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Ein kalter Januarsamstag, Flutlicht, 21.211 Zuschauer im Stadion von Hradec Kralove - und ein Spiel, das mehr Drama bot, als es das nüchterne 1:0-Endergebnis vermuten lässt. Am 11. Spieltag der 1. Liga Tschechien besiegte Hradec Kralove den FC Olomouc dank eines Treffers des 19-jährigen Zdenek Cerny in der 31. Minute. Ein Tor, das so leichtfüßig daherkam, als hätte man es im Jugendfußball gesehen - und das am Ende den Unterschied machte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Cerny nach dem Spiel, während er noch immer mit aufgerissenen Augen auf den Videowürfel starrte, der sein Tor in Dauerschleife zeigte. "Nevio hat den Ball perfekt durchgesteckt, und ich dachte mir: Wenn ich’s jetzt nicht mache, dann fragt mich Montag keiner mehr." Sein Trainer Thomas Michael Rinesch nickte zufrieden und ergänzte trocken: "Das war jugendlicher Leichtsinn mit positiver Nebenwirkung." Dabei begann das Spiel alles andere als leichtfüßig. Olomouc startete mutig, hatte durch Bruno Anderson bereits in der 5. Minute den ersten gefährlichen Abschluss - doch Torwart Claude Gaudin war hellwach. Danach übernahm die Heimelf Schritt für Schritt die Kontrolle, ohne je den Eindruck zu erwecken, wirklich die Kontrolle haben zu wollen. 49 Prozent Ballbesitz - also fast gleichauf - aber 17 Torschüsse zu vier sprechen eine deutliche Sprache: Hradec war effizient, Olomouc höflich. In der 24. und 27. Minute testete Nicolas Le Tallec vergeblich die Reflexe von Gästekeeper Eray Eris, der allerdings alles andere als ein ruhiger Abend hatte. "Ich wusste gar nicht, dass man so oft fliegen kann, ohne Punkte zu holen", scherzte Eris später. Auch Callum Buchan und Stefanos Kalitzakis reihten sich in die Schützenliste der Chancenverwertung ein - allerdings ohne Erfolg. Dann kam Minute 31: Nevio Xavier zog auf rechts an, legte scharf in die Mitte, und Zdenek Cerny setzte den Ball mit einem präzisen Linksschuss ins lange Eck. Kein Zufall, sondern ein Lehrbuchkonter ohne Lehrbuch. Das Stadion bebte, die Fans sangen, und Trainer Rinesch winkte lässig ab, als hätte er genau das geplant. Olomouc, etwas konsterniert, reagierte mit einer Gelben Karte: Der 18-jährige Miroslav Blazek trat einmal zu beherzt zu (29.), was man ihm wohl als jugendliche Ungeduld durchgehen lassen könnte. Doch wirklich gefährlich wurde es für Hradec nur selten. Vier Torschüsse in 90 Minuten - das ist in etwa so, als würde man in einer Eisdiele vier Sorten probieren und keine mögen. In der zweiten Halbzeit änderte sich das Bild kaum. Hradec blieb vorne aktiv, Le Tallec (52., 68.) und Kalitzakis (56., 64., 67.) feuerten, was das Leder hergab. Doch der Ball wollte nicht mehr rein. "Vielleicht dachten wir, ein Tor reicht", meinte Kalitzakis mit einem Augenzwinkern. Dann, in der 75. Minute, sorgte Innenverteidiger Taylor Hannigan für den wohl lautesten Aufschrei des Abends - allerdings nicht mit einem Tor, sondern mit einem Tritt, der mehr nach Rugby als nach Fußball aussah. Die Rote Karte war konsequent, und Hradec musste die letzten 15 Minuten in Unterzahl überstehen. "Ich hab den Ball gesehen, nur leider nicht getroffen", rechtfertigte sich Hannigan halb lachend, halb betreten. Olomouc witterte seine Chance, doch selbst mit einem Mann mehr blieb der Druck überschaubar. Drei harmlose Schüsse (49., 51., 74.) waren die magere Ausbeute. "Wir haben vergessen, dass man Tore schießen muss, um zu gewinnen", fasste Olomouc-Kapitän David Baros das Dilemma zusammen. Statistisch könnte man sagen: Fast ausgeglichener Ballbesitz, aber klare Dominanz bei den Abschlüssen. Emotional könnte man hinzufügen: Hradec spielte mit Herz, Olomouc mit Hoffnung. Nach dem Abpfiff feierten die Heimfans ausgelassen ihren jungen Helden Cerny, der sichtlich verlegen auf die Rufe "Zdenek! Zdenek!" reagierte. Trainer Rinesch klopfte ihm auf die Schulter und sagte nur: "Jetzt darfst du wieder 19 sein." Und so endete ein Spiel, das kein Feuerwerk war, aber doch Funken sprühte. Ein Spiel, das bewies, dass Mut manchmal wichtiger ist als Erfahrung - und dass selbst eine Rote Karte das Happy End nicht verhindern kann. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen murmelte: "Früher haben wir so gewonnen, heute nennen sie das Taktik." 14.05.643987 21:05 |
Sprücheklopfer
Der Vorteil von Trainern wie Branko Zebec und Ernst Happel war ihre kuriose Sprache. Die Spieler mussten sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.
Felix Magath