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Hoffenheimer Geduld zahlt sich spät aus - Göttingen fällt am Ende auseinander

Es war ein kalter Samstagabend in Göttingen, und 3.849 Zuschauer froren sich durch 90 Minuten Regionalliga-Fußball, der lange Zeit mehr nach Schachpartie als nach Spektakel aussah. Am Ende gewann der TSV Hoffenheim verdient mit 2:0 beim VfB Göttingen - ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber die Geschichte eines Abends erzählt, an dem ein Team nicht aufhörte zu glauben und das andere irgendwann nur noch hoffte, dass der Schlusspfiff bald käme.

Schon in den ersten Minuten wurde klar, dass Hoffenheim mit dem Ball mehr anzufangen wusste. 22 Torschüsse gaben die Gäste ab - eine Zahl, die in Göttingen vermutlich nur noch vom Bratwurstverkauf übertroffen wurde. Der VfB dagegen verzeichnete zwei zaghaft gefährliche Aktionen, die eher symbolischen Wert hatten. "Wir wollten mutig sein, aber irgendwann hatten wir einfach zu viel zu tun mit Verteidigen", gab Göttingens Mittelfeldmann Robert Graysmark später selbstironisch zu.

Die Hoffenheimer begannen mit einem ausgeglichenen System, das Trainer Dennis Simon als "kontrollierten Druckaufbau" bezeichnete. Das klang so, als wolle er seiner Mannschaft nicht sagen, dass sie einfach drauflos spielen sollte - und tatsächlich, sie spielten geduldig. Immer wieder suchten sie über die Flügel Markus Block und Giuseppe Guarano, die das Spielfeld streckten wie ein Gummiband. Doch der Ball wollte zunächst nicht ins Tor.

"Ich dachte schon, wir müssten den Keeper nach dem Spiel um ein Gruppenfoto bitten, so oft war der im Weg", witzelte Block später.

Und tatsächlich: Göttingens Torwart Timo Ebert erwischte einen dieser Abende, an denen man sich fragt, ob er heimlich Spiderman heißt. Bis zur 80. Minute hielt er alles - mit Händen, Füßen und gelegentlich dem Glück. Dann aber kam der Moment, den alle geahnt, aber keiner verhindern konnte: In der 81. Minute passte Innenverteidiger Liam Carey aus dem Halbfeld steil auf Giuseppe Guarano, der mit einem schnellen Haken den letzten Verteidiger aussteigen ließ und den Ball trocken ins linke Eck drosch. 1:0 für Hoffenheim, und plötzlich war die Luft raus aus der Göttinger Defensive.

"Ich hab nur gesehen, dass der Ball endlich mal rein wollte", grinste Guarano nach dem Spiel, "vielleicht hatte er auch einfach Mitleid mit uns."

Die Gastgeber versuchten danach, doch noch einmal aufzuwachen, aber außer einer Gelben Karte für Manfred Hansen (82.) und einigen verzweifelten langen Bällen kam nicht mehr viel. Stattdessen nutzte Hoffenheim die Nachspielzeit, um das Ergebnis standesgemäß abzurunden: Markus Block traf in der 93. Minute nach schöner Vorarbeit von Nevio Ruy zum 2:0. Ein Treffer, der so elegant war, dass selbst einige Göttinger Fans anerkennend klatschten - oder vielleicht wollten sie einfach nur wieder ihre Hände wärmen.

"Wir haben lange Geduld bewiesen und am Ende die Lücken gefunden", sagte Hoffenheim-Coach Dennis Simon in der Pressekonferenz. "Ich bin zufrieden, auch wenn ich gerne schon in der ersten Halbzeit mehr gesehen hätte." Auf die Frage, ob 22 Torschüsse nicht etwas für die Galerie seien, antwortete er trocken: "Lieber zu viele als zu wenige."

Sein Gegenüber, Göttingens Trainer (der sich demonstrativ in seinen dicken Mantel kuschelte), sah das naturgemäß anders: "Wenn du 40 Prozent Ballbesitz hast und die Quote an Zweikämpfen auch verlierst, brauchst du schon sehr gute Ideen. Heute hatten wir keine."

So blieb den Göttingern am Ende nur die Erkenntnis, dass Offensivfußball auf dem Papier schön aussieht - aber ohne Präzision im Passspiel (und vielleicht auch ohne ein Quäntchen Glück) wenig bringt. Hoffenheim dagegen zeigte, dass Geduld manchmal die größte Waffe ist.

Als die Spieler vom Platz gingen, sagte ein Göttinger Fan halblaut zu seinem Nachbarn: "Na ja, wenigstens war das Flutlicht schön." Und tatsächlich, das Flutlicht war blendend - für Hoffenheim in jeder Hinsicht.

Ein Spiel, das in Erinnerung bleibt? Vielleicht nicht. Aber für Hoffenheim zählen die Punkte, für Göttingen die Erfahrung. Und die Moral von der Geschichte: Wer 22 Mal aufs Tor schießt, darf auch zweimal treffen. Wer zweimal schießt, sollte vielleicht über einen anderen Plan nachdenken.

08.11.643990 02:45
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Marcio Amoroso ist der Prototyp des Spielers, der nach einem 1:10 höchst zufrieden nach Hause geht, weil er das einzige Tor geschossen hat.
Paul Breitner
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