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Es war ein Winterabend, der in Hradec Kralove wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird. Unter Flutlicht und vor stolzen 24.479 Zuschauern verwandelte sich das Všesportovní-Stadion am 13. Spieltag der 1. Liga Tschechien in eine Bühne für 45 Minuten Glanz und 45 Minuten Chaos. Am Ende stand ein 3:2-Sieg für Hradec Kralove - ein Ergebnis, das so nüchtern aussieht, wie es das Spiel nicht war. "Wir hatten das Ding zur Pause eigentlich schon eingetütet", knurrte Heimtrainer Thomas Michael Rinesch mit einem Blick, der zwischen Erleichterung und Fassungslosigkeit schwankte. "Und dann dachten die Jungs wohl, Kaffee und Kuchen gibt’s schon in der Kabine." Tatsächlich führte seine Mannschaft nach einer halben Stunde bereits mit 3:0 - und das völlig verdient. Kian Cromwell eröffnete in der 26. Minute das Feuerwerk: nach Vorlage von Miroslav Rukavina tanzte er den Verteidiger aus und schlenzte den Ball unhaltbar ins lange Eck. Sechs Minuten später durfte Rukavina erneut assistieren - diesmal für Antonio Garcia, der den Ball humorlos unter die Latte knallte. Und kaum hatte sich SK Hlavice vom Schock erholt, zirkelte Vicente Zorrilla in der 34. Minute nach feinem Zuspiel von Zivojin Despotovic das 3:0. Drei Tore in acht Minuten - Hradec spielte wie im Rausch, Hlavice stand wie ein Statist in einem spanischen Stierkampf. "Ich sagte in der Halbzeit nur: Wenn wir jetzt aufhören zu spielen, wird’s peinlich", verriet Gästecoach Egon Tor später mit einem bitteren Lächeln. Und siehe da: Seine Mannschaft nahm das offenbar als Drohung. In der zweiten Halbzeit kam SK Hlavice mit einer Mischung aus Wut und Stolz zurück aufs Feld. Patrik Chlup zog die Fäden im Mittelfeld, Roman Bednar rannte, als hinge seine Karriere davon ab, und Vaclav Kula schnürte sich die Schuhe noch einmal fester. In der 68. Minute dann der Lohn: Bednar verwandelte Chlups Vorlage eiskalt zum 3:1. Nur vier Minuten später drehten die Gäste endgültig auf - diesmal war Bednar der Vorbereiter und Kula traf aus kurzer Distanz. Plötzlich wackelte Hradec Kralove, das zuvor so souverän gewirkt hatte, wie ein Möbelstück vom Flohmarkt. "Wir waren kurz davor, uns selbst zu besiegen", gab Rinesch später offen zu. Während die Gäste auf den Ausgleich drängten - 12 Torschüsse insgesamt sprechen eine deutliche Sprache - verlegte sich Hradec auf das, was man freundlich "Verwaltung" nennen könnte. Antonio Garcia prüfte in der 91. Minute noch einmal den gegnerischen Torhüter Milan Drizdal, ansonsten war die zweite Halbzeit ein einziger Prüfstand für die Nerven der Heimfans. "Wenn das noch fünf Minuten länger geht, holen die uns ein", meinte ein Zuschauer kopfschüttelnd auf der Tribüne, während er sich den Schal enger zog. Statistisch gesehen war das Spiel fast ausgeglichen: 53 Prozent Ballbesitz für Hradec, 47 für Hlavice, 15 zu 12 Torschüsse - ein knapper Vorsprung, der aber vor allem in der ersten Halbzeit entstand. Die Zweikämpfe verliefen mit 50,6 zu 49,4 Prozent fast symmetrisch, doch was auf dem Papier ausgeglichen aussieht, fühlte sich auf dem Rasen wie ein Drama in zwei Akten an. In der 92. Minute sah dann auch noch Nael Meireles Gelb - wohl aus Frust über die eigene Passivität, vielleicht auch, weil er einfach mal wieder wahrgenommen werden wollte. "Ich wollte nur zeigen, dass ich noch da bin", sagte er später mit einem Grinsen. Das Publikum quittierte es mit einem Raunen, das irgendwo zwischen Humor und Nervenzusammenbruch lag. Am Ende blieb es beim 3:2 - ein Ergebnis, das Hradec Kralove in der Tabelle festigt, aber wohl niemanden wirklich beruhigt hat. "Das war ein Sieg mit Fragezeichen", brummte Rinesch auf der Pressekonferenz, während Egon Tor bemerkte: "Wenn wir die erste Halbzeit streichen könnten, wären wir heute Helden." Ganz Unrecht hatte er nicht. Denn Hlavice bewies Moral, Tempo und Herzblut - Tugenden, die man in den ersten 45 Minuten schmerzlich vermisst hatte. Dafür gab’s in den letzten Minuten fast Dauerpressing, drei frische junge Spieler in der 88. Minute und das Gefühl, dass man mit etwas mehr Glück vielleicht doch noch einen Punkt hätte mitnehmen können. Und so ging ein Abend zu Ende, an dem Hradec Kralove kämpfte, zitterte und schließlich gewann - während SK Hlavice zeigte, dass man auch in der Niederlage Größe beweisen kann. Oder, wie Zorrilla es später formulierte: "Wir haben gewonnen - aber niemand hat wirklich gefeiert. Vielleicht, weil wir wissen, dass Fußball auch Demut lehrt." Fazit: Drei Punkte für Hradec, zwei graue Haare mehr für Trainer Rinesch, und jede Menge Gesprächsstoff für die Kneipen in Kralove. 07.06.643987 00:28 |
Sprücheklopfer
Der Vorteil von Trainern wie Branko Zebec und Ernst Happel war ihre kuriose Sprache. Die Spieler mussten sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.
Felix Magath