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Ein Tor nach fünf Minuten, danach 85 Minuten Zittern, Grätschen, Schwitzen - so lässt sich der 1:0-Sieg der Watford Hornets gegen Gillingham FC am 27. Spieltag der 4. Liga England wohl am treffendsten zusammenfassen. 4860 Zuschauer sahen am Mittwochabend (Anstoß 20:15 Uhr) im kleinen, aber lautstarken Hornets Stadium eine Partie, die früh entschieden schien - und dann doch in eine zähe Abwehrschlacht mündete. Held des Abends war ausgerechnet ein Mann, der normalerweise hinten aufräumt: Innenverteidiger Henry Hayman. In der fünften Minute traf er nach einer punktgenauen Flanke von Rechtsaußen Adam Reacock per wuchtigem Kopfball ins linke Eck - 1:0! Gillinghams Keeper Ewan Lockhart flog zwar artistisch, aber vergeblich. "Ich war selbst überrascht, dass der Ball so gut kam", grinste Hayman später in die Mikrofone. "Ich dachte zuerst, das sei eine Flanke auf unseren Mittelstürmer - aber dann war ich halt selbst da." Danach war’s mit der Leichtigkeit vorbei. Watford, zu Beginn offensiv wie angezündete Hornissen, zog sich zunehmend zurück. Zwar verzeichneten sie am Ende 14 Torschüsse, aber viele davon waren eher harmlose Versuche aus der Distanz. Gillingham kam auf acht Abschlüsse und hatte über weite Strecken mehr vom Ball (55,9 % Ballbesitz), ohne daraus Kapital zu schlagen. In der 12. und 21. Minute prüfte Gillinghams Bailey Longfellow den Hornets-Keeper Benjamin Baskin, doch der 23‑Jährige blieb cool. "Ich hab einfach versucht, nicht zu denken", erklärte er augenzwinkernd nach dem Spiel. "Das klappt bei mir erstaunlich gut." Watford-Trainer - ein gewisser Mr. Mason, wie ihn die Fans nennen - gestikulierte an der Seitenlinie so wild, dass ein Balljunge ihm sicherheitshalber den Kaffee wegnahm. "Wir wollten nachlegen, aber dann haben wir zu viel Respekt vor dem eigenen Ergebnis gehabt", sagte er selbstkritisch. "Ich hätte lieber 3:2 gewonnen als 1:0 gezittert - aber am Ende zählt der Dreier." Kurz nach der Pause wurde es unruhig: Gillingham drückte, Watford verteidigte mit Herz und Fußspitzen. Der junge Verteidiger Stille Barculo (20) blockte einen gefährlichen Schuss von Max Leech in der 62. Minute - eine Szene, die sinnbildlich für den Einsatz der Gastgeber stand. "Stille ist ein Name, kein Auftrag", witzelte Kapitän Joshua Lithgow. In der 73. Minute sah Noah Donahue Gelb, nachdem er im Mittelfeld "etwas zu herzlich" in einen Zweikampf gegangen war, wie der Schiedsrichter trocken kommentierte. Donahue nahm’s sportlich: "Ich wollte nur zeigen, dass ich wach bin." Dann der Schreckmoment in der 83. Minute: Linksaußen Jens Moeller blieb nach einem Sprint liegen. Der 33‑Jährige musste verletzt raus - für ihn kam Verteidiger Lithgow zurück auf den Platz. "Ich hab’s im Oberschenkel gespürt", murmelte Moeller später, "aber wenigstens hab ich noch Zeit, die Wunde zu googeln." Die Schlussphase wurde zum kollektiven Nerventest. Robert Fouquet verpasste in der 90. Minute die endgültige Entscheidung, sein Schuss strich knapp am Pfosten vorbei. Auf der Tribüne vergruben sich Fans unter gelb-schwarzen Schals, während Trainer Mason demonstrativ an seinem Notizblock kaute. Gillingham versuchte alles, sogar Keeper Lockhart rückte bei einem späten Freistoß mit nach vorne - vergeblich. Der Ball segelte ins Aus, der Schlusspfiff ertönte, und die Hornets fielen sich in die Arme. "Es war kein schönes Spiel, aber ein ehrliches", meinte Gillinghams Coach in der Pressekonferenz. "Wir waren besser am Ball, Watford besser im Ergebnis. Das ist leider der Unterschied, für den die Tabelle Punkte vergibt." Statistisch gesehen hätte Gillingham mehr verdient gehabt - mehr Ballbesitz, mehr Passsicherheit, mehr Geduld. Aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb. Watfords Zweikampfquote von 52 Prozent und ein Torwart in Bestform reichten, um den knappen Vorsprung über die Zeit zu bringen. Als die Flutlichtanlage langsam herunterfuhr, stand Henry Hayman noch immer an der Mittellinie, Hände in die Hüften gestemmt, und grinste. "Wenn ich jetzt jede Woche treffe, muss ich wohl bald Stürmer spielen", lachte er - und verschwand im Kabinengang. Vielleicht war es kein Fußballfest, aber ein Arbeitssieg mit Charakter. Und wer weiß: Vielleicht summen die Hornets bald nicht mehr nur im Mittelfeld der Tabelle, sondern klopfen frech an der Tür zur Spitze. Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "War nix für’s Herz - aber gut für die Punkte." 09.12.643987 02:30 |
Sprücheklopfer
Die Hitze kann für die deutschen Spieler sogar ein Vorteil sein. An einem Urlaubsort sieht man in der Mittagshitze auch immer nur Deutsche draußen, also kommen wir mit der Temperatur sogar besser zurecht.
Erich Ribbeck