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5625 Zuschauer erlebten am Samstagabend in Hoffenheim ein Regionalligaspiel, das alles hatte: frühe Euphorie, zittrige Minuten und ein Happy End mit jugendlicher Handschrift. Der TSV Hoffenheim besiegte den TSV Reichenbach mit 2:1 (1:0) und bleibt damit auf Kurs in der oberen Tabellenhälfte. Zwei Tore, beide von "Liams" erzielt, sorgten für die Punktlandung der Hausherren. Schon vor dem Anpfiff um 20:15 Uhr lag eine gewisse Spannung über dem Stadion. Trainer Dennis Simon hatte seine Elf offensiv ausgerichtet, das versprach Spektakel - und hielt Wort. Bereits in der 11. Minute rauschte der Ball zum ersten Mal ins Netz der Gäste: Liam Herrmann, der flinke linke Mittelfeldspieler, nahm eine Hereingabe von Aslaug Dalgaard direkt und donnerte sie unhaltbar unter die Latte. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Herrmann später, "aber wenn der Ball so will wie ich, nehme ich das mit." Reichenbachs Trainer Lutz Köhler schüttelte da nur den Kopf: "So ein Sonntagsschuss am Samstagabend - was will man machen?" Seine Mannschaft zeigte sich keineswegs geschockt. Sie tat, was sie am besten kann: anrennen. Ganze 16 Torschüsse vermeldete die Statistik für die Gäste, mehr als die Gastgeber (10). Doch Torwart Tommaso Aiello im Hoffenheimer Kasten war in Galaform. In der 37. Minute fischte er einen Schlenzer von Sergio Arino aus dem Winkel, als wolle er demonstrativ die Schwerkraft aushebeln. Kurz vor der Pause wurde’s dann ruppig: Dalgaard sah Gelb, nachdem er Reichenbachs Rechtsaußen Kendall etwas zu leidenschaftlich "begleitet" hatte. "Ich hab ihn kaum berührt", meinte Dalgaard nach dem Spiel mit unschuldigem Augenaufschlag - die Grasnarbe an Kendalls Knie erzählte eine andere Geschichte. Nach dem Wechsel ging es temporeich weiter. Reichenbach musste verletzungsbedingt wechseln: Goran Mikulic humpelte vom Feld, für ihn kam der junge Vitorino Makukula, der prompt durch Kampfgeist und eine Gelbe Karte auffiel (57.). "Ich wollte ein Zeichen setzen", erklärte er später. Das tat er - auf der Wade von Hoffenheims Guarano. In der 67. Minute dann der verdiente Ausgleich: Innenverteidiger Connor Bloomfield, sonst eher für rustikale Klärungsaktionen bekannt, stieg nach einer Ecke von Joseph Cunningham am höchsten und wuchtete den Ball per Kopf ins Tor. Jubel im Reichenbacher Block, und Trainer Köhler brüllte von der Seitenlinie: "Jetzt seid ihr endlich wach!" Doch die Freude hielt nur drei Minuten. Liam Mathieu, gerade einmal 18 Jahre alt und mit jugendlicher Unbekümmertheit gesegnet, sorgte in der 70. Minute für das 2:1. Nach feiner Vorarbeit von - na klar - Liam Herrmann schob er eiskalt ein. "Ich hab einfach draufgehalten", meinte Mathieu verschmitzt. "Im Training geht der immer drüber." Trainer Simon klopfte ihm danach auf die Schulter: "Heute nicht, mein Junge." Reichenbach warf in der Schlussphase alles nach vorn. Zwischen der 76. und 83. Minute prüften Makukula, Arino und Kendall den Hoffenheimer Keeper gleich mehrfach. Aiello parierte, was zu parieren war, und als der Ball in der 89. Minute noch einmal gefährlich durch den Strafraum segelte, rief Simon von der Seitenlinie: "Schießt ihn meinetwegen auf den Parkplatz - Hauptsache weg!" Gesagt, getan: Markus Block drosch das Leder in die Nacht. Am Ende blieb es beim 2:1. Hoffenheim hatte mehr Ballbesitz (56,3 Prozent), spielte reifer, auch wenn Reichenbach den höheren Einsatz zeigte. Beide Teams lieferten sich ein intensives, aber faires Duell - zwei Gelbe Karten, keine groben Unsportlichkeiten. "Das war Regionalliga-Fußball, wie man ihn sehen will", sagte Schiedsrichterin Lena Hartmann beim Abpfiff, "viel Leidenschaft, aber keiner hat’s übertrieben." Im Presseraum danach war die Stimmung gelöst. Simon grinste: "Zwei Liams, zwei Tore - das klingt fast nach einem Marketingplan." Köhler konterte trocken: "Dann hoffe ich, unsere Josephs treffen nächste Woche." So oder so: Es war ein Abend, der zeigte, dass Fußball manchmal keine großen Namen braucht, um zu glänzen - nur einen Schuss jugendlichen Übermuts und zwei Liams, die wissen, wo das Tor steht. Und irgendwo in Hoffenheim soll man nach Abpfiff gehört haben, wie ein Zuschauer lachend rief: "Wenn das so weitergeht, nennen wir unsere Jugendakademie einfach Liam-Camp!" Ein Vorschlag, den man sich dort vermutlich ernsthaft überlegen sollte. 30.07.643993 07:57 |
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Bei uns wird auf dem Platz zu wenig gesprochen. Das könnte an der Kommunikation liegen.
Erich Ribbeck