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Holyhead Blues retten Punkt in turbulenter See - 2:2 gegen die Seasiders

Es war ein Abend, an dem man in Holyhead den Eindruck haben konnte, dass der Wind vom Meer nicht nur die Eckfahnen, sondern gleich das ganze Spiel in Bewegung brachte. 43.500 Zuschauer im ausverkauften "Blues Park" sahen ein 2:2, das weniger nach taktischer Meisterleistung klang als nach einem musikalischen Improvisationsabend: mal schrill, mal harmonisch, nie langweilig.

Die Aberystwyth Seasiders, unter der Leitung von Florian Claßen, kamen mit der taktischen Vorgabe "Defensive Stabilität", doch schon in der achten Minute war davon wenig zu sehen. Anghel Stefanescu, der Mann fürs Feine im Mittelfeld, nahm einen Pass von Alexander Caroll auf, zog kurz an, verzögerte - und schlenzte den Ball so elegant ins Netz, dass selbst die Möwen kurz innehielten. 0:1, frühe Führung für die Gäste.

"Ich wollte eigentlich flanken", grinste Stefanescu nach dem Spiel - man glaubt es ihm nicht, aber in Wales darf man solche Sätze sagen. Trainer Claßen kommentierte trocken: "Wenn alle meine Spieler so flanken, bin ich vollkommen zufrieden."

Doch Holyhead wäre nicht Holyhead, wenn sie nicht prompt reagierten. Nur 13 Minuten später, in der 21. Minute, stand Innenverteidiger Max Combe plötzlich da, wo eigentlich kein Innenverteidiger stehen sollte - mitten im gegnerischen Strafraum. Nach einer scharfen Hereingabe des umtriebigen Ferenc Kabat hielt Combe einfach mal den Fuß hin - 1:1. "Ich hab’s probiert, weil vorne keiner mehr übrig war", lachte der Abwehrmann später und fügte hinzu: "Manchmal ist Unordnung der beste Plan."

Die Blues kamen danach richtig ins Rollen: 17 Torschüsse insgesamt, ein Wert, der zeigt, wie sehr sie das Spiel kontrollieren wollten. Aberystwyth hielt mit zwölf Abschlüssen dagegen und hatte etwas mehr Ballbesitz (51,6 Prozent), doch die Blues wirkten entschlossener. Leider zahlte sich das nicht sofort aus: In der 32. Minute musste Lewis Kinsella verletzt raus, Andrew Callahan kam - und brachte frischen Wind über links, wenn auch manchmal etwas zu viel Schwung, wie sein Trainer Jürgen Steinmetz später anmerkte: "Andrew hat gespielt, als wäre das Meer hinter ihm her."

Die zweite Halbzeit begann mit einem Déjà-vu für die Blues: In der 55. Minute war es erneut ein zentraler Mittelfeldmann der Seasiders - diesmal Leon Reacock -, der aus gut 20 Metern abzog. Der Ball zischte durch Freund und Feind hindurch, Torwart Rafael Arino sah die Kugel wohl erst, als sie schon hinter ihm lag. 1:2, und die Gäste jubelten mit angezogener Handbremse. "Wir wollten ruhig bleiben, denn hier kann’s immer schnell kippen", sagte Reacock.

Und wie recht er hatte: Elf Minuten später, in der 66. Minute, schlug Holyhead zurück. Wieder war Kabat der Vorbereiter, wieder kam der Ball präzise von rechts, und diesmal stand Igor Skrtel da, wo ein Stürmer stehen muss. Mit der Entschlossenheit eines Mannes, der nicht zum Spaß auf dem Platz ist, drosch er den Ball zum 2:2 in die Maschen.

Die letzten 20 Minuten boten dann all das, was man am walisischen Fußball liebt - und manchmal fürchtet: Gelbe Karten (Riley Gage in der 82., Daniel Crichton in der 87.), wilde Zweikämpfe, und eine Atmosphäre, die irgendwo zwischen Hafenarbeiterlied und Oper lag. Holyhead drückte, Aberystwyth konterte, und beide Teams wirkten am Ende, als hätten sie gerade einen Sturm überstanden.

Statistisch war das Unentschieden fast eine mathematische Pflicht: Die Blues leicht besser im Zweikampf (50,9 Prozent), die Seasiders minimal mehr Ballbesitz, beide mit Offensivdrang, aber ohne Plan B. Taktisch blieb es bei den Grundausrichtungen - Holyhead ausgeglichen, Aberystwyth defensiv-balanciert. Es war kein Spiel der großen Systeme, sondern der kleinen Momente.

Nach dem Schlusspfiff standen beide Trainer Arm in Arm an der Seitenlinie - eine Szene, die mehr über den Abend sagte als jede Statistik. "Ich glaube, wir haben beide gewonnen, weil keiner verloren hat", sagte Steinmetz mit philosophischer Miene. Claßen nickte und ergänzte: "Oder wir haben beide verloren, weil keiner gewonnen hat. Kommt auf die Zeitung an."

Für den neutralen Zuschauer war es schlicht ein großartiger Fußballabend - mit Drama, Witz, Kampf und Charakter.

Und so bleibt am Ende die Erkenntnis: Wenn der Wind vom Meer kommt, fliegt der Ball manchmal dorthin, wo er gar nicht hin soll - und genau das macht den Zauber des walisischen Fußballs aus.

09.12.643987 04:10
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Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
Berti Vogts
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