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Wenn ein Fußballspiel zur Ein-Mann-Show wird, dann war meist ein gewisser Superstar am Werk. Doch am 10. Spieltag der 1. Liga Tschechien sorgte kein Weltstar, sondern ein 35-jähriger Dauerläufer aus Hradec Kralove für ein kleines Märchen: Darko Ergic erzielte gleich fünf Treffer beim 8:1-Heimsieg seines Teams gegen den FC Olomouc. "Ich wollte eigentlich früh raus, die Kinder schlafen sehen", grinste der Routinier nach Abpfiff, "aber dann ist mir der Ball einfach ständig vor die Füße gefallen." Vor 18.300 Zuschauern begann der Abend noch ganz normal - und für Olomouc sogar verheißungsvoll. In der 12. Minute schoss Tomas Kulic nach Vorarbeit von Michal Krejci die Gäste in Führung. Trainer Thomas Michael Rinesch, der Coach der Hausherren, soll in diesem Moment angeblich nur trocken gemurmelt haben: "Na gut, dann müssen wir eben ernst machen." Gesagt, getan: Drei Minuten später traf Ergic zum Ausgleich, und damit nahm das Unheil für Olomouc seinen Lauf. Nur eine Minute danach drehte Yisrael Assulin das Spiel, nachdem er einen Pass von Bernt Brandt eiskalt verwertete. Olomoucs Torwart Darko Trkulja blickte fassungslos in den Nachthimmel - und bekam keine Atempause. Xavi Martins erhöhte in der 20. Minute auf 3:1, bevor erneut Ergic (23.) den Halbzeitstand von 4:1 herstellte. Die Gäste wirkten konsterniert, obwohl sie laut Statistik gar nicht so chancenlos waren: 49 Prozent Ballbesitz, sechs Torschüsse - das klingt nach einem offenen Duell. Aber wer die Partie sah, merkte schnell: Hradec Kralove spielte mit einem Offensivdrang, der an jugendliche Übermütigkeit grenzte. 18 Torschüsse, davon acht im Netz - eine Effizienz, die jeden Datenanalysten in Ekstase versetzt. Nach der Pause wechselte Rinesch zweimal: der 31-jährige Dries Houziaux kam für den erst 17-jährigen Lubos Jablonsky, und Rechtsverteidiger Ignacio Quintana wich dem 19-jährigen Kevin Rieger. Der frische Wind trug sofort Früchte. In der 48. Minute traf Houziaux nach Vorlage von Emil Musiala zum 5:1 - und feierte mit einem Tänzchen, das selbst die gegnerische Bank kurz zum Schmunzeln brachte. Olomouc hingegen schien in der Defensive endgültig den Faden verloren zu haben. "Es war, als ob jeder Pass des Gegners magnetisch auf unser Tor zuging", stöhnte Verteidiger Ivan Hlinka später. Und wirklich: Darko Ergic machte weiter, als hätte er einen persönlichen Vertrag mit der Torlinie. In der 65. Minute vollendete er eine Vorlage von Xavi Martins, in der 68. einen feinen Pass von Brandt und in der 80. schließlich erneut nach Zuspiel von Martins. 8:1, das Publikum stand Kopf. Trainer Rinesch konnte sich das Lächeln kaum verkneifen: "Wir wollten offensiv spielen - aber dass die Jungs gleich so durchdrehen, hätte ich nicht gedacht." Seine Taktik war von Beginn an auf Angriff gebürstet: offensive Ausrichtung, aggressives Zweikampfverhalten, und laut Statistik eine Tackling-Quote von fast 55 Prozent - also nicht nur schön, sondern auch bissig. Auf der anderen Seite stand Olomouc-Trainer - der Name blieb an diesem Abend im Schatten - mit verschränkten Armen und wirkte, als zähle er innerlich schon die Busminuten bis zur Heimfahrt. Sein Team spielte laut Daten "balanced", also ausgeglichen, doch auf dem Platz war davon wenig zu sehen. Kein Pressing, kein Aufbäumen - vielleicht war es auch einfach einer dieser Abende, an denen alles schiefgeht. Nach dem Schlusspfiff ließ Ergic sich feiern, hob aber bescheiden die Hände: "Ohne meine Jungs wäre das nicht gegangen. Ich hab nur die Bälle reingemacht." Seine Mitspieler grinsten - vermutlich, weil sie genau wussten, dass er das ernst meinte und trotzdem den Spielball mit nach Hause nahm. Das Publikum in Hradec Kralove verabschiedete die Mannschaft mit stehenden Ovationen. Ein 8:1 sieht man nicht alle Tage - schon gar nicht mit einem Fünferpack eines 35-Jährigen, der eigentlich schon überlegt hatte, seine Karriere zu beenden. Nach diesem Abend dürfte er sich das noch einmal überlegen. Und Olomouc? Die Spieler schlichen wortlos vom Feld. "Wir haben ein Tor geschossen", murmelte Kulic, "das ist doch auch was." Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Vielleicht war es einfach ein Lehrstück in Sachen Spielfreude und Konsequenz. Vielleicht aber auch nur der Beweis, dass Fußball manchmal ganz einfach ist: Wer öfter aufs Tor schießt, gewinnt. Und wenn man Darko Ergic heißt, gewinnt man eben richtig. 07.06.2026 23:19 |
Sprücheklopfer
Zu 50 Prozent stehen wir im Viertelfinale, aber die halbe Miete ist das noch lange nicht!
Rudi Völler