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Es gibt Fußballabende, an denen man sich fragt, ob das Tor vielleicht magnetisch geladen ist - allerdings nur für eine Mannschaft. Am Freitagabend in Benesov war es Hradec Kralove, das den Ball scheinbar mit unsichtbaren Kräften ins Netz zog. 7:1 hieß es am Ende für die Gäste. Und wer das Ergebnis nicht glauben mag, dem sei versichert: Es war sogar noch schmeichelhaft für die Hausherren. Dabei fing alles so hoffnungsvoll an. Gerade fünf Minuten waren gespielt, da jubelte das Stadion: Jose Dominguez, der flinke Rechtsaußen von SK Benesov, vollendete nach Vorarbeit von Faik Cakmak zum 1:0. 20.000 Zuschauer schrien sich die Kehlen heiser, die Tribünen bebten - und vielleicht dachte der eine oder andere: Heute wird’s unser Abend! Dachte man. Denn dann kam Darko Ergic. Der 34-jährige Linksaußen von Hradec Kralove hatte offenbar beschlossen, dass er keine Zeit für Sentimentalitäten hat. In der 21. Minute glich er aus, in der 35. legte er nach - beide Male eiskalt, beide Male so präzise, dass Benesovs Keeper Dimas Salvadorez eher wie ein erstaunter Zuschauer wirkte. "Ich hab den Ball nur gehört, nicht gesehen", sagte der Torhüter später mit einem gequälten Lächeln. Als wäre das nicht genug, erhöhte Guy König kurz vor der Pause (43.) - nach traumhafter Vorarbeit von Bernt Brandt - auf 3:1. Zur Halbzeit konnte man das Gefühl haben, dass Kralove im Schongang führt. Und das war vermutlich auch so. Trainer Thomas Michael Rinesch blieb in der Kabine erstaunlich ruhig. "Ich hab den Jungs gesagt: Bleibt hungrig, aber esst nicht zu viel auf einmal", grinste er später in die Kameras. Die Mannschaft nahm ihn wörtlich - und servierte Benesov in der zweiten Hälfte einen kalorienreichen Fußball-Schmaus. 55. Minute: Leon Kaiser trifft nach Pass von Brandt zum 4:1. 74. Minute: wieder König, diesmal nach Vorlage von Xavi Martins - 5:1. Dann, als Benesov nur noch betete, dass der Schlusspfiff bald erlöse, schlug König doppelt zu: in der 84. und 86. Minute, jeweils nach feiner Vorarbeit von Brandt und Ferreira. Ein lupenreiner Hattrick in der zweiten Halbzeit - der Mann spielte, als hätte er eine Wette am Laufen. "Ich wollte einfach Spaß haben", sagte Guy König nach dem Spiel, während er den Ball unter den Arm klemmte. "Ich hoffe, Benesov sieht das auch so." Sarkasmus oder Sportsgeist - man war sich nicht ganz sicher. Benesov hatte zwar 54 Prozent Ballbesitz, aber das war, als hielte ein Tourist in der Wüste eine Wasserflasche - schön anzusehen, aber letztlich nutzlos. 9 Torschüsse standen 14 von Hradec Kralove gegenüber, doch die Gäste machten aus fast jedem Versuch eine Waffe. Ihre Offensive? Ein Feuerwerk. Ihre Defensive? Kaum gefordert. Der heimische Trainer - dessen Name vom Verein dezent verschwiegen wurde - stand nach Abpfiff sichtlich ratlos an der Seitenlinie. "Wir hatten eigentlich alles im Griff, bis das Spiel begann", murmelte er. Sein Linksverteidiger Noe Agirre, der nach einer Gelben Karte in der 54. Minute sichtlich bedient war, ergänzte: "Manchmal läuft’s einfach gegen dich. Und dann läuft’s weiter. Und weiter." Treffender hätte man das 1:7 kaum zusammenfassen können. Taktisch zeigte sich Benesov lange ausgewogen, während Kralove kompromisslos offensiv agierte. Kein Pressing, kein Zögern - einfach stürmen, schießen, treffen. Vielleicht war das die einfachste Taktikformel des Abends. Als der Schiedsrichter endlich abpfiff, applaudierten auch viele Heimfans den Gästen. Nicht aus Freude, sondern aus Respekt - und vielleicht ein bisschen, weil man irgendwann einfach aufhören muss, sich zu ärgern. Rinesch, der Trainer von Hradec Kralove, brachte es auf den Punkt: "Wir waren heute gierig. Und ehrlich gesagt, ich mag gierige Spieler." Das Publikum verabschiedete sich mit gemischten Gefühlen: zwischen Verzweiflung, Galgenhumor und der Hoffnung, dass das nächste Heimspiel weniger spektakulär wird - zumindest für die Gegenseite. Und irgendwo im Kabinengang war zu hören, wie ein Betreuer von Benesov flüsterte: "Wenn man sieben Stück kriegt, kann man wenigstens sagen, dass man Geschichte geschrieben hat." Vielleicht stimmt das. Nur leider schreibt Geschichte selten die Seite, die 1:7 verliert. 24.04.2026 21:19 |
Sprücheklopfer
Zu 50 Prozent stehen wir im Viertelfinale, aber die halbe Miete ist das noch lange nicht!
Rudi Völler