// Startseite
| Sportovni Noviny |
| +++ Sportzeitung für Tschechien +++ |
|
|
|
Es gibt Spiele, die man so schnell nicht vergisst - und dann gibt es jene, die man am liebsten sofort vergessen möchte. Für FK Mutenice dürfte der 26. Spieltag der 1. Liga Tschechien eindeutig zur zweiten Kategorie gehören. Vor 20.000 Zuschauern im heimischen Stadion wurde das Team von Hradec Kralove regelrecht überrollt. 2:8 stand am Ende auf der Anzeigetafel - ein Ergebnis, das so deutlich war, dass selbst der Stadionsprecher bei der Verkündung kurz stockte. Dabei fing alles so harmlos an. Mutenice hatte sogar mehr Ballbesitz (51,8 %), spielte ruhig, bedacht, fast schon vorsichtig - zu vorsichtig, wie sich herausstellen sollte. Denn Hradec Kralove kam mit einer klaren Botschaft: Wir sind nicht zum Tee trinken hier. Offensiv, aggressiv, unermüdlich - das Team von Trainer Thomas Michael Rinesch presste, kombinierte und schoss, als gäbe es kein Morgen. Bereits in der 5. Minute klingelte es zum ersten Mal: Nevio Xavier traf nach Zuspiel von Jaime Nani - und das war nur der Anfang eines Abends, der für die Heimmannschaft zur sportlichen Therapie werden sollte. "Nach fünf Minuten wusste ich, dass das kein gemütlicher Abend wird", seufzte Mutenices Torwart Petr Hubnik später mit einem gequälten Lächeln. In der 24. Minute erhöhte dann Nani selbst, nach Vorarbeit von Xavi Martins, auf 0:2. Das Publikum schwankte zwischen Unglauben und Galgenhumor. "Wir wollten eigentlich defensiv stehen", erklärte ein Mutenice-Fan auf der Tribüne. "Aber offenbar hat die Mannschaft das als ’stehen bleiben’ verstanden." Kurz darauf, in der 28. Minute, keimte kurz Hoffnung auf: Patrik Petr traf für Mutenice, nach schöner Vorarbeit von Andre Neman. Ein Raunen ging durchs Stadion - vielleicht doch noch alles offen? Leider nein. Nur acht Minuten später stellte Vicente Zorrilla für Kralove den alten Abstand wieder her, und in der 37. Minute sorgte Antonio Garcia mit seinem ersten Treffer für das 1:4. Nach der Pause hatte Mutenice tatsächlich einen guten Moment: Rechtsverteidiger Robert Schiller traf in der 55. Minute zum 2:4, nach einem beherzten Antritt von Jakub Lukes. Trainer Rinesch amüsiert: "Da dachte ich kurz, meine Jungs wollten’s nochmal spannend machen. Zum Glück haben sie’s sich anders überlegt." Denn was dann folgte, war ein Offensivfeuerwerk, das in seiner Konsequenz fast brutal wirkte. In der 56. Minute Kian Cromwell, in der 59. Xavi Martins, in der 71. Lionel Rocha - und schließlich in der 79. erneut Antonio Garcia. Vier Tore in gut zwanzig Minuten. 8:2. Das Publikum quittierte es mit einem ironischen "Olé" bei jedem gelungenen Pass der Gäste. "Wir haben den Ball, sie die Tore", fasste Mutenice-Kapitän Jan Kula nach dem Abpfiff trocken zusammen. Und tatsächlich: Trotz leichtem Ballbesitzvorteil kam Mutenice nur auf sechs Torschüsse, während Hradec Kralove ganze zwanzig Mal gefährlich abschloss. Der Unterschied lag weniger in der Quantität der Chancen, sondern in deren Verwertung: Wo Mutenice zauderte, schoss Kralove einfach drauf - Anytime, wie ihre Taktik verriet. Einziger kleiner Schönheitsfehler im ansonsten makellosen Auftritt der Gäste: Jack Lujan sah in der 89. Minute noch Gelb, vielleicht aus Langeweile. "Er wollte wenigstens auch mal in den Spielbericht", kommentierte Coach Rinesch mit einem Augenzwinkern. Nach dem Schlusspfiff applaudierten selbst einige Heimfans den Gästen. So viel Spielfreude, so viel Zielstrebigkeit, so viel... Leid für Mutenice. In der Kabine soll Trainer Rinesch seine Mannschaft mit den Worten empfangen haben: "Jungs, das war kein Spiel - das war ein Statement." Mutenices Trainer wollte sich dagegen gar nicht erst äußern, ließ aber durchblicken, dass man "die Defensive neu denken" müsse. Man darf gespannt sein, wie dieses "Neudenken" aussieht - vielleicht fängt es ja damit an, dass man den Gegner nicht ständig zum Torabschluss einlädt. Am Ende bleibt ein denkwürdiger Abend: Hradec Kralove, offensiv wie ein Orkan, Mutenice, tapfer, aber chancenlos. Der Ballbesitz mag in den Statistiken trösten, das Ergebnis spricht eine andere Sprache. Und wer weiß - vielleicht hängt Hubnik das Trikot dieses Spiels zu Hause auf. Als Mahnung. Oder als Witz. Je nachdem, wie man’s nimmt. 16.11.643987 00:42 |
Sprücheklopfer
Hoch gwinnen wern ma nimma.
Toni Polster in der Halbzeitpause des Länderspiels Spanien gegen Österreich beim Spielstand von 5:0 (Endstand 9:0 für Spanien)