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Ein kalter Februarabend in Hradec Kralove, Flutlicht, 26.161 Zuschauer, und ein Spiel, das genauso schwankte wie die Stimmung auf den Tribünen. Am Ende stand ein 2:2, das beiden irgendwie zu wenig und gleichzeitig zu viel war. Die Hausherren dominierten phasenweise, doch FK Tachov zeigte, dass auch Hartnäckigkeit eine Kunst ist - und dass man selbst mit weniger Ballbesitz (45,6 Prozent) viel Unruhe stiften kann. Schon in der 16. Minute rollte der erste Schock über das Všesportovní-Stadion. Radovan Lukes, der flinke Linksaußen der Gäste, nutzte die erste echte Gelegenheit und traf eiskalt nach Vorarbeit von Innenverteidiger Alois Hable. "Ich habe einfach mal draufgehalten", grinste Lukes später. "Der Trainer hatte gesagt, wir sollen mutiger schießen - also habe ich mich mal an den Rat gehalten." Doch Hradec ließ sich nicht lange bitten. Nur zehn Minuten später schob Callum Buchan nach feiner Vorarbeit von Antonio Albacar zum Ausgleich ein. Es war der Auftakt zur besten Phase der Hausherren. Trainer Thomas Michael Rinesch, sonst eher der stoische Typ, sprang an der Seitenlinie auf wie ein Mann, der gerade seine Steuererstattung bekommen hat. "Das war genau die Reaktion, die ich sehen wollte", sagte er später mit einem zufriedenen Nicken. Fünf Minuten später kippte das Spiel endgültig in Richtung Hradec: Nicolas Le Tallec, der bullige Mittelstürmer mit der Eleganz eines Presslufthammers, verwandelte nach klugem Zuspiel von Arto Väyrynen zur 2:1-Führung. Die Fans sangen, die Spieler grinsten, und Tachovs Abwehr wirkte kurz so wackelig wie ein Kartenhaus im Sturm. Doch Tachov blieb gefährlich. Jaroslav Wagner und Jorge Mascarenhas feuerten aus allen Lagen - insgesamt brachte Tachov 15 Schüsse aufs Tor, drei mehr als die Gastgeber. Kurz nach der Pause stellte Rinesch um: Martins kam für Rocha, Hannigan ersetzte Antonio in der Innenverteidigung. Ein riskanter Tausch, der zunächst Stabilität brachte. Dann aber kam die 65. Minute, und mit ihr der Moment des Abends. Mascarenhas, der bereits in der ersten Minute auf sich aufmerksam gemacht hatte, bekam den Ball von Jiri Kopic, drehte sich blitzschnell um die eigene Achse und knallte das Leder in den Winkel. 2:2 - und plötzlich war das Stadion still. "Ich habe in dem Moment gar nicht nachgedacht", sagte Mascarenhas später. "Das war einfach Instinkt - oder vielleicht Glück, wer weiß?" Die letzten 25 Minuten waren ein offener Schlagabtausch. Lionel Rocha prüfte Tachovs Torhüter Ctyroky gleich dreimal (54., 62., 67.), während auf der anderen Seite Jorge Mascarenhas in der Nachspielzeit noch einmal beinahe zur tragischen Figur geworden wäre: Sein Schuss in der 94. Minute zischte Millimeter über die Latte. "Ich dachte, der Ball sei schon drin", stöhnte Tachov-Trainer Lars Larsen nach Abpfiff. "Aber vielleicht war das einfach zu viel Hollywood." Statistisch war es ein Spiel auf hohem Niveau: 54 Prozent Ballbesitz für Hradec, 12:15 Torschüsse, viele Zweikämpfe an der Grenze des Erlaubten. Beide Teams spielten offensiv - laut den taktischen Daten standen sowohl Hradec als auch Tachov von Beginn an auf Angriff. Nur dass Tachov zum Schluss noch einmal das Pressing aufdrehte, während Hradec zunehmend auf Konter lauerte. "Wir wollten das 3:2, aber man darf die Nerven nicht verlieren", sagte Rinesch nachdenklich. "Unsere Jungs haben hart gearbeitet, aber Tachov hat clever reagiert." Lars Larsen grinste da schon wieder: "Ich nehme den Punkt. Wenn man zweimal auswärts trifft und am Ende noch Chancen auf den Sieg hat, darf man ruhig zufrieden sein." So blieb es beim 2:2, einem Ergebnis, das die Fans beider Lager wohl noch eine Weile diskutieren werden - der eine Teil frustriert, der andere erleichtert. Auf der Tribüne rief ein älterer Herr beim Verlassen des Stadions: "Wenn Hradec so weiterspielt, brauchen wir bald Herzschrittmacher!" Ein Spiel voller Tempo, Emotion und wechselnder Dominanz - und ein Ergebnis, das vermutlich beiden Trainern die Nacht verkürzt. Aber für die Zuschauer war’s ein Fest: Tore, Dramatik, und das Gefühl, dass Fußball manchmal einfach gerecht sein kann. Nur ein bisschen sarkastisch vielleicht. 13.04.643990 16:55 |
Sprücheklopfer
Man darf über ihn jetzt nicht das Knie brechen.
Rudi Völler