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Ein kalter Januarabend, Flutlicht, 5.599 Zuschauer, und ein Regionalligaspiel, das mehr Drama bot, als man es einem 20. Spieltag zutrauen würde. TuS Ennepetal verlor am Ende mit 1:2 gegen den TSV Hoffenheim - ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber in Wahrheit ein kleines Fußballdrama in drei Akten war: Hoffnung, Rückschlag, und ein Platzverweis, der alles besiegelte. Die Partie begann wie ein Roman, den man schon zu kennen glaubt: Ennepetal hinten stabil, Hoffenheim spielbestimmend. Doch schon nach einer Viertelstunde merkte man, dass die Gäste aus dem Kraichgau nicht zum Kaffeetrinken gekommen waren. Mit 55 Prozent Ballbesitz und insgesamt 13 Torschüssen bestimmten sie das Geschehen, während die Ennepetaler mit Kontern über die Flügel ihr Glück suchten. Trainerin Ursula Lappe hatte ihre Mannschaft auf schnelles Umschaltspiel eingestellt - "Wir wollten sie laufen lassen, nicht andersrum", meinte sie später mit einem schiefen Lächeln. In der 25. Minute fiel das, was man in Ennepetal nur das "Kaltwasserschock-Tor" nennen kann: Nico Kurz stand genau da, wo ein Stürmer stehen muss, und schob den Ball nach einem Abpraller über die Linie. 0:1, und der Gästeblock jubelte, als wäre es die Champions League. Kurz grinste nach dem Spiel: "Ich hab einfach den Fuß hingehalten. Das war mehr Glück als Verstand." Doch Hoffenheim blieb hungrig. Nur neun Minuten später legte Javier Beto nach - und wie! Nach perfektem Zuspiel von Liam Herrmann zimmerte der 21-Jährige den Ball aus 17 Metern in den Winkel. "Ich hab gar nicht geguckt", sagte Beto später lachend, "ich hab einfach gehofft, dass er reingeht." Tat er. 0:2 - und die TuS-Fans schauten sich gegenseitig an, als hätten sie das Drehbuch schon gelesen. Aber Ennepetal wäre nicht Ennepetal, wenn sie sich so einfach geschlagen gäben. Nur eine Minute nach dem 0:2 schlug Robert Schwab mit der Wucht eines Mannes zurück, der zu viel Adrenalin im Blut hat. Nach einem langen Pass von Michel Benayoun nahm Schwab den Ball volley - und plötzlich stand es 1:2. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", lachte Trainerin Lappe, "aber Robert hat anscheinend eine andere Wahrnehmung." Mit diesem Treffer war das Spiel wieder offen. Ennepetal kämpfte, Hoffenheim kontrollierte, und das Publikum bekam endlich das, was es wollte: Spannung, Emotionen - und ein bisschen Chaos. Cesc Dominguez, der Ennepetaler Innenverteidiger mit der Aura eines spanischen Stierkämpfers, sammelte erst in der 9. Minute Gelb und in der 77. dann Gelb-Rot. "Ich hab den Ball berührt, wirklich!", rief er noch, während er vom Platz ging. Die Fans auf der Tribüne kommentierten trocken: "Ja, aber leider mit beiden Beinen." Ab diesem Zeitpunkt spielte Ennepetal in Unterzahl - und trotzdem wirkten sie zeitweise gefährlicher als zuvor. Rafael Hecht und Alrik Carlsen versuchten es aus der Distanz, Benayoun rannte, als hinge sein Vertrag davon ab, und Torwart Alfred Karlson rettete mehrfach mit glänzenden Reflexen. "Alfred war heute unser Fels in der Brandung", lobte Lappe nach dem Spiel, "auch wenn die Wellen ein bisschen hoch waren." Hoffenheim dagegen schaltete einen Gang runter, verwaltete klug und ließ den Ball laufen. Man merkte, dass sie ein eingespieltes Team sind - ruhig im Aufbau, geduldig im Passspiel, aber mit der nötigen Kaltschnäuzigkeit im Strafraum. "Es war kein schönes Spiel, aber ein wichtiger Sieg", bilanzierte TSV-Trainer (dessen Name der Reporter in der Aufregung leider vergaß aufzuschreiben) mit einem zufriedenen Nicken. Am Ende blieb es beim 1:2, einem Ergebnis, das beiden Seiten etwas sagen dürfte: Hoffenheim, dass sie auch ohne Glanz gewinnen können; Ennepetal, dass Leidenschaft manchmal nicht reicht, wenn man zu früh Karten sammelt. Die Statistik spricht eine klare Sprache - 13:6 Schüsse, 55 Prozent Ballbesitz, 53 Prozent gewonnene Zweikämpfe für die Gäste. Aber die Herzen - die blieben eindeutig in Ennepetal. Vielleicht war es kein Spiel für die Geschichtsbücher, aber eines fürs Herz. Oder, wie es Michel Benayoun nach dem Abpfiff mit einem Schulterzucken formulierte: "Wir haben verloren, aber wenigstens wussten die Zuschauer, wofür sie Eintritt bezahlt haben." Und so ging man auseinander, zufrieden und frierend, mit dem Gefühl, dass Fußball manchmal einfach schön ist, auch wenn man verliert. 17.09.643987 18:55 |
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Leichte Bälle zu halten ist einfach. Schwierige Bälle zu halten ist immer schwierig.
Otto Rehhagel