. In der Nachspielzeit (91.) war es dann Bettencourt selbst, der nach Vorlage von Agafon Swetlow den Siegtreffer erzielte. Ein Schuss, so trocken wie schottischer Humor, und die Gäste jubelten, als hätten sie die Liga gewonnen. Statistisch betrachtet war das Ergebnis nicht völlig unverdient: 15 Torschüsse der Devils gegenüber 8 von Hucknall sprechen eine klare Sprache. Auch die Zweikampfquote fiel mit 52,8 Prozent leicht zugunsten der Gäste aus - kein Wunder, dass Ekström nach Abpfiff zufrieden wirkte. "Natürlich hätten wir auch 6:5 gewinnen können", witzelte er, "aber ich wollte meinem Torwart mal ein gutes Gefühl gönnen." Hucknalls Verteidiger Andres Henriquez, der in der 32. Minute Gelb sah, nahm das Ganze mit Galgenhumor: "Ich glaube, ich war der Einzige, der heute wirklich gestoppt hat - leider den Falschen." Trainer Kaiser versuchte, die Niederlage sportlich zu sehen. "Wir haben guten Fußball gespielt, drei Tore gemacht, das Publikum begeistert - aber leider auch die Gäste. Vielleicht sollten wir künftig mit zwei Torhütern spielen." Die Fans verabschiedeten ihr Team dennoch mit Applaus. "So viel Drama für 25 Pfund Eintritt, das ist ja fast ein Schnäppchen", meinte ein älterer Zuschauer schmunzelnd. Und tatsächlich: Wer an diesem Abend dabei war, bekam eine Erinnerung, die länger bleibt als jeder Punkt in der Tabelle. Am Ende siegten die Devils mit 4:3 (Halbzeit 2:1) und nahmen drei Punkte mit nach Manchester. Hucknall Town hingegen bleibt der moralische Gewinner - zumindest in Sachen Unterhaltungswert. Vielleicht trifft man sich im Rückspiel wieder für eine Revanche. Und wenn es ähnlich turbulent wird, sollte man den Sanitätern schon mal Ersatzdefibrillatoren bereitlegen - für die Fans, versteht sich. 04.12.643993 16:02 |
Sprücheklopfer
Man darf über ihn jetzt nicht das Knie brechen.
Rudi Völler