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3.781 Zuschauer im altehrwürdigen Homberger Stadion erlebten am Freitagabend eine jener Partien, nach denen man sich fragt, ob die Gäste aus Pirmasens überhaupt mitbekommen haben, dass das Spiel schon begonnen hatte. Denn ehe sich Trainer Gudrun Schweitzer ihre Brille zurechtrücken konnte, stand es bereits 2:0 für den FC Homberg - und zwar nach gerade einmal sechs Minuten. Doruk Bulut, der bullige Mittelstürmer mit dem Charme eines Presslufthammers, ließ den Ball zweimal im Netz zappeln, jeweils mustergültig bedient von Serge Lalonde. Ein Doppelschlag, der die Partie früh entschied. "Ich wollte eigentlich noch die Schuhe richtig binden, da war der Ball schon drin", witzelte Pirmasens-Keeper Günther Fritsch nach Abpfiff mit Galgenhumor. Homberg spielte danach mit der Selbstverständlichkeit eines Teams, das wusste: Heute kann uns keiner was. 53 Prozent Ballbesitz, 15 Torschüsse - die Zahlen belegen, was sich auf dem Rasen abspielte. Flügelspieler Benett und Aznar wirbelten, Lalonde zog die Fäden im Zentrum und vorne lauerte Bulut, als wäre er persönlich beleidigt, wenn der Ball nicht bei ihm landete. Pirmasens dagegen? Kam auf sechs Torschüsse, meist harmlose Distanzversuche. Trainerin Schweitzer versuchte von außen zu dirigieren, sah aber ab Mitte der ersten Hälfte zunehmend aus wie jemand, der im Regen steht und weiß, dass der Schirm zu Hause liegt. "Wir wollten kompakt stehen und auf Konter lauern", erklärte sie nachher. "Aber nach sechs Minuten war der Plan… sagen wir, modifiziert." Das Spiel nahm in der zweiten Halbzeit etwas Tempo raus - Homberg kontrollierte, Pirmasens suchte nach Resthoffnung. Dann kam die 62. Minute, und sie brachte endgültig den Bruch: Müjdat Öztürk, ohnehin nicht für seine Zurückhaltung bekannt, sah nach einem übermotivierten Einsteigen glatt Rot. "Er hat halt manchmal zu viel Herz", seufzte Schweitzer. Zu viel Herz, zu wenig Ball - das fasste den Auftritt des FK treffend zusammen. Homberg-Coach Fridolin von Zahn dagegen stand an der Seitenlinie mit verschränkten Armen, ein zufriedenes Grinsen im Gesicht. "Wir wollten offensiv bleiben, auch beim 2:0. Warum sollte man aufhören, wenn’s läuft?", sagte er später. Eine Philosophie, die sich auszahlen sollte: In der 75. Minute krönte Innenverteidiger Max Stumpf die Partie mit dem 3:0. Nach einer Ecke von rechts stieg er hoch, wuchtete den Ball per Kopf ins Netz - und ließ sich feiern, als hätte er gerade das Tor des Monats erzielt. "Ich trainiere das nie", lachte Stumpf. "Vielleicht sollte ich damit anfangen." Kurz zuvor hatte Lalonde verletzt vom Platz gemusst, Walter Kunkel übernahm - und fügte sich mit der Ruhe eines alten Hasen ein. "Serge hat sich wohl am Oberschenkel gezerrt", verriet von Zahn. "Aber bei dem Spielstand konnte man das heute verkraften." Die Schlussphase verlief ohne große Aufreger. Homberg spielte weiter nach vorne, aber ohne Risiko, während Pirmasens mit zehn Mann weitgehend mit sich selbst beschäftigt war. Ein paar Spätschüsse von Tabenkin und Specht landeten in den Armen von Keeper Marc Berthier, der sonst einen ruhigen Abend verbrachte. Nach dem Schlusspfiff stand ein klares 3:0 (2:0) - ein Ergebnis, das den Spielverlauf perfekt wiedergab. Homberg war spielstärker, wacher, schlicht besser. Pirmasens dagegen wirkte über weite Strecken wie ein Team, das noch im Bus saß. Taktisch blieb Homberg durchgängig offensiv ausgerichtet, bevorzugte den Weg über die Flügel und verzichtete auf übermäßiges Pressing - warum auch, wenn die Tore von allein fallen? Pirmasens hingegen wechselte nach der Pause auf Defensive um, erhöhte die Aggressivität, aber eben auch die Kartenstatistik: Zwei Gelbe, eine Rote - das war’s an sichtbarer Leidenschaft. Zum Abschluss grinste von Zahn in die Mikrofone und sagte: "Ich hab meiner Mannschaft vor dem Spiel gesagt: Wenn ihr heute Spaß habt, kommt das Ergebnis von selbst. Offenbar hatten sie sehr viel Spaß." Und das Publikum? Ging zufrieden nach Hause, summte vielleicht den einen oder anderen Fangesang, während der Stadionsprecher die Statistik verlas: 15 zu 6 Schüsse, 53 zu 47 Prozent Ballbesitz - und ein Ergebnis, das keine Fragen offenlässt. Homberg lacht, Pirmasens ringt um Fassung - und man darf gespannt sein, ob Schweitzers Team nächste Woche wenigstens die Schnürsenkel früher bindet. 30.09.643987 18:15 |
Sprücheklopfer
Ich brauche Spieler, die am Ball besser sind als am Mikro.
Otto Rehhagel