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Es war ein frostiger Januarabend in Olomouc, aber auf dem Rasen der Andrův stadion glühte der Boden. 16.000 Zuschauer sahen am 28. Spieltag der 1. Liga Tschechien ein Spektakel, das den neutralen Beobachter begeisterte - und die Heimfans ratlos zurückließ. Am Ende hieß es 2:4 aus Sicht des FC Olomouc, der gegen ein kompromisslos offensives Hradec Kralove nie richtig ins Spiel fand. Schon die ersten Minuten zeigten, wohin die Reise gehen würde. In der 11. Minute prüfte Nicolas Le Tallec erst den Heimtorwart Darko Trkulja mit einem satten Schuss - Sekunden später zappelte der Ball nach einem Pass von Zdeněk Černý im Netz. 0:1, und auf der Trainerbank der Gäste grinste Thomas Michael Rinesch wie jemand, der wusste, dass das erst der Anfang war. "Wir wollten sie früh schocken", sagte er später mit einem Schulterzucken. "Das hat geklappt." Olomouc, das nominell etwas mehr Ballbesitz hatte (52,8 %), wirkte nach der frühen kalten Dusche nervös. Ein Lattentreffer von Matthew Lujan (14.) brachte kurz Hoffnung, doch es dauerte bis zur 33. Minute, ehe die Fans jubeln durften. Der 19-jährige Carl Gelmírez, wieselflink und unbeeindruckt vom Rückstand, verwandelte eine Flanke von Radovan Krejčí zum 1:1. Der Stadionsprecher hatte kaum den Namen zu Ende gerufen, da rollte die nächste Angriffswelle der Gäste. Antonio Albacar, erst 23, aber mit der Coolness eines Routiniers, zog in der 44. Minute aus der zweiten Reihe ab - 1:2. Und weil Hradec Kralove offenbar beschlossen hatte, dass Halbzeitpausen überbewertet sind, legte Callum Buchan nur eine Minute später das 1:3 nach. Le Tallec hatte den Angriff eingeleitet, und Buchan vollendete eiskalt. "Da haben wir kurz wie im Training gespielt", grinste Buchan später, während er sich den gelben Karton aus der 90. Minute schönredete: "Ich wollte doch nur den Ball." Der zweite Durchgang begann mit zwei Wechseln bei Hradec: Carlos Antonio und Lionel Rocha kamen - frische Beine für ein Team, das ohnehin kaum müde wirkte. Olomouc dagegen kämpfte sich mit jugendlichem Elan zurück. In der 57. Minute traf der 18-jährige Miroslav Blazek nach perfekter Vorarbeit von Lujan zum 2:3 - und plötzlich roch alles nach einer Aufholjagd. "Da dachten wir, das kippt jetzt", meinte Olomouc-Kapitän Ivan Hlinka. "Aber dann haben wir wieder zu viel gedacht." Denn Hradec Kralove blieb unbeeindruckt. In der 73. Minute leitete der eingewechselte Rocha einen Angriff über rechts ein, Nael Meireles stand goldrichtig und schob zum 2:4 ein. Das war der endgültige Genickschlag für Olomouc. Danach verwalteten die Gäste das Ergebnis souverän, auch wenn sich Verteidiger Carlos Antonio (88.) und Doppeltorschütze Buchan (90.) noch jeweils Gelb abholten - offenbar wollte man wenigstens in der Statistik gleichmäßig auffallen. Statistisch gesehen war das Spiel erstaunlich ausgeglichen: 7 Torschüsse für Olomouc, 10 für Hradec; Ballbesitz leicht bei den Hausherren, Zweikampfquote leicht bei den Gästen. Aber die Zahlen erzählen nur die halbe Wahrheit. Während Olomouc auf "sichere Chancen" lauerte, wie es die taktische Ausrichtung verriet, schoss Hradec "jederzeit aus allen Lagen" - und genau das machte den Unterschied. Trainer Rinesch brachte es nach Abpfiff trocken auf den Punkt: "Wir spielen lieber nach vorne als quer. Tore sehen einfach besser aus als Pässe." Sein Gegenüber - der Olomoucer Coach, der nach dem Spiel lange in den Katakomben blieb und sich nicht zur Taktik äußern wollte - meinte schließlich nur: "Manchmal ist der Gegner einfach wacher. Heute waren sie wacher, schneller und - leider - besser." Das Publikum verabschiedete die eigene Mannschaft mit höflichem Applaus, ein paar pfiffen, die meisten froren einfach zu sehr für Emotionen. Und doch war da dieses Gefühl: Olomouc hat eine junge Truppe, die lernen wird. Vielleicht sogar aus Spielen wie diesem, in dem man vier Tore kassiert und trotzdem nicht schlecht aussah. Hradec Kralove dagegen setzte mit diesem 4:2 ein Ausrufezeichen im Kampf um die oberen Tabellenplätze. Wenn sie so weitermachen, könnte man in Kralove bald wieder von Europa träumen. Und falls jemand fragt, wie man auswärts vier Tore schießt - Thomas Michael Rinesch würde wohl sagen: "Ganz einfach - man schießt halt aufs Tor." Ein kalter Abend, heiße Füße und ein Ergebnis, das noch lange nachglühen wird. Olomouc wird sich schütteln, Hradec wird feiern. Und wir Journalisten? Wir freuen uns heimlich über Spiele, über die es wirklich etwas zu schreiben gibt. 09.12.643987 05:14 |
Sprücheklopfer
Schiedsrichter kommt für mich nicht in Frage, schon eher etwas, das mit Fußball zu tun hat.
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