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Ein frostiger Samstagabend im Februar, Flutlicht über Hradec Králové, 22.562 Zuschauer, die sich warmklatschen - und ein Gast, der keine Gastgeschenke verteilt. Der FC Bystrc-Kninicky gewann den Auftakt der 1. Liga Tschechien mit 2:1 beim favorisierten Hradec Králové und hatte dabei einen Mann, der an diesem Abend einfach nicht daneben schießen wollte: Sasa Juskic. Der 29-jährige Mittelstürmer aus Serbien entschied das Spiel praktisch im Alleingang - und das schon in den ersten 20 Minuten. Erst traf er in der 17. Minute nach einem blitzsauberen Zuspiel von Gianmarco Morabito, dann legte er nur drei Minuten später nach, diesmal nach Vorarbeit von Roman Coupek. Zwei Abschlüsse, zwei Treffer, zwei Mal kollektives Kopfschütteln auf der Heimtribüne. "Wir wussten, dass Juskic gefährlich ist", knurrte Hradec-Trainer Thomas Michael Rinesch nach dem Spiel, "aber dass er gleich doppelt zuschlägt, war nicht eingeplant. Vielleicht hätten wir ihn einfach mal umarmen sollen - irgendwas, was ihn stoppt." Dabei war Hradec statistisch keineswegs unterlegen. 52 Prozent Ballbesitz, 10 Torschüsse, gefälliges Passspiel - aber wenig Zählbares. Der Anschlusstreffer durch den flinken Leon Kaiser in der 34. Minute, vorbereitet vom lauffreudigen Nevio Xavier, gab kurz Hoffnung. Kaisers Schuss aus spitzem Winkel landete präzise im langen Eck - der erste Torjubel der neuen Saison für die Gastgeber. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Kaiser später. "Wenn du 0:2 hinten liegst, denkst du nicht mehr nach." Doch trotz spielerischer Bemühungen blieb der Ausgleich aus. Hradec kombinierte gefällig, aber Bystrc verteidigte mit Erfahrung und - man muss es sagen - einer gesunden Portion Zynismus. In der zweiten Hälfte wurde das Spiel ruppiger: Zwei Gelbe Karten für die Gäste (Rafael Götz, 84., und Claude Carrier, 89.) und in der Nachspielzeit sogar Rot für Benjamin Marley, der mit einem rustikalen Tritt an der Außenlinie wohl eher Rugby im Sinn hatte. "Ich hab den Ball gespielt", beteuerte Marley - und fügte nach kurzem Zögern hinzu: "Also zumindest irgendwie." Trainer Carsten Achenbach von Bystrc-Kninicky nahm’s mit Humor: "Wir wollten aggressiv spielen, aber nicht *so* aggressiv. Benjamin hat das wohl etwas zu wörtlich genommen." Trotzdem war er mit dem Auftritt seines Teams zufrieden: "Wir haben offensiv begonnen, wir haben früh getroffen, und danach war’s ein Kampf. Genau so gewinnst du Auswärtsspiele." Hradec versuchte in der zweiten Hälfte alles - König, Väyrynen und der junge Cerny prüften mehrfach Gäste-Keeper Ivan Ivic, der mit knapp 40 Jahren Ruhe und Reflexe eines Zen-Mönchs ausstrahlte. In der 79. Minute lenkte er einen satten Schuss von Cerny noch an die Latte, was Trainer Rinesch später als "den Moment, in dem ich innerlich mein Basecap zerbissen habe" beschrieb. Bystrc blieb seiner offensiven Grundhaltung treu, auch wenn die Beine schwer wurden. Noch in der 85. Minute zog der 34-jährige Jerome Simard aus 25 Metern ab - knapp vorbei, aber ein Statement: Hier wollte einer den Sieg nicht nur verwalten, sondern bestätigen. Als der Schlusspfiff ertönte, jubelten die Gäste ausgelassen. Juskic wurde von seinen Mitspielern gefeiert, als hätte er gerade ein Pokalfinale entschieden. "Zwei Tore sind schön", sagte er bescheiden, "aber drei wären besser gewesen." Die Zahlen unterstreichen den offenen Charakter der Partie: 13:10 Torschüsse für Bystrc, leichtes Ballbesitz-Plus für Hradec, Zweikampfquote 51 zu 49 zugunsten der Gäste. Unterm Strich aber zählt nur das Ergebnis - und das lautete 1:2 aus Sicht der Gastgeber. Rinesch kündigte an, "die Defensive genauer unter die Lupe zu nehmen". Achenbach hingegen lächelte, als er nach der Taktik gefragt wurde: "Offensiv ist das neue Defensiv", meinte er augenzwinkernd. So endete ein intensiver Auftaktspieltag, bei dem Bystrc-Kninicky den besseren Start erwischte, Hradec aber andeutete, dass noch mehr in ihm steckt. Und irgendwo auf der Tribüne fragte sich ein Fan beim Verlassen des Stadions: "Wenn das schon der erste Spieltag ist - was macht mein Herz dann am zehnten?" Fußball, du schöner Nervenkitzel. 30.05.643990 02:40 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack