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Ein kalter Januarabend, Flutlicht über Caslav, 12.500 Zuschauer, die sich warm klatschen - und am Ende zwei Tore, die Sparta Caslav noch lange verfolgen dürften. Beim 0:2 gegen Hradec Kralove zeigte sich einmal mehr, dass Ballbesitz zwar schön ist, Tore aber die Punkte bringen. Dabei begann alles gar nicht so schlecht für die Hausherren. Trainerbank, Tribüne, Bratwurststand - überall glaubte man in den ersten Minuten an eine kleine Sensation. Caslav hielt ordentlich dagegen, hatte knapp 48 Prozent Ballbesitz und ließ zunächst kaum etwas zu. Doch wer die Statistik kennt, weiß: Wenn Hradec Kralove einmal ins Rollen kommt, dann mit der Wucht eines tschechischen Schnellzugs. 14 Torschüsse gaben die Gäste am Ende ab - Caslav ganze drei. "Wir haben das Spiel kontrolliert", erklärte Hradecs Trainer Thomas Michael Rinesch nach dem Abpfiff mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Zufriedenheit und milder Schadenfreude lag. "Unsere Jungs wissen, wann sie zubeißen müssen." Genau das taten sie - zweimal in der zweiten Halbzeit, eiskalt und effizient. Die erste Halbzeit war eine Mischung aus Geduldsspiel und Geduldsprobe. Hradec drückte offensiv, Vicente Zorrilla prüfte Caslav-Keeper Martin Pikl schon früh mit einem Schuss aus zwölf Metern (12.). Doch Pikl fischte den Ball mit einer Parade, die an einen Volleyball-Libero erinnerte, aus der Luft. Caslav konterte zaghaft, Marcos Alonso schoss in der 20. Minute erstmals aufs Tor - allerdings so, dass der Ball wohl noch heute unterwegs wäre, hätte ihn nicht ein Zaungast gefangen. Kurz vor der Pause wurde es ruppiger. Filip Kolomaznik sah Gelb (39.) nach einem rustikalen Einsteigen, das man in Caslav wohl als "Zeichen setzen" bezeichnet. Zwei Minuten später revanchierte sich Hradecs junger Innenverteidiger Taylor Hannigan mit einer ebenso gelben Grätsche. Der Halbzeitpfiff kam wie eine Erlösung für beide Teams - und für die Finger der frierenden Zuschauer. Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Drehbuch schlagartig. Rinesch wechselte doppelt, brachte Joseph Bedard und Miroslav Rukavina - und plötzlich lief der Ball bei Hradec wie geschmiert. In der 51. Minute bediente Nevio Xavier seinen Stürmer Vicente Zorrilla mit einem Pass in den Strafraum, der so präzise war, dass man meinen konnte, er habe GPS-Unterstützung. Zorrilla blieb cool, schob ein - 0:1. Caslav wirkte geschockt, reagierte aber nicht panisch. Traineranweisungen hallten über den Platz: "Ruhig bleiben!" - "Den Ball laufen lassen!" - "Nicht wieder so!" Doch ehe sie sich sortieren konnten, klingelte es erneut. In der 62. Minute war es Kian Cromwell, der nach erneutem Zuspiel von Xavier zum 0:2 traf. "Ich musste nur noch den Fuß hinhalten", grinste Cromwell später. "Aber genau das ist ja oft das Schwierigste." Sparta Caslav versuchte danach, die Ordnung zu finden, die längst in Einzelteile zerfallen war. Alonso und Kolomaznik hatten in der Schlussphase zwei Halbchancen (77., 78.), die mehr Hoffnung als Gefahr versprühten. Kolomaznik fasste sich nach einem verzogenen Schuss in die Haare und murmelte: "Das war wohl der falsche Fuß - oder der falsche Abend." In der 81. Minute wurde es bitter: Linksverteidiger Jiri Galasek verletzte sich und musste ausgewechselt werden. "Das passt zum Spiel", seufzte Caslavs Co-Trainer am Spielfeldrand, "erst Pech im Abschluss, dann Pech im Bein." Hradec spielte das Ergebnis souverän herunter, verteidigte mit Erfahrung und gelegentlicher Härte - Bedard sah in der 87. Minute noch Gelb, was ihn allerdings kaum störte. "Wenn du führst, darfst du auch mal zwicken", kommentierte er später augenzwinkernd. Als Schiedsrichter Novak abpfiff, applaudierte das Publikum trotzdem. Vielleicht, weil sie wussten, dass Caslav gekämpft hatte. Vielleicht auch, weil das Bier mittlerweile leer war. "Wir müssen aus unseren Chancen mehr machen", knurrte ein sichtlich genervter Caslav-Kapitän Giovanni Di Marco in der Mixed Zone. "Drei Schüsse aufs Tor sind keine Bilanz, sondern eine Drohung für nächste Woche." Hradec hingegen reist mit breiter Brust weiter. Zwei Tore, drei Punkte, keine Diskussion. Trainer Rinesch brachte es auf den Punkt: "Wir spielen offensiv, aber mit Köpfchen. Und manchmal reicht das schon, um ein Spiel zu gewinnen." Caslav dagegen bleibt nach diesem 0:2 auf der Suche nach sich selbst - und vielleicht nach einem Stürmer, der das Tor nicht nur auf dem Trainingsplan findet. Ein Abend, der zeigte: Statistiken lügen nie, aber sie trösten auch nicht. 07.09.643987 23:03 |
Sprücheklopfer
Wenn ich heute Kapitän bin und das Schiff sinkt, alle müssen helfen, dann kann doch der Koch nicht kommen und sagen: 'Ich kann nur die Bratpfanne halten.'
Otto Rehhagel