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Ein Montagabend in Hull, 20:30 Uhr, Flutlicht, 31.080 Zuschauer - und ein Spiel, das zwar keine Fußballoper war, aber immerhin ein rustikales Blues-Solo auf der Gitarre der "Zweiten Liga England". Die Hull Tigers rangen die favorisierten London Spurs mit 1:0 nieder. Held des Abends: Rechtsverteidiger Christopher Hoskins, der in der 28. Minute das einzige Tor erzielte - ein Treffer, der so überraschend kam wie Sonnenschein im englischen Januar. "Ich dachte eigentlich, Alexander (Bancroft) würde flanken - aber der Ball kam so perfekt, dass ich einfach den Kopf hinhalten musste", grinste Hoskins später. Es war die Art Tor, die man in Hull noch lange besprechen wird: ein Außenverteidiger, der in den Sechzehner zieht, wie ein Stürmer auf Urlaub, und dann den Ball in die Maschen nickt. Trainer Mathias Oergel gestand danach: "Das war so nicht im Matchplan. Aber manchmal ist Chaos einfach die beste Taktik." Dabei begannen die Tigers forsch. Bereits in der 9. Minute prüfte Cesc Zapatero den Spurs-Keeper Ralf Jensen - ein Schuss, der mehr Staub als Gefahr aufwirbelte. Lewis Payne legte eine Minute später nach, und das Publikum spürte: Hier geht was. Die Spurs hingegen wirkten anfangs schläfrig, fast höflich zurückhaltend. Erst nach dem Rückstand wachten sie auf, als Antal Palotai (33.) und Kristofer Grindheim (38.) endlich auf den Kasten von Tigers-Torhüter Joel Eliot zielten. Doch Eliot blieb - wie ein englischer Butler - stets zur rechten Zeit am rechten Ort. Zur Pause stand es 1:0, und man konnte den Eindruck gewinnen, dass die Tigers das Ergebnis mit der Entschlossenheit eines Yorkshire-Terriers verteidigen wollten. Die Statistik sprach knapp gegen sie (Ballbesitz: 49 zu 51 Prozent), aber sie schossen doppelt so oft aufs Tor (16:7). "Wir wollten über die Flügel kommen und die Spurs laufen lassen", erklärte Oergel. "Manchmal ist Laufen eben auch eine Waffe." London-Trainerin Maria Meier hingegen sah müde aus, als sie nach dem Spiel ans Mikrofon trat. "Wir haben gut kombiniert, aber Fußballspiele gewinnt man nicht mit Ballbesitzstatistiken", sagte sie trocken. Ihr Starstürmer Efthymios Kamaras hatte im zweiten Durchgang drei gute Chancen (57., 58., 63.), doch seine Schüsse fanden entweder den Weg in die Arme von Eliot oder in die unendlichen Weiten der Nordtribüne. Die zweite Halbzeit war ein Lehrstück in verpassten Gelegenheiten. Hulls Logan Lansbury prüfte Jensen gleich dreimal (53., 55., 60.), und der junge Ewan Caviness - 18 Jahre, blonder Haarschopf, unerschrocken wie ein Straßenkicker - kam nach seiner Einwechslung zu gleich drei Abschlüssen (79., 80., 90.). "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Caviness später schmunzelnd, "Coach meinte, ich soll mutig sein. Also hab ich’s wörtlich genommen." Die Spurs verloren in der Schlussphase nicht nur ihre Angriffslust, sondern auch die Geduld. Laszlo Sas sah in der 84. Minute Gelb, als er Jorgen Halvorsen kurzerhand stoppte - ein Foul, das so plump war, dass selbst der Schiedsrichter kurz schmunzeln musste. "Da war der Frust schon groß", gestand Sas später, "wir hätten noch zwei Stunden spielen können und kein Tor gemacht." In den letzten Minuten war das Spiel ein Festival der vergeblichen Mühen: Wiltshire traf in der 89. Minute nur den Torwart, Kamaras scheiterte in der Nachspielzeit erneut, und Billy Chamberlain setzte in der 92. Minute den Schlusspunkt - ein Distanzschuss, der Jensen zu einer Glanzparade zwang. Als der Schlusspfiff ertönte, brach im KCOM Stadium Jubel aus, als hätte Hull die Champions League gewonnen. Oergel umarmte jeden Balljungen, Hoskins rannte mit ausgestreckten Armen Richtung Kurve, und sogar der sonst stoische Keeper Eliot lächelte. "Das war ein Sieg des Herzens", fasste Oergel zusammen. "Und vielleicht auch des Zufalls." Die Spurs dagegen schlichen wortlos in die Kabine. Trainerin Meier hatte das letzte Wort: "Wenn man 51 Prozent Ballbesitz hat, aber null Tore, sollte man vielleicht das Prozent zählen, das wirklich zählt." Hull klettert mit diesem Sieg in der Tabelle nach oben - und beweist, dass man mit Mut, Einsatz und einem unerschrockenen Außenverteidiger auch große Gegner ärgern kann. Ein Abend, an dem Statistik und Stil keine Rolle spielten - nur das Ergebnis: 1:0. Und das bleibt, wie Hoskins später lachend meinte, "für immer auf der Anzeigetafel, egal, wie hässlich’s war." 23.10.643987 22:12 |
Sprücheklopfer
Schiri, pfeif ab. I mog nimmer.
Paul Breitner nach 30 Minuten in einem Europacupspiel beim Stand von 3:0 gegen die Bayern: