// Startseite
| Sportovni Noviny |
| +++ Sportzeitung für Tschechien +++ |
|
|
|
Es war ein Pokalabend, wie ihn sich die 16.000 Zuschauer im kleinen Stadion von Varnsdorf wohl anders vorgestellt hatten. Statt eines beherzten Abends mit Pokalwunder-Vibes bekamen sie eine Lehrstunde in moderner Angriffslust serviert - unterzeichnet von Hradec Kralove, das mit einem deutlichen 3:0 ins Halbfinale marschierte. Schon in den ersten Minuten war klar, dass die Gäste keine Lust auf Pokalromantik hatten. Kian Cromwell prüfte den Heimkeeper Tomas David bereits nach zwei Minuten, und wer dachte, das sei ein Warnschuss, lag goldrichtig. Hradec kombinierte, presste und spielte, als habe Trainer Thomas Michael Rinesch ihnen vor dem Anpfiff verboten, den Ball länger als drei Sekunden in den eigenen Reihen zu behalten. "Wir wollten Varnsdorf gar nicht erst atmen lassen", grinste Rinesch später - halb stolz, halb verschwitzt. Slovan Varnsdorf dagegen wirkte wie ein Schüler, der das falsche Kapitel fürs Examen gelernt hat. Nur einmal in der ersten Halbzeit gelang ihnen ein Schuss aufs Tor - in der 19. Minute durch den jungen Martin Berger. Danach? Nichts als Verteidigungsarbeit und Stoßgebete. In der 24. Minute fiel die logische Konsequenz: Mirko Smolarek, Dreh- und Angelpunkt im Mittelfeld der Gäste, zog aus 18 Metern ab - und traf. Zuvor hatte Nael Meireles ihm den Ball so mustergültig serviert, dass selbst die Linienrichter kurz applaudierten (innerlich, versteht sich). 0:1 - und das war eher schmeichelhaft für Varnsdorf. Nach der Pause änderte sich wenig. Hradec blieb offensiv, Slovan blieb defensiv - und das Publikum blieb hoffnungsvoll. "Ich hab nach dem zweiten Gegentor noch versucht zu klatschen", murmelte ein Fan in der dritten Reihe, "aber meine Hände waren schon müde." Das zweite Tor fiel in der 86. Minute. Antonio Garcia, der schon das ganze Spiel über mit den Abwehrspielern der Gastgeber Verstecken gespielt hatte, netzte nach Vorlage von Smolarek eiskalt ein. Zwei Minuten später machte Meireles selbst den Deckel drauf - dieses Mal mit Unterstützung von Zivojin Despotovic. 0:3, und Trainer Rinesch konnte sich erstmals an diesem Abend zurücklehnen. "Wir hätten vielleicht noch mehr machen können", sagte er mit einem Schulterzucken, "aber dann wäre das Bier danach zu warm geworden." Varnsdorfs Trainer - der Name blieb an diesem Abend in den Schatten des Ergebnisses - wirkte nach dem Abpfiff bemüht gefasst. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte er mit einem Blick, der verriet, dass das Wort "kompakt" ab sofort aus seinem Vokabular gestrichen wird. "Aber wenn du 17 Torschüsse zulässt, ist Kompaktheit wohl relativ." Die Statistik sprach ohnehin Bände: 17 Schüsse aufs Tor für Hradec, ein einziger für Slovan. 54 Prozent Ballbesitz für die Gäste, 46 für die Heimelf - und eine Zweikampfquote, die ebenfalls klar an die Gäste ging (59 Prozent). Der Unterschied lag weniger in der Laufbereitschaft, als vielmehr im Glauben an die eigene Idee. Während Hradec mit offensiver Ausrichtung, aggressivem Pressing und unermüdlichem Vorwärtsdrang auftrat, blieb Varnsdorf in seiner "ausgewogenen" Taktik gefangen - ein Euphemismus für Harmlosigkeit an diesem Abend. Ein kleiner Trost für die Gastgeber: Torhüter Tomas David verhinderte mit mehreren Glanzparaden ein Debakel. "Wenn ich jedes Mal ein Bier bekäme, wenn ich den Ball halte, wäre ich jetzt betrunken", sagte er lachend - und hatte damit wohl den sympathischsten Satz des Abends geliefert. Für Hradec Kralove hingegen war es ein Abend der Effizienz. Kein Elfmeterschießen, keine Zitternummer, einfach ein souveräner Auftritt. Smolarek, Garcia und Meireles - drei Namen, die in Varnsdorf wohl noch eine Weile Albträume auslösen werden. Oder wie es ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions formulierte: "Die waren einfach besser. Punkt." Im Halbfinale wartet nun ein Gegner von anderem Kaliber, doch wer so spielt wie Hradec an diesem eiskalten Januarabend, der darf leise von mehr träumen. Vielleicht sogar vom Pokal selbst. Und Varnsdorf? Die müssen sich erst mal von dieser Lehrstunde erholen - und vielleicht daran arbeiten, dass "SURE"-Schussverhalten nicht bedeutet, dass man sicher gar nicht schießt. 15.11.643987 08:00 |
Sprücheklopfer
Da müssten wir uns aber lange unterhalten jetzt.
Oliver Kahn auf die Frage nach den Defiziten der deutschen Nationalmannschaft