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Es war ein lauer Sommerabend in Haverfordwest, doch auf dem Rasen des heimischen Stadions brannte die Luft: 20.000 Zuschauer sahen beim 19. Spieltag der 1. Liga Wales eine Partie, die von Anfang an mehr versprach, als sie den Gastgebern am Ende brachte. Die Holyhead Blues entführten mit einem 2:1-Sieg alle drei Punkte und ließen Haverfordwest FC ratlos und leicht angeknockt zurück. Schon die ersten Minuten deuteten an, dass Holyhead an diesem Abend mehr Ball und mehr Ideen haben würde. Ganze 60 Prozent Ballbesitz, 15 Torschüsse - die Gäste bestimmten das Geschehen, während Haverfordwest mit fünf Abschlüssen meist an der vielbeinigen Blues-Verteidigung scheiterte. "Wir wollten offensiv beginnen", sagte ein sichtlich zerknirschter Haverfordwest-Kapitän Lionel Jemez nach der Partie, "aber irgendwann hatten wir das Gefühl, die spielen mit zwei Bällen." Das Spiel begann mit einem Paukenschlag: In der 13. Minute setzte sich der quirlige Rechtsaußen Ryan Caviness nach einer feinen Vorarbeit von Santiago Andrade auf der rechten Seite durch und schlenzte den Ball aus spitzem Winkel über Keeper Benjamin Young hinweg ins lange Eck - 0:1. Die mitgereisten Fans der Blues jubelten, als hätten sie gerade die Liga gewonnen. Caviness grinste hinterher: "Ich wollte eigentlich flanken, aber der Ball hatte andere Pläne." Die Antwort der Hausherren ließ allerdings nicht lange auf sich warten. Nur vier Minuten später war es der junge Bailey Caroll, erst 21 Jahre alt, der nach einem Pass in die Tiefe von James Hensley durchstartete und eiskalt zum 1:1 ausglich. Haverfordwest tobte, die Tribünen bebten, und Trainer auf beiden Seiten gestikulierten wild an der Linie - als wollten sie den Ball mit purer Willenskraft lenken. "In dem Moment dachte ich, jetzt kippt das Spiel", meinte Blues-Coach Jürgen Steinmetz später fast philosophisch. "Aber meine Jungs haben die Ruhe behalten - erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Caviness in der Pause mehr Kaffee als Wasser trinkt." Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: Holyhead kontrollierte das Mittelfeld, Haverfordwest rannte an, ohne wirklich gefährlich zu werden. In der 52. Minute fiel dann die Entscheidung. Nicolaas Metternich, der rechte Mittelfeldmann der Blues, nahm einen Pass von Lewis Kinsella volley - und traf aus gut 20 Metern so präzise, dass selbst die gegnerischen Fans kurz anerkennend pfiffen. 1:2, und das sollte es bleiben. "Ich dachte gar nicht nach", erklärte Metternich später mit einem Lächeln, "der Ball lag da, ich hatte Platz - und dann habe ich einfach draufgehauen. Zum Glück war das Tor im Weg." Was folgte, war ein zähes Ringen um jede Sekunde. Holyhead verteidigte mit kühler Präzision, Haverfordwest versuchte es mit Herzblut - und Gelben Karten. Gleich drei Mal griff Schiedsrichter Morgan zur Verwarnungskarte gegen die Gastgeber, ehe Bradley Baker in der 90. Minute nach einem rustikalen Einsteigen glatt Rot sah. "Ich wollte nur den Ball treffen", beteuerte er noch in der Mixed Zone, "aber der Ball war halt schneller." Die Schlussphase verlief entsprechend hektisch: ein letzter Verzweiflungsschuss von Jannis Löffler in der 89. Minute - vorbei -, dann ein kollektives Aufatmen der Gäste nach dem Abpfiff. Steinmetz riss die Arme hoch, seine Spieler fielen sich jubelnd in die Arme. "Wir haben gezeigt, dass wir auch auswärts eiskalt sein können", sagte der Trainer. "Und wenn man so viele Chancen hat, darf man sich ruhig mal belohnen." Haverfordwest-Coach - der seine Offensive auf "voll drauf" gestellt hatte, aber ohne Pressing auskommen wollte - blieb hingegen nachdenklich: "Wir hatten unsere Momente, aber Holyhead war einfach cleverer. Vielleicht müssen wir das nächste Mal weniger wollen und mehr machen." Statistisch gesehen war das Urteil eindeutig: 59,7 Prozent Ballbesitz für die Blues, 15 zu 5 Torschüsse - das Ergebnis spiegelte das Kräfteverhältnis durchaus wider. Doch die Stimmung im Stadion sprach eine andere Sprache. Als die heimischen Spieler nach dem Abpfiff in die Kurve kamen, spendeten die Fans Applaus. Der Funke Einsatzbereitschaft war da, auch wenn die Punkte fehlten. Am Ende bleibt ein Spiel, das alles hatte: zwei schöne Tore, ein Platzverweis, ein paar gelbe Verwarnungen und reichlich Emotionen. Oder, wie ein Zuschauer beim Hinausgehen sagte: "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Drama." Ein Fazit, dem wohl niemand widersprechen konnte - außer vielleicht der Linienrichter, der beim ersten Tor der Blues ein leicht schiefes Lächeln zeigte. Aber das, so raunte man auf der Pressetribüne, gehört eben auch zum Fußball. 17.06.2026 22:03 |
Sprücheklopfer
Zu 50 Prozent stehen wir im Viertelfinale, aber die halbe Miete ist das noch lange nicht!
Rudi Völler