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Hradec Kralove dreht das Spiel - Später Jubel nach zähem Ringen gegen Mutenice

Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, warum man eigentlich Fußball liebt - und spätestens in der 84. Minute weiß man es wieder. Vor 20.518 Zuschauern im vollbesetzten Všesportovní stadion drehte Hradec Kralove am 9. Spieltag der tschechischen 1. Liga ein schon verloren geglaubtes Spiel gegen FK Mutenice und gewann am Ende mit 2:1 (0:1).

Dabei sah es lange nicht nach einem Happy End für die Gastgeber aus. Schon nach 21 Minuten zappelte der Ball im Netz von Keeper Daniel Da Cru - Mutenices linker Flügel Jan Plisek hatte nach feiner Vorarbeit von Jakub Lukes eiskalt abgeschlossen. "Ich dachte, der Ball springt mir weg, aber er blieb brav liegen - fast wie im Training", grinste Plisek später in die Kameras. Die Gäste jubelten, Hradec schaute bedröppelt.

Trainer Thomas Michael Rinesch raufte sich die Haare, während er an der Seitenlinie wild gestikulierte. Sein Team hatte zwar den Ball - am Ende 54 Prozent Ballbesitz - aber nicht den Kopf. Hradec schoss aus allen Lagen (20 Torschüsse insgesamt!), doch Präzision war Mangelware. Stefanos Kalitzakis prüfte Mutenice-Keeper Jan Necas mehrfach, Callum Buchan verzog aus spitzem Winkel, und Nicolas Le Tallec köpfte gleich zwei Mal knapp vorbei.

"In der Halbzeit habe ich ihnen gesagt: Wenn ihr schon auf jedes Tor schießt, dann wenigstens auf das richtige", witzelte Rinesch nach dem Spiel. Seine Worte fruchteten offenbar. Nur neun Minuten nach Wiederanpfiff fiel der Ausgleich: Kalitzakis, der Mann mit dem griechischen Temperament und tschechischem Pass, hämmerte den Ball nach Zuspiel von Antonio Albacar zum 1:1 ins Netz. Das Stadion bebte, und plötzlich war wieder Leben in der Bude.

Mutenice, bis dahin erstaunlich effektiv, verlor zunehmend die Kontrolle. Drei Gelbe Karten in drei Minuten (Brabec, Petr, Bilek) zeigten, dass die Nerven flatterten. "Da ging’s kurz zu wie im Rugby", kommentierte ein Fan auf der Tribüne, während sein Nachbar trocken entgegnete: "Na, wenigstens treffen sie da jemanden."

Hradec rannte weiter an - und wurde belohnt. In der 84. Minute legte Nael Meireles von rechts mustergültig auf, und Nicolas Le Tallec, der zuvor mehrfach am eigenen Mut gescheitert war, drückte den Ball endlich über die Linie. 2:1. Der Franzose riss die Arme hoch, die Fans drehten durch. "Ich hab’ ihn diesmal einfach nicht nachgedacht", sagte Le Tallec später lachend. "Vielleicht sollte ich das öfter probieren."

Kurz zuvor hatte Rechtsverteidiger Jack Lujan noch Gelb gesehen - "weil ich zu früh gejubelt habe", wie er scherzhaft meinte -, doch das störte niemanden mehr. Mutenice kam kaum noch aus der eigenen Hälfte heraus, drei magere Torschüsse standen am Ende auf ihrem Konto.

Rinesch blieb nach dem Abpfiff erstaunlich ruhig, fast philosophisch: "Wir haben heute gelernt, dass Geduld manchmal wichtiger ist als Schönheit. Wobei - schön war’s ja am Ende trotzdem." Sein Gegenüber, Mutenice-Coach (dessen Name die Liga-Statistik ausnahmsweise verschwieg), sah das naturgemäß anders: "Wir hatten den Plan, sicher zu stehen und gezielt zuzuschlagen. Das hat 45 Minuten funktioniert. Danach war’s ein Sturm, dem wir nicht standgehalten haben."

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 20:3 Torschüsse, 54 Prozent Ballbesitz, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Hradec dominierte, auch wenn es auf der Anzeigetafel lange nicht so aussah.

Und so feierte das Publikum am Ende einen Arbeitssieg, der sich anfühlte wie ein Befreiungsschlag. Als die Spieler in der Kurve tanzten, schien selbst der Winterabend ein wenig wärmer zu werden.

"Das war nicht perfekt, aber ehrlich", fasste Kapitän Ewan Rushton zusammen. "Und ehrlich gewonnene Spiele schmecken immer am besten."

Vielleicht hat er recht. Vielleicht ist es genau das, was Fußball so unwiderstehlich macht: Dass aus Frust plötzlich Freude wird - und aus einem grauen Freitagabend ein Fest.

Und irgendwo in der Kabine klopfte Rinesch seinem Torjäger Le Tallec auf die Schulter und murmelte: "Siehst du, Nicolas - manchmal muss man einfach nur draufhalten."

Das tat er. Und ganz Hradec wird ihm dankbar sein.

21.04.643987 18:04
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Der Vorteil von Trainern wie Branko Zebec und Ernst Happel war ihre kuriose Sprache. Die Spieler mussten sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.
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