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Es war ein kalter Winterabend in Hradec Kralove, aber die 22.582 Zuschauer im Stadion brauchten keinen Glühwein, um warm zu werden. Ihre Mannschaft bot beim 2:0-Sieg über den FC Vitkovice eine Leistung, die Herz und Beine auf Temperatur brachte. Trainer Thomas Michael Rinesch konnte sich danach entspannt zurücklehnen - seine Elf hatte das Spiel fest im Griff, vom ersten Schuss bis zur letzten Gelben Karte in der Nachspielzeit. Schon in den ersten Minuten wurde klar: Hradec Kralove wollte an diesem 25. Spieltag der 1. Liga Tschechien keine Geschenke verteilen. Stefanos Kalitzakis, der Grieche mit dem Torriecher, prüfte Vitkovices Keeper Martin Grygera bereits in der 3. Minute. Und als dieser Ball noch an die Latte klatschte, raunte ein Fan hinter mir: "Der trifft heute noch, wetten?" Er sollte recht behalten. In der 38. Minute nämlich spielte sich Hradec einen dieser typischen Angriffe zusammen, wie sie nur funktionieren, wenn ein Team an sich glaubt. Xavi Martins, der Taktgeber im Mittelfeld, steckte den Ball präzise durch die Schnittstelle, Kalitzakis startete im richtigen Moment - und drosch das Leder mit der Selbstverständlichkeit eines Mannes, der schon beim Frühstück wusste, dass er heute in die Torschützenliste kommt. 1:0, und das Stadion vibrierte. "Ich hab ihn einfach gespürt, diesen Moment", grinste Kalitzakis später. "Und Xavi hat ihn mir auf dem Silbertablett serviert." Vitkovice? Bemüht, aber harmlos. Vier magere Schüsse aufs Tor in 90 Minuten sprechen Bände. Wenn Philippos Lekkas mal durchkam, war Claude Gaudin im Tor von Hradec sofort zur Stelle - eine Katze auf zwei Beinen, die alles festhielt, was sich bewegte. "Wir haben uns an ihm die Zähne ausgebissen", gestand Vitkovice-Kapitän Tim Schiller nach der Partie. Nach der Pause kam Hradec wie aus der Kabine geschossen. In der 49. Minute brachte Rinesch frische Offensivkraft: Nicolas Le Tallec kam, und das Spiel bekam noch mehr Zug. Nur neun Minuten später war es dann Callum Buchan, der das 2:0 markierte. Nach einer energischen Vorarbeit des Rechtsverteidigers Jack Lujan - der offenbar vergessen hatte, dass er eigentlich kein Flügelstürmer ist - drückte Buchan den Ball aus kurzer Distanz über die Linie. Grygera war machtlos. "Das war ein typisches Buchan-Tor", sagte Rinesch schmunzelnd. "Nicht schön, aber drin. Wir nehmen auch die hässlichen." Und Buchan selbst? "Jack hat mir den Ball so scharf reingespielt, ich musste nur noch den Fuß hinhalten - das war fast Arbeitsschutzverletzung für den Torwart." Statistisch war es eine klare Angelegenheit: 14 zu 4 Torschüsse, 53 Prozent Ballbesitz, eine Zweikampfquote von über 55 Prozent - Hradec Kralove dominierte, ohne überheblich zu wirken. Nur in der Disziplin "unnötige Gelbe Karten" zeigten sie kurz menschliche Schwächen: Lujan sah in der 69. Minute Gelb, weil er einen Konter etwas zu "körperlich" stoppte, und in der Nachspielzeit bekam auch Sergio Ochoa noch eine Verwarnung - vermutlich aus Langeweile, wie ein Kollege scherzte. Die Gäste aus Vitkovice versuchten zwar, mit Offensivdrang zu antworten, doch der Versuch blieb ein Versuch. Lekkas ballerte in der 86. Minute noch einmal beherzt aufs Tor, aber Gaudin flog wie ein Comic-Superheld und pflückte das Ding aus der Luft. Danach konnte man fast Mitleid mit Vitkovice haben - sie hätten wohl bis Mitternacht weiterspielen können, ein Tor wäre nicht gefallen. Nach dem Schlusspfiff applaudierte das Publikum minutenlang. Trainer Rinesch stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, grinste und sagte in die Kameras: "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn ihr schon offensiv spielt, dann bitte auch schön. Und sie haben geliefert." Hradec Kralove bleibt mit diesem Sieg im oberen Tabellendrittel und schickt Vitkovice mit hängenden Köpfen zurück in den Osten. Ein verdienter, souveräner Auftritt - und einer dieser Abende, an denen man spürt, dass Fußball manchmal gerecht sein kann. Oder wie Fan Pavel es beim Hinausgehen formulierte, während er sich die Mütze über die Ohren zog: "Zwei Tore, null Gegentore, Bier noch halbvoll - perfekter Abend." Und wer weiß, vielleicht hat er auch damit wieder recht. 04.11.643987 10:48 |
Sprücheklopfer
Statistiken, Statistiken, für Statistiken habe ich mich schon früher nicht interessiert. Statistiken sind dafür da, um gebrochen zu werden.
Matthias Sammer